Buchhorst/Magdeburg l Das neue Jahr ist zwar erst einen Tag alt, doch die Buchhorster Bürgerinitiative (BI) gegen die EPS-Ausbreitung befürchtet das Schlimmste für 2020. Die Mitglieder haben Angst, dass die Termine für geeignete Bekämpfungen nicht gehalten werden können. Der Grund für diese Befürchtung ist simpel: Es fehlt derzeit am notwendigen Geld, um die Ausbreitung der Raupen und Nester mit den gesundheitsgefährdenden Härchen einzudämmen.

Auch nach der als Erfolg eingestuften chemischen Bekämpfung der Raupen und dem Absaugen Tausender Nester von Wohn- und Lebensbereichen in und bei Buchhorst in 2019, hängen noch weitaus mehr leere Gespinste voller Nesselhaare in und an Eichen rund um den Ort.

Anmerkung der Redaktion: Das Land Niedersachsen hat die finanzielle Unterstützung der Gemeinden beim Kampf gegen die EPS-Ausbreitung eingestellt. Ein herber Einschnitt für die Gemeinden und Menschen in den Regionen von Rühen, Parsau bis Kaiserwinkel, wie zu erfahren war.

Die Angst der BI Buchhorst scheint also durchaus begründet. Denn: Ob Mittel aus dem Haushalt der Landesregierung für 2020 fließen werden, ist vakant. Was bedeutet, dass in 2019 zugesagte weitere Hilfsgelder vom Land nicht als feste Größen eingeplant werden können.

Konsolidierung: Stadt in der Klemme

Die Stadt Oebisfelde-Weferlingen sitzt aufgrund der Konsolidierung in der Klemme, kann nur im Rahmen der Gefahrenabwehr reagieren. Doch auch dort muss das Geld für diese Notfallmaßnahme, die vor dem Schlupf der Raupen spätestens zu Beginn des Frühjahrs erfolgen muss, bei einem nicht genehmigten Haushalt 2020 erst einmal zur Verfügung stehen.

Vor diesem Hintergrund erwartet Jens-Olaf Seeburg für die BI Buchhorst trotzdem „eine nachhaltige und dauerhafte Unterstützung durch die Landesregierung bei der Wiederherstellung unserer Lebensqualität, die auf Grund des massiven Befalls durch den Eichenprozessionsspinner in unserem Territorium stark beeinträchtigt ist“. Seeburg erhofft sich entsprechende Resonanz, da er trotz aller Befürchtungen dankbar auf die finanziell geleistete Unterstützung in 2019 schaut. Eine Auswertung der aus Sicht der BI erfolgreichen Bekämpfungsmaßnahmen bis Ende November 2019 ist kurz vor dem Abschluss und kann den Adressaten zur Verfügung gestellt werden, verweist Seeburg auf Fakten.

Das Hilfeschreiben wurde von der BI ebenfalls an die Fachausschüsse für Arbeit, Soziales und Integration, für Gesundheit, für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, für Landesentwicklung und Verkehr und für Umwelt und Energie gesandt.

Verwaltungsgrenzen sind zu überwinden

Die Angst der BI, dass der Befall durch den EPS in der Region Buchhorst in diesem Jahr eben nicht in den Griff zu bekommen ist, begründet die BI mit der fehlenden Zusage, die Bereitstellung und die Freigabe entsprechender Fördermittel rechtzeitig zu realisieren. Daraus ergeben sich die Konsequenzen, so die BI in ihrem Schreiben, dass keine leistbare Planungsmöglichkeit für die Stadt Oebisfelde-Weferlingen erfolgen kann. Das ist aber die Voraussetzung, um eine termingerechte Ausschreibung vornehmen zu können. Es fehlt ebenso eine Prüfung für eine flächendeckende Behandlung mit Luftfahrzeugen. Und: „Die Übersiedlung der EPS-Population aus den unbehandelten in die behandelten Bereiche minimiert nachweislich den Erfolg der Behandlungen im signifikanten Ausmaß.“

Angemahnt wird zudem eine fehlende Prüfung von alternativen Methoden. Dazu zählt die BI die Erteilung von Ausnahmegenehmigungen für chemische Maßnahmen, den Einsatz von Pilzen und Nematoden oder die Heißwasserbehandlung. Für eine Optimierung der EPS-Bekämpfung sprechen nach BI-Ansicht die Zahlen, dass lediglich nur 15 Prozent des Baumbestandes in 2019 mit Bioziden effektiv und nachhaltig behandelt wurden. Des Weiteren, dass zwar 85 Prozent des Baumbestandes abgesaugt wurden, „was jedoch als eine für den aktuellen Befall nicht überzeugende Methode angesehen werden muss“.

Als ein weiteres gravierendes Hindernis wird der Verzicht auf Koordinierungen über Verwaltungsgrenzen hinweg, damit auch über Ländergrenzen, angesehen. Das ist aus Sicht der BI eben auch einer der Gründe, weshalb Termine zur Bekämpfung des EPS verstreichen.

Die Buchhorster BI sieht an vorderster Stelle die Notwendigkeit, die Gesundheit der Bürger zu erhalten, damit Notfällen vorzubeugen, und den Anspruch auf Lebensqualität zu gewährleisten. Darüber hinaus sieht sie die Gefahren, dass der Tourismus im Biosphärenreservat sich nicht nachhaltig entwickeln wird, und die Kulturlandschaft Drömling auf eine nicht absehbare Zeit beeinträchtigt wird.