Wenze l „An Gottes Segen ist alles gelegen“, steht über dem Eingang der Wenzer Kirche. Wenn es um die Zukunft des altehrwürdigen Gebäudes aus dem 18. Jahrhundert geht, dann kann Gottes Segen in der Tat nicht schaden. Denn: „Die Kirche ist in Gefahr“, betonte Pfarrer Thomas Piesker bei einem extra angesetzten Gesprächsabend. Das gesamte Objekt habe die besten Zeiten hinter sich, Sorgen bereite aber vor allem der Turm. „Von oben bis unten gibt es Schäden“, teilte Piesker mit.

Dass der Turm schief ist, erkennt man auf den ersten Blick, die Neigung war bereits vor Jahren bescheinigt worden. Doch die Lage wird immer bedrohlicher. Im Nachgang eines Termins am 4. April wurde das Läuten eingestellt, ein Sperrkreis eingerichtet und der Zutritt untersagt. Doch damit nicht genug: Am 6. Juli, so erinnerte der Pfarrer, habe er sich mit dem Kirchenältesten Andreas Gädicke aus Kusey vor Ort umgeschaut und festgestellt, dass der Turm zu wanken begonnen habe und immer mehr zur Seite kippe. Darum habe er Alarm geschlagen. Von den morschen Hölzern, an denen man nicht mal ein Lot anbringen könne, ganz zu schweigen. Hinzu käme der bröckelnde Putz, der in der Vergangenheit eher laienhaft angebracht worden sei. Außerdem scheinen sich die ständigen Erschütterungen, die vom Straßenverkehr ausgelöst werden, und die Hitzesommer negativ auf die Bausubstanz auszuwirken.

Klar sei, so Piesker, dass etwas unternommen werden müsse. Und zwar bald. Jedoch solle keine Entscheidung ohne die Menschen vor Ort getroffen werden, verdeutlichte der Pfarrer; wohl wissend, dass es sich bei der Wenzer Kirche um ein „historisch und kulturelles Erbstück“ handele, in das von den Einheimischen schon viel Zeit, Geld und Arbeit investiert wurde. Umso mehr freute sich Piesker über die prall gefüllten Kirchenbänke. Denn: „Es ist an der Zeit, dass Sie reagieren. Wir werden ihr Votum nicht überhören“, versprach er.

Land wird nicht verkauft

Bezogen auf den Turm gebe es viele Möglichkeiten. Beispielsweise könnte er abgestützt und saniert werden. Oder er wird abgetragen, eingelagert und später wieder aufgebaut. Oder eben abgerissen. Piesker stellte klar, dass noch nichts in Stein gemeißelt sei, verhehlte aber nicht, dass die Kosten in den Überlegungen eine Rolle spielen müssten. „Wir wollen einen Abriss vermeiden, dürfen ihn aber auch nicht aus dem Blick nehmen“, sagte er und wusste, dass eine Einlagerung des Turmes anderthalb mal so teuer wäre wie ein Abriss. Ansonsten hielt sich der Pfarrer zu den Kosten bedeckt, verriet aber später, dass man sich im sechsstelligen Bereich bewege.

Die Meinung der Wenzer war eindeutig: Kirche samt Turm sollen erhalten werden, alles andere komme nicht infrage. „Das ist ein Wort. Das Dorf stellt sich geschlossen hinter seine Kirche. Das können wir in die Waagschale werfen“, dachte Piesker schon an Gespräche mit der Kirchenverwaltung, potenziellen Geldgebern und Fördermittelanträge.

Doch selbst wenn es Bares von außen gibt, sei dennoch ein Eigenanteil aufzubringen. Und genau das stelle ein Problem dar, erklärte der Pfarrer. „Hätten wir im Kirchspiel nur diese eine Kirche, dann würde ich sagen, wir nehmen einen Kredit auf und verschulden uns, aber wir haben mehrere Objekte“, sagte Piesker und zählte die beiden Kirchen in Kusey auf, das Evangelische Landjugendzentrum in Kusey, das derzeit saniert wird, die Kirchen in Röwitz und Neuferchau und eben das Gotteshaus in Wenze. Der Pfarrer räumte ein, dass es schwierig sei, alle Objekte zu erhalten. „Die Baurücklagen sind zum Großteil aufgebraucht“, genau genommen gebe der Haushalt nur noch 1000 Euro her. „Das ist wirklich traurig, aber die Realität.“ Und: „Die Mittel von Landeskirche und Kirchenkreis werden nicht ausreichen.“ Ergo werde zur Rettung der Wenzer Kirche wohl kein Weg daran vorbeiführen, „Klinken zu putzen und die Hand aufzuhalten, auch wenn es peinlich ist“, wie Piesker zugab.

Um die leeren Kassen aufzufüllen, kam aus der Runde der Vorschlag, Kirchenland zu verkaufen. Piesker entgegnete, dass es für die Kirche generell keine Option sei, „Tafelsilber zu verscheuern“. Lieber werde verpachtet. Grund und Boden könne nur ein Mal verkauft werden. Dann habe man zwar für den Moment einen Batzen Geld, „aber nichts mehr für die nächsten Generationen“.

Konzept ist in Arbeit

Andere Anwesende meinten, dass die Gefahr nicht ganz so akut sei wie beschrieben. So habe der Turm früher mehr gewackelt als heute. Piesker, der bereits mit einem Fachbetrieb gesprochen hat, stimmte dem zu: „Ich denke auch nicht, dass der Turm morgen auf die Straße fällt, will aber nicht, dass wir zu spät handeln.“ Ein Indiz, dass es um die Kirche nicht ganz so arg bestellt ist, sei auch, dass sich die Bleche am Dach noch nicht von der Außenwand gelöst hätten.

Ortsbürgermeister Marco Wille machte deutlich, dass es sich bei der Wenzer Fachwerkkirche um ein geschichtsträchtiges und regional bedeutendes Bauwerk handele, das in zahlreichen Broschüren abgebildet sei. „Das Kirchenschiff vom Turm zu trennen, ist keine Option“, sprach er Klartext und schlug vor, den Ist-Zustand der Kirche genau untersuchen zu lassen. Parallel müsse man die Finanzierung absichern. In dem Punkt machte Wille den Wenzern Mut und bat darum, nicht zu verzagen, auch wenn es ein langer Prozess werden könnte. Er berichtete von der Kirche in seinem Wohnort Quarnebeck, wo aktuell die Orgel saniert werde. Über das Leader-Programm seien Fördermittel beantragt und auch bewilligt worden. „Und wir als kleine Gemeinde haben es auch geschafft, die Eigenmittel aufzubringen“, berichtete Wille. 

Er informierte darüber, dass das Geld von Dritten, beispielsweise von Banken oder Lotterien, als Eigenmittel angerechnet werden dürften. Je mehr Eigenmittel eingebracht würden, desto mehr Punkte gebe es und die Chancen auf Leader-Förderung stiegen.

„Herr Wellkisch vom Kreiskirchenamt hat sich schon Gedanken darüber gemacht, wo man welche Gelder bekommen kann“, wusste Andreas Gädicke und versicherte, dass der Gemeindekirchenrat nun wisse, dass sich die Wenzer den Erhalt der gesamten Kirche wünschen und ein Abriss des Turmes unbedingt zu verhindern sei. Ähnlich äußerte sich Pfarrer Piesker: „Mir ist bewusst geworden, wie viel Herzblut hier drinsteckt.“ Das ist ein Pfund, mit dem man wuchern könne.

Vorgesehen sei nun, die Kirche nochmal in Augenschein nehmen zu lasssen und ein Bau-, Planungs- und Finanzierungskonzept aufzustellen. Die ersten Ergebnisse, inklusive der Kosten, wolle man dann Ende des Jahres präsentieren.