Klötze l Nur noch bis zum 31. Juli 2020 ist die Schulsozialarbeit in Sachsen-Anhalt finanziell abgesichert. Danach läuft die EU-Förderung aus. Als Nicole Baumann, Vorsitzende des Elternrates an der Klötzer Sekundarschule, davon bei einer Versammlung in Salzwedel erfuhr, gründete sie mit Gleichgesinnten die Eltern-Initiative (EI) „Pro Schulsozialarbeit“. Diese kämpft für ein Fortbestehen der Schulsozialarbeit über 2020 hinaus. Bei einer Info-Veranstaltung am 29. Oktober in der Klötzer Sekundarschule wurde eine Unterschriftensammlung gestartet. Am Mittwoch erfolgte in der Evangelischen Familienbildungsstätte (EFA) in Klötze die Auszählung.

„Bisher sind über 6000 Unterschriften zusammengekommen“, informierte Doreen Schulz von der Netzwerkstelle Schulerfolg. „Der Rücklauf war enorm, der Briefträger mag mich nicht mehr“, scherzte Eva Baucke von der Eltern-Initiative. Besondere Anerkennung sprach sie den „extrem fleißigen Grundschulen“ aus. Ein Dankeschön ging aber auch an alle anderen Beteiligten, etwa die Caritas oder das Deutsche Rote Kreuz. Um Mithilfe wurden Schulen und Verbände in ganz Sachsen-Anhalt gebeten. Die Unterschriftenlisten lagen zudem in etlichen Geschäften in Klötze aus. Weiterhin warb die Eltern-Initiative bei diversen Veranstaltungen, wie zuletzt beim großen Halloween-Fest in Kunrau, für ihr Anliegen. Sogar aus Niedersachsen gab es Rückmeldungen. Die Unterschriftensammlung soll fortgesetzt werden. „Viele Schulen baten um Verlängerung“, berichtete Nicole Baumann, die als „Herz und Seele“ der Eltern-Initiative gilt.

Listen als Geschenk verpackt

Die Eltern-Initiative will die Unterschriften vor dem Landtag in Magdeburg an Bildungsminister Marco Tullner überreichen. Aber nicht einfach nur in Papierform, „sonst verschwindet das vielleicht gleich in irgendeinem Aktenschrank“, wie Doreen Schulz meinte – sondern mittels eines großen Kartons, als Geschenk verpackt, in dem sich auch bunte Bälle befinden. Darauf ist zu lesen, was die Schulsozialarbeit alles leistet.

„Ohne Schulsozialarbeit würde der Alltag an Schulen überhaupt nicht mehr funktionieren“, betonte Thomas Koberstein vom VfB Salzwedel, der gestern in der EFA die Landesweite Vereinigung der Träger der Schulsozialarbeit (LIGA) vertrat. Er forderte, dass es die Schulsozialarbeit künftig an allen Schulen in Sachsen-Anhalt gibt und kritisierte, dass sich die Landesregierung nun schon seit zwei Förderperioden auf eine Finanzierung von außen verlasse. Dabei sei das Programm „Schulerfolg sichern“, über das die Schulsozialarbeit von der EU mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) bezuschusst wird, ohnehin nur als Anschubfinanzierung gedacht gewesen. Wenn die ESF-Mittel im Juli 2020 auslaufen, seien im Land rund 400 sozialpädagogische Stellen und damit viele Projekte und Angebote an den Schulen gefährdet.

Land soll Lösung finden

Um von der Landesregierung ein klares Bekenntnis zur Schulsozialarbeit zu fordern und auf Lösungen zu drängen, haben sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), der Landeselternrat, der Landesschülerrat, die LIGA der Freien Wohlfahrtspflege und die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung zu einem Aktionsbündnis zusammengeschlossen. Der Tenor lautet, dass die Schulsozialarbeit und auch das Personal der Netzwerkstellen als Bindeglied zwischen Schule und Elternschaft unverzichtbar geworden sei. Koberstein legte in der EFA eine just gefasste Resolution des Aktionsbündnisses vor. Darin heißt es: „Um erfolgreiches Lernen für alle Kinder und Jugendlichen zu ermöglichen, ist es notwendig, die sozialpädagogischen Angebote dauerhaft fortzuführen und weiter auszubauen. Lehrende, Schüler, Eltern und Schulsozialarbeiter brauchen Planungssicherheit und Perspektiven für ihre Zukunft.“

Koberstein lobte, dass die Eltern-Initiative „Pro Schulsozialarbeit“, und damit eine Gruppe aus der Altmark, eine positive Welle mit überregionaler Wirkung losgetreten habe. „Das war der Startschuss. Darauf kann man stolz sein“, unterstrich Koberstein und kündigte mehrere Aktionen des Aktionsbündnisses für 2019 an, beispielsweise im Internet, die Präsenz bei der Landespressekonferenz im Januar, einen Aktionstag und weitere Unterschriftensammlungen.

Taten statt Worte

Wie Eva Baucke sagte, würden von der Landesregierung nun „Taten statt Worte“ erwartet. Damit die Schulsozialarbeit, die laut ihrer Mitstreiterinnen Conny Washausen und Doreen Schulz den Horizont der Schüler zum Beispiel durch Themen wie Digitalisierung oder Berufsvorbereitung erweitere, auch nach 2020 erhalten bleibt. „Die Verträge laufen aus. Es ist erstaunlich, dass die Schulsozialarbeiter trotzdem so motiviert sind“, stellte Eva Baucke fest.