Klötze l Viele Zeitungen, bunte Werbeprospekte, Servietten, Eierkartons sowie Rollen mit Toiletten- und Küchenpapier liegen wild durcheinander auf dem großen Tisch verstreut. Auf dem ersten Blick könnte man meinen, der Papierhaufen sei Abfall, der in die Tonne gehört. Doch das stimmt nicht ganz: In erster Linie dienen die verschiedenen Produkte den Mädchen und Jungen aus der Klasse 5 a der Beetzendorfer Sekundarschule – die wegen Bauarbeiten am eigentlichen Standort aktuell in der ehemaligen Zinnbergschule in Klötze untergebracht ist – als Anschauungsmaterial. Bei einem Projekt zum Thema Nachhaltigkeit drehte sich für die Mädchen und Jungen am Mittwoch alles ums Papier. Dabei verwandelten sie auch alte Zeitungen in Recyclingpapier.

Doch bis dieser praktische Teil an der Reihe war, stand ein bisschen Theorie auf dem Programm. Katrin Puhl von der Ökoschule in Kunrau, die auch die Fächer Biologie und Chemie an der Beetzendorfer Sekundarschule unterrichtet, brachte den Fünftklässlern dabei spielerisch das Thema näher.

Verschiedene Labels

So lässt sich auch der bunte Papierhaufen auf dem Tisch im Klassenraum erklären. Eine der Aufgaben bestand für die 15 Mädchen und Jungen aus der 5 a nämlich darin, das Papier zu sortieren, wie Katrin Puhl erklärte. „Die Schüler sollen entscheiden, welches Papier nötig ist, welches Luxus ist und welches sich durch etwas anderes ersetzen lässt“, sagte sie. Zur Verdeutlichung gab es einige Beispiele: Das Schreibpapier, auf dem die Kinder täglich ihre Aufzeichnungen machen, sei nötig. Ebenso das Toilettenpapier. Bei Eierkartons sehe das schon etwas anders aus. So könne man sich die Frage stellen, ob die Pappen nicht beim Einkauf in einem bestimmten Geschäft wiederverwendet werden könnten. „Große Diskussionen gab es beim Küchenpapier“, sagte Puhl. Für dieses lässt sich aber durchaus Ersatz finden, etwa ein Lappen. Bei der Zeitung – wie eine kleine Umfrage in der Klasse zeigte, steckt bei 14 von 15 Familien täglich eine gedruckte Ausgabe im Briefkasten – gingen die Meinungen ebenfalls auseinander. Viele Kinder wissen schon, dass man die Artikel auch im Internet lesen kann.

Woran man beim Kauf erkennt, wie umweltfreundlich Papier hergestellt wurde, lernten die Fünftklässler ebenfalls. Verschiedene Labels helfen dabei zu sehen, welches Produkt besonders nachhaltig ist. Allerdings gibt es da ganz unterschiedliche Varianten mit unterschiedlichen Kriterien. „Der Blaue Engel ist das beste und bekannteste Label“, erklärte Katrin Puhl. 100 Prozent Altpapier, davon 62 Prozent aus den unteren Sorten, müssten bei der Herstellung verwendet werden, wie auf dem Infozettel zu lesen war, den die Lehrerin verteilte. Ein zweites Label ist das „FSC“-Zeichen. „Das ist auch auf Campingmöbeln aus Holz zu finden und zeigt an, wie das Holz angebaut wurde“, sagte Puhl. Weniger aussagekräftig sei hingegen das „Ökopa Plus“-Zeichen, da dieses ungeschützt sei. Jeder kann es nutzen, so Puhl. Ein „reines Werbezeichen“ sei hingegen „Aqua Pro Natura – Weltpark Tropenwald“, das vom Verband der Lernmittelhersteller vergeben werde.

Enormer Energiebedarf

Katrin Puhl riet den Kindern, in Zukunft mal darauf zu achten, welches Label auf den Produkten abgedruckt ist. Sie sollen aber nicht gleich alles neu kaufen, betonte sie. Auf den Schulheften der Fünftklässler ist der Engel schon jetzt häufig zu sehen, wie ein Blick in die Rucksäcke zeigte.

Warum solche Label wichtig sind, erfuhren die Kinder im Anschluss, als es um den Rohstoff- und Energiebedarf ging, der für die Herstellung von einer Tonne Papier aufgebracht werden muss. So würden für gutes, weißes Papier der ersten Qualitätsstufe 2385 Kilogramm Holz, bis zu 440.000 Liter Frischwasser und rund 7600 Kilowattstunden Strom benötigt. Zum Vergleich: Wird Umweltschutzpapier hergestellt, werde kein Holz, sondern nur Altpapier verwendet. Der Wasserbedarf betrage mit 1800 Litern nur einen Bruchteil, ebenso der Energiebedarf mit 2750 Kilowattstunden. Nachzulesen war das auf einem Arbeitsblatt.

Brei abgeschöpft

Ganz ohne Holz kamen die Kinder aus, als sie ihr eigenes Recyclingpapier anfertigten. Gebraucht wurden dafür nur Zeitungen, ein Messbecher, ein Nudelholz, ein Schwamm, ein Kochlöffel, eine große Schüssel und ein Sieb. Das Rezept: Eine Doppelseite einer Zeitung in Schnipsel gerissen wird mit 750 Milliliter Wasser vermengt. In einem zweiten Wasserbad wird dieser Brei vorsichtig abgeschöpft, dann ausgebreitet und geglättet.

Die anderen Fünftklässler haben das Programm, das von der Schulsozialarbeiterin Birgit Lange organisiert und durch das Projekt „Schulerfolg sichern“ unterstützt wird, ebenfalls schon absolviert.