Klötze l Nach dreieinhalb Jahrzehnten geht der 60-Jährige mit dem Dienstgrad des Hauptkommissars zum Jahresende in den Ruhestand. 35 Jahre war er unterwegs, zum Schutz der Menschen, und immer den Ganoven auf der Spur.

Polizist ist Michael Pleuß erst im zweiten beruflichen Anlauf geworden. Und er kam auch erst über Umwege zur Polizei. Denn zunächst hatte der Familienvater mit Uniformen eigentlich nichts im Sinn. Nach der Schulzeit studierte der gebürtige Osterburger erst einmal Landwirtschaft und beendete das Studium als Agrar-Ingenieur-Ökonom. Doch dann weckte die ehrenamtliche Tätigkeit als freiwilliger Helfer der Volkspolizei in der früheren DDR sein Interesse am Dienst in Uniform.

So bewarb er sich 1985, nach seinem Armee-Grundwehrdienst, beim Volkspolizei-Kreisamt Klötze. Das passte gut, weil Michael Pleuß mit seiner Ehefrau, die er während des Studiums kennengelernt hatte, mittlerweile auch in Klötze wohnte.

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Am 1. Dezember 1985 trat er dann seinen Dienst als Schutzpolizist an und lernte das Einmaleins von Ordnung und Sicherheit in der Praxis kennen.

Doch Klötze musste der junge Ordnungshüter nach zwei Jahren schon wieder verlassen. In Jübar war die Stelle des Abschnittsbevollmächtigten (ABV) neu zu besetzen. Die Wahl fiel auf Pleuß. Während der Zeit war er nicht nur rund um den einst unweit der früheren innerdeutschen Grenze gelegenen Ort im Einsatz. Er musste erneut die Schulbank drücken. Diesmal in Aschersleben.

Fernstudium im Fach Kinderpsychologie

Mit dem Abschluss als Staatswissenschaftler in der Tasche begann im Oktober 1989 die Zeit der friedlichen Revolution in der untergehenden DDR. Als einer der letzten ABV in der Region war Pleuß bis Oktober 1990 im Dienst und wechselte dann zur Kriminalpolizei zurück nach Klötze. Allerdings wieder nicht auf Dauer. Denn schon im März 1991 musste Michael Pleuß für mehr als vier Jahre ins über 140 Kilometer entfernte Genthin und dort seinen Dienst bei der Kriminalpolizei leisten.

„Ich musste erstmal auf der Landkarte schauen, wo Genthin überhaupt liegt“, blickt der heute in Siedenlangenbeck wohnende Polizist zurück. Die Zeit war für ihn und seine Familie nicht einfach. Denn er sah seine Frau und seinen Sohn manchmal nur einmal im Monat.

Doch die Familie hielt zusammen und war froh, als die Zeit im Jerichower Land für den Ehemann und Vater zu Ende ging und im Mai 1995 in Gardelegen ein neues Kapitel aufgeschlagen wurde. In den neun Jahren im Sachgebiet Jugendkriminalität hatte Pleuß allerdings auch die andere Seite der Branche kennengelernt und dabei auch so manchem Jugendlichen, sogar Kindern, das Leben gerettet, als diese beim Umgang mit Drogen auf die schiefe Bahn geraten waren.

Dem ansonsten sehr sachlich wirkenden Ordnungshüter ging so mancher Fall sehr nah. Um das Verhalten der Kinder und Jugendlichen noch besser zu verstehen, absolvierte Pleuß in Darmstadt ein Fernstudium in Kinderpsychologie.

Über die Stationen des Gardelegener Kripochefs und des Revierkommissariatsleiters ging es im März 2008 an den Ursprungsort seiner Polizeilaufbahn zurück: nach Klötze. Zunächst noch als Dienststellenleiter und ab Januar 2015 dann als Regionalbereichsbeamter in der Einheitsgemeinde. Nach zwölf Jahren endet diese Tätigkeit nun zum Jahresende.

Viel hat Michael Pleuß in den 35 Jahren als Ordnungshüter erlebt. Und einige Augenblicke haben sich in sein Gedächtnis eingebrannt. So zum Beispiel ein Unfall mit Todesfolge, bei dem ein junger Mann in seinen Armen starb. „Ich habe in Winterfeld in der Tankstelle einen Kaffee getrunken und bekam den Notruf, dass sich zwischen den beiden Orten ein schwerer Unfall ereignet hat. Ich war als Erster am Ort und habe das Ausmaß des Unfalls gesehen“, blickt der Polizist zurück. Er habe den Fahrer aus dem Auto ziehen wollen, doch seine Hilfe sei zu spät gekommen. Der junge Mann sei schon tot gewesen. Das war für Pleuß das schlimmste Unfallgeschehen in seinem Berufsleben.

Innenminister hält sein Versprechen ein

Seine Schusswaffe musste der Siedenlangenbecker in den 35 Jahren übrigens nur zweimal ziehen. „Toi, toi, toi“, sagt er und klopft drei mal auf seinen Schreibtisch. Den ersten Schuss gab er bei einer Demo in Gardelegen ab, um Hilfe und Unterstützung seiner Kollegen anzufordern. Denn ein Demonstrant war mit einer Eisenstange auf ihn losgegangen. Hilfe kam dann auch umgehend.

Mit seinem zweiten Schuss setzte der stadtbekannte Ordnungshüter dem Leben eines Wildschweines ein Ende. „Ich musste das Tier erschießen“, erinnert er sich.

Einmal musste der erfahrene Beamte einer Person die Handschellen anlegen. Ein Mann sollte seine Haftstrafe in Stendal antreten.

Am liebsten war Michael Pleuß immer für die Menschen im Einsatz und kümmerte sich um ihre Belange.

Übrigens, so gibt er zu, habe er als Privatmann zweimal selbst gegen die Vorschriften, die er fast täglich umsetzen musste, verstoßen. Einmal stand sein Auto in Plau am See im Parkverbot. Sein Kollege dort drückte beide Augen zu. Nach einer zu schnellen Fahrt durch Ritzleben musste Pleuß allerdings 25 Euro Verwarngeld zahlen. Da kam er auch als Polizist nicht drum herum.

Während seiner Zeit in Uniform hat Michael Pleuß zudem mit zahlreichen Landes- und Kommunalpolitikern eng zusammengearbeitet, um den Polizeistandort Klötze bis heute zu erhalten. Dabei fällt dem zukünftigen Pensionär auch ein Treffen mit dem bis vor wenigen Tagen amtierenden Innenminister Holger Stahlknecht ein. Als Pleuß mit einem alten Golf am Tagungsort vorfuhr, staunte Stahlknecht nicht schlecht und meinte, dass sich das mit dem Dienstwagen schnell ändern werde.

Daran glaubte Michael Pleuß zwar nicht, aber kurze Zeit später bekam er tatsächlich einen Wagen für den Dienst. Pleuß schätze den ehemaligen Innenminister übrigens sehr. „Er hat ein großes Wissen“, lobt der künftige Pensionär den ehemaligen Ressortchef.

Das Wissen auch weiterhin nutzen

Kontakte waren für den Hauptkommissar in seinem Job immer wichtig, ob in puncto Zusammenarbeit mit dem Rathaus, den Schulen, dem Jugendklub in der Purnitzstadt oder dem Jule Kinderheim in Recklingen. Dadurch konnte er auch zahlreiche Delikte unkompliziert aufklären

Was Michael Pleuß ab Januar mit seinem neuen Lebensabschnitt anfangen wird, weiß er noch nicht genau. Auf jeden Fall möchte er sein umfangreiches Wissen weiter einsetzen. Vielleicht bei einer Sicherheitsfirma. Aber auch den Kontakt zu den Klötzer Kollegen sowie zum Rathaus und zur Feuerwehr möchte er als pensionierter Polizist aufrechterhalten. Und vielleicht wird seine Erfahrung ja bei der Absicherung des Klötzer Martinmartes in Zukunft noch gefragt sein.