Klötze l „Pubertät – Wegen Umbau vorübergehend geschlossen“, das war der Titel des Themenabends, zu dem die Organisatoren am Dienstag in die Evangelische Familienbildungsstätte (EFA) in Klötze eingeladen hatten. Das Angebot stieß auf große Resonanz. Reinhard Grohmann machte als Referent einen kompetenten Eindruck. Immerhin griff er, während er erklärte, was während der Pubertät im Gehirn der Heranwachsenden passiert, auf seinen eigenen Erfahrungsschatz als dreifacher Vater inzwischen erwachsener Töchter zurück – und das auf recht humorvolle Art. Aufgezählt hat er außerdem jeweils fünf Punkte, was die Eltern tun und was sie tunlichst unterlassen sollten.

Nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen

Anhand eines Gehirnmodells erläuterte der Familienreferent anschaulich, wie das Kindergehirn zu einem leistungsfähigen Erwachsenengehirn umgebaut wird. Da das bei laufendem Betrieb geschehe („Das Kind oder der Jugendliche kann ja während des Umbaus nicht einfach ausziehen“), komme es zu Einschränkungen. Dass Verbindungen im Gehirn zwischen Denken und Gefühl zeitweise stark in Mitleidenschaft gezogen seien, habe zur Folge, „dass emotionale Impulse weniger steuerbar sind und der Kick, etwas zu spüren und zu erleben, größer werden muss“. Das mache nicht nur den Eltern zu schaffen, sondern auch den Heranwachsenden selbst, was sich unter anderem durch Stimmungsschwankungen, erhöhte Reizbarkeit, Vergesslichkeit und anderes äußere.

Da die Pubertät irgendwann überstanden und vorbei ist, riet der Familienreferent den Eltern beispielsweise bei unaufgeräumten Zimmern oder stehengelassenem Geschirr zu mehr Gelassenheit. Auch sollten sie nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen und nach einem Streit auf ihr Kind zugehen. „Den ersten Schritt bei der Deeskalation müssen immer die Eltern gehen, denn unser Hirn ist schon weiter entwickelt“, so Grohmann. Und wenn ein Elternteil vielleicht zu verletzt sei und den Schritt noch nicht tun könne, „dann geht halt der andere“.

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Klarheit der Eltern tut Kindern gut

Um sich zu Erwachsenen zu entwickeln, bräuchten Kinder Möglichkeiten zum Ausprobieren, Zeit zum Nachdenken („Chillen“), Austausch mit Gleichaltrigen (Clique), Reflexion durch Erwachsene und sie sollten die Chance bekommen, durch Infragestellen und Diskussion Dinge zu ergründen. In diesem Sinne seien Eltern die Trainer ihrer Kinder. Dabei tue eine große Klarheit der Eltern den Kindern gut. Andererseits müssten Eltern auch zulassen, dass sich Dinge ändern und die Kinder ihre eigenen Wege gehen.

In jedem Falle könnten sich Eltern gewiss sein, „dass Sie diejenigen sind, die vom Teenie am meisten geliebt werden“, nur würden die Kinder das unter keinen Umständen im Beisein anderer zugeben. Deshalb seien Eltern der Anker, der den Kindern Halt gebe, oder wie Reinhard Grohmann auch sagte: „Die deutsche Eiche, an der sich die Frischlinge das Fell reiben.“ Er fasste zusammen: „Eltern sein, ist eine Führungsaufgabe, die nicht immer Spaß macht, aber es ist unser Job.“