Klötze l Im Dauerstress standen im langsam zu Ende gehenden Sommer die Rettungs- und Notfallsanitäter gemeinsam mit dem Notarzt in der Klötzer DRK-Rettungswache. Leiter Oliver Ast führt über jeden Einsatz genau Statistik und rechnete allein für den Monat Juli 113 Fahrten zusammen. Auch der Notarzt war im über mehrere Tage extrem warmen Monat 88 Mal im Einsatz und rettete Leben. Da auch die Rohrberger Rettungswache zum Klötzer Standort zählt, kommen die 82 Fahrten der Außenstelle noch hinzu. Damit ist gegenüber dem Sommer des Vorjahres die Anzahl an Einsätzen zwar fast gleich geblieben. Da aber der Sommer 2019 auch schon mit monatlich mehr als 100 Einsätzen zu Buche schlug, bleibt der Trend erhalten.

Im Monat August hatten die Klötzer Rettungs- und Notfallsanitäter gemeinsam mit dem Notarzt mit 116 Einsätzen sogar noch drei mehr als im Vormonat. „Die Arbeit wird nicht weniger“, betonte Oliver Ast ausdrücklich. Das liegt zum größten Teil am demografischen Wandel, weil die Menschen in der Region immer älter werden. Auf den Tag gerechnet bedeutet das: Durchschnittlich sechsmal am Tag waren Retter in irgendeiner Form für kranke Menschen im Einsatz.

Im Monat Juli wurden die Klötzer Sanitäter allein an drei Tagen siebenmal und an zwei Tagen achtmal in lebensbedrohlichen Situationen gerufen. Das waren die Tage 5. und 6. Juli sowie der 13. Juli. Am 17. und 26. Juli notierte Rettungswachenleiter Oliver Ast sogar acht Einsätze.

So unterschiedlich die Aufgaben auch bei jedem einzelnen Ausrücken aus dem Depot der früheren Klötzer Feuerwehr sind: Immer steht das Leben des Betroffenen im Mittelpunkt. Da kann es auch schon einmal sein, dass ein Einsatz weit über zwei Stunden geht. Das hängt auch von der Schwere der Krankheit des Betroffenen ab.

Hubschrauber kommt von vier Standorten

Muss ein Rettungshubschrauber aus Uelzen, Perleberg, Wolfenbüttel oder Magdeburg in die Region Klötze kommen und dann den Patienten ausfliegen, reichen auch zwei Stunden manchmal nicht. Beläuft sich die Zahl der Einsätze auf sieben bis acht am Tag, „kommen wir manchmal nicht mal zum Mittagessen“, erzählt Oliver Ast.

Auch der äußerst warme August mit den tagelangen Temperaturen über 30 Grad ließ den Klötzer Ersthelfern kaum Luft zum Durchatmen. Ganz extrem waren der 4. und 10. August, aber auch der 21. August. An allen drei Tagen hatten Klötzer Rettungs- und Notfallsanitäter gemeinsam mit dem Notarzt sieben Fahrten.

„80 Prozent unserer Einsätze sind Herz-Kreislauferkarkungen“, schaut Oliver Ast auf die Statistik der Monate Juli und August zurück. Davon betroffen sind überwiegend ältere Menschen, aber auch jüngere, die sich bei der Wärme mehr an körperlicher Belastung zutrauen als ihr Körper verträgt, analysiert der Leiter der Klötzer DRK-Rettungswache. Ast lobt aber auch das Verhalten von Senioren während der Hitze und der seit diesem Frühjahr anhaltenden Corona-Pandemie.

Wetterumschwung bereitet den Menschen Problem

„Die älteren Menschen haben bei den tropischen Temperaturen ihr Haus nicht verlassen und haben ihre Versorgung extern geregelt“, merkt Oliver Ast positiv an. Dennoch sind die Westaltmärker bei einem Temperaturrückgang gleich unvorsichtiger. Der Wetterumschwung, den es an einigen Tagen im August mit Temperaturunterschieden von bis zu zehn Grad und mehr gab, führte bei zahlreichen Menschen zu einem erhöhten Blutdruck und im Ernstfall auch zum Herzinfarkt. Der Rettungswachenleiter sieht als Hauptgrund, dass sich die Menschen bei kühleren Temperaturen körperlich mehr zutrauen und sich dann überschätzen. Das führt dann zu Herz-Kreislaufschwäche.

Für die zu erwartenden heißen Herbsttage, aber auch schon für den hitzigen Sommer 2021, rät Oliver Ast besonders den älteren Menschen, am Tag mindestens zwei Liter Flüssigkeit zu trinken, damit das Blut nicht dickflüssig wird. Zudem sollten alle Aktivitäten auf die Morgen- und Abendstunden verlegt werden und nicht alle geplanten Vorhaben an solchen warmen Tagen realisiert werden. Ansonsten müssen die Klötzer Rettungs- und Notfallsanitäter gemeinsam mit dem Notarzt wieder einschreiten und Leben retten.

Krankenhaus-Schließungen bringen noch mehr Ar

Im Zuge der Krankenhaus-Debatte mit der eventuellen Schließung einiger Standorte, wie aktuell in Havelberg, sieht Oliver Ast für seine Branche noch mehr Arbeit anstehen. Ein Glück sei hier, dass es keine große Industrie in der Region gebe. Sonst hätten die Klötzer Einsätzkräfte noch mehr Alarmierungen. Doch auch die Zahl der Pflegeheime nimmt weiter zu. So entsteht nach Asts Worten gerade ein neues Senioren-Wohnheim. Damit wird der Aufgabenbereich auch für die Rettungswachen Klötze und Rohrberg größer.

Nicht unerwähnt lässt der Sanitäterchef aus eigenen Erfahrungen, das auch das Wolfsburger Klinikum an die Kapazitätsgrenzen gestoßen ist, weil sich sehr viele Westältmärker mit Herz-Kreislaufkrankheiten dort behandeln lassen würden. Deshalb erwarten die Klötzer Sanitäter, dass im Zuge der Krankenhaus-Debatte, wie gerade mit der Kinderklinik Gardelegen, auch an die Retter in der Not gedacht wird.