Kusey l Die Volksbank-Filiale in Kusey wird Ende 2020 geschlossen. Personal gibt es dort schon länger nicht mehr. Ab September 2019 war in den Räumen nur noch „Selbstbedienung“ möglich. Nun werden dort auch die beiden Automaten zum Geldabheben und für Kontoauszüge abgebaut, wie Olaf Genth, Pressesprecher der Volksbank Südheide-Isenhagener Land-Altmark, auf Anfrage der Volksstimme bestätigt. Dass die Filiale aufgelöst wird, dafür gebe es seinen Angaben zufolge mehrere Gründe: „Auf der einen Seite steigt der Beratungsbedarf unserer Kunden stetig an. Gleichzeitig verschieben sich die Schwerpunkte im Service und das Kundenverhalten ändert sich.“ Und zwar in Richtung der digitalen Angebote, in die stark investiert werde, „um unseren Kunden stets das aktuellste Angebot zu bieten“, wie Genth betont.

Doch nicht jeder kann oder will diese digitalen Angebote nutzen. „Wir wissen um die Bedürfnisse der Menschen, die der Technik nicht so zugetan sind“, versichert der Pressesprecher. Daher gebe es zusätzliche Angebote, wie etwa die Telefonfiliale (05141/987 87 00), deren Erreichbarkeit auf zwölf Stunden täglich (montags bis freitags von 8 bis 20 Uhr) ausgebaut worden sei. „Hier haben auch Menschen, die weniger mobil sind, die Möglichkeit, alle wichtigen Bankgeschäfte bequem abzuwickeln.“ Darüber hinaus könnten sich die Kunden an das Kompetenz-Center in Klötze wenden oder mit einem Berater einen Hausbesuch vereinbaren.

Unterstützung des Ehrenamtes

Die Frage, ob mit der Schließung der Filiale in Kusey eine Schwächung des ländlichen Raumes einhergehe?, verneint Genth. Denn: „Das Angebot der Bank lediglich auf eine SB-Filiale zu reduzieren, wäre zu kurz gegriffen.“ Stattdessen stärke die Volksbank den ländlichen Raum und böte viele Optionen an, „um mit uns in Verbindung zu treten“. Neben den Beratungsangeboten gehöre dazu auch die Banking-App oder das Online-Banking. Außerdem entrichte die Volksbank ihre Steuern vor Ort und fördere das Zusammenleben der Menschen, das Ehrenamt sowie Vereine und Einrichtungen über Spenden und andere Zuwendungen. Damit erbringe die Volksbank einen „wichtigen Beitrag“, den Groß- und Internetbanken nicht erbrächten. Genth macht deutlich: „Der ländliche Raum hat in uns einen starken Partner, der sich seiner Verantwortung bewusst ist und diese wahrnimmt.“

Wolfgang Mosel (Die Linke), Mitglied im Klötzer Stadtrat und stellvertretender Ortsbürgermeister von Kusey, sieht das anders. Dass die Schalterstunden eingestellt wurden, habe er noch verstanden. „Aber dass nun auch der SB-Bereich entfällt, ist für mich nicht nachvollziehbar“, teilt Mosel mit. Zumal sich die Kuseyer Volksbank-Filiale direkt an der viel befahrenen L 22 befindet. „Eine ideale Möglichkeit, um schnell mal Geld oder Kontoauszüge zu ziehen“ – nicht nur für Einheimische, sondern auch für Auswärtige. Für ihn selbst, so Mosel, sei es seit den 1970er Jahren eine Selbstverständlichkeit gewesen, die Bankgeschäfte in seinem Heimatort zu erledigen. Diese Möglichkeit werde ihm und anderen jetzt genommen. Daher wolle er, im Namen vieler anderer Kunden, seinen Unmut zum Ausdruck bringen.

Domino-Effekt eingetreten

Mosel ahnt, dass die Parteien im Wahljahr 2021 propagieren würden, wie wichtig es sei, den ländlichen Raum zu stärken und dass für gleichwertige Lebensverhältnisse gesorgt werden müsse. „Auch die Volksbank hat bisher immer mit ihrer Präsenz in der Fläche geworben“, erinnert der Kuseyer und beklagt, dass von solchen „Sonntagsreden“ nicht viel zu halten sei, wie sich nun erneut in Kusey zeige. Erst das Aus für die Kaufhalle (Januar 2019), nun für die Volksbank. Damit, so Mosel, sei genau jener Domino-Effekt eingetreten, den er Ende 2018 befürchtet habe. Der stellvertretende Ortsbürgermeister macht deutlich, dass er in dieser Entwicklung eine „große Gefahr für den ländlichen Raum“ erkenne. Eine Entwicklung, die alle Bemühungen der Kommunalpolitiker, für die Bürger eine gute Infrastruktur zu schaffen, konterkariere.

Mosel hat Fragen, zum Beispiel: War es wirklich nötig, dass die Volksbank so entschieden hat? Und warum gab es vonseiten des Klötzer Bürgermeisters „auch diesmal“ keine Reaktion oder ein Bemühen, die Volksbank umzustimmen? Stattdessen: „Untätigkeit, wie vor zwei Jahren bei der Schließung der Kaufhalle.“ Mosel schreibt, dass ihm sehr wohl bewusst sei, dass Unternehmen in ihren Entscheidungen frei sind. „Aber wenn ein Unternehmer merkt, dass er von der Kommune keinen Widerstand oder Aufschrei zu erwarten hat, wird es ihm leichter fallen, sich gegen einen Standort zu entscheiden.“ Vom Bürgermeister und vom Stadtrat erwartet Mosel ein Umdenken, „ansonsten werden die Stadt Klötze und ihre Ortsteile noch mehr an Lebensqualität verlieren“. Die Volksstimme-Frage, ob der Bürgermeister oder der Stadtrat die Schließung der Kuseyer Volksbank-Filiale irgendwie hätte verhindern können, ließ Pressesprecher Olaf Genth unbeantwortet.