Klötze l Ortsbürgermeister und Gärtnermeister Hans-Jürgen Schmidt ist begeistert. „Einfach total schön, diese Ansicht“, so der Hobbygärtner, als er vom Holzsteg aus auf die Wiese schaut. Im selben Atemzug betont „Hassi“ Schmidt, dass er gefühlt noch nie so viele Orchideen wie in diesem Jahr auf der zwei Hektar großen Wiese gesehen hat. Damit liegt er auch richtig. Zwar erfolgt die Ras­terzählung erst nach dem Ende der Blüte in etwa vier Wochen. Doch Hans-Jürgen Schmidt ist sich sicher, dass Jürgen Lemke in diesem Jahr ein Rekordergebnis an Orchideen verkünden wird. Lemke zählt seit einigen Jahren die Anzahl der Blumen auf dem Feld.

Unterschiedliche Farbgebungen

In den zurückliegenden Jahren erhöhte sich die Anzahl der Blumen ständig. Waren es 2018 etwa 3000 Blumen, konnten im Vorjahr schon um die 6000 helle und dunkle Orchideen gezählt werden. Dass die Blumen so unterschiedliche Farbgebungen haben, liegt an ihrem Platz. Die in der Sonne stehen, sind etwas blasser als die in den schattigen Bereichen der Moorwaldsenke. Dass sich die Blumen im Lauf der Jahre ständig vermehren, liegt an der Ernte. Denn im September wird die zwei Hektar große Fläche mit einer Sense per Hand von mehreren Männern der Forstwirtschaft und der Arbeitsförderungs-, Beschäftigungs- und Strukturentwicklungsgesellschaft (ABS) Drömling abgemäht. „Die Saat der verblühten Blumen fällt beim Abmähen dann auf die Erde und vermehrt sich dann im kommenden Jahr“, erklärt der Gärtnermeister die Ursache für das ständige Anwachsen der Orchideen-Population.

Die nicht alltägliche Klötzer Orchideenwiese sucht in der Altmark ihresgleichen. Das wissen auch die Einheimischen zu schätzen, aber auch Auswärtige. Denn die Zahl der Besuchergruppen nimmt während der Blütezeit in den Monaten Mai und Juni zu. Zwar hielt sich die Resonanz auf Grund der sommerlichen Temperaturen im Vorjahr in Grenzen. Aber es gab schon Jahre, da fanden fast 100 Gruppen aus Sachsen-Anhalt und Niedersachsen den Weg zur Orchideenwiese.

Seltene Pflanzen wachsen auf Moorwaldsenke

Aber auch Einwohner aus der Region nutzen die Wiese als Ziel für eine Wanderung oder eine Radtour. Denn schließlich gibt es auf dem Areal noch einen Bienenlehrpfad.

Doch nicht nur die lilafarbenen Orchideen wachsen auf der sumpfigen Wiese. Auch die vom Aussterben bedrohten Pflanzen wie der Kleine Baldrian und das Sumpffarn erfreuen nicht nur die Einheimischen, sondern auch die zahlreichen Gäste, wenn sie einen Abstecher machen. „Diese beiden Pflanzen stehen auf der Roten Liste des Unesco-Welterbes“, betont Hans-Jürgen Schmidt und ist stolz, dass diese beiden Arten, neben vielen anderen seltenen Pflanzen, in Klötze wachsen. Dazu gehören auch die Kuckucks-Lichtnelke und der Bach-Nelkenwurz.

Heimat für Zauneidechse und Feuersalamander

Aber auch nicht alltägliche Tiere wie unter anderem die Blindschleiche, der Grasfrosch, die Ringelnatter, der Iltis, die Zauneidechse, die Libellen, die Wühlmaus, der Feuersalamander sowie die Waldeidechse und Kröten sind dort zu Hause. Das gilt es für die Zukunft zu sichern. Deshalb schauen er und Jürgen Lemke regelmäßig auf das im Klötzer Forst gelegene Areal. Das wurde 1971 vom Ehepaar Alice und Manfred Lietze entdeckt und im Rahmen des Schulunterrichtes errichtet. Vor sechs Jahren kam dann der Holzsteg hinzu, damit die zahlreichen Besucher nicht in die Moorwaldsenke laufen müssen und Blumen und seltene Pflanzen zertreten.