Kunrau l Viel Stauraum bietet der Auflieger eines großen 40-Tonners. Doch um den Platz optimal auszunutzen, sind Augenmaß, Geschick und einiges an Kraft nötig, wenn er von Hand beladen wird. Dann ist es eine schweißtreibende Angelegenheit, wie sich am Mittwochnachmittag in Kunrau zeigte. Dort, in einer kleinen Seitenstraße nahe der Kirche, waren fleißige Helfer damit beschäftigt, einen Lkw-Anhänger zu beladen. Unzählige Pappkisten und Plastiksäcke, die unter anderem mit Kleidung und Geschirr gefüllt sind, galt es unterzubringen. Hinzu kamen größere Teile wie Matratzen, Tische, zahlreiche Stühle, Fahrräder, Rollstühle, Kinderwagen und mehr. Alles wurde für das Projekt „Rumänienhilfe Zvoristea“ gespendet. Bestimmt sind die Hilfsgüter für den gleichnamigen Ort in dem osteuropäischen Land. Dort sollen sie die Not der armen Menschen etwas lindern.

Dritter Transport im November

Es war bereits der zweite Transport dieser Art, der 2018 auf den Weg geschickt wurde. Im April setzte sich schon einmal ein Lastwagen mit dem Ziel Rumänien in Bewegung, wusste Hans-Otto Bohlecke. Der Gardeleger engagiert sich seit zwölf Jahren in dem Hilfsprojekt, das 1990 im kleineren Rahmen angefangen habe und ist für den Bereich der Hansestadt zuständig. In Kunrau packte er ebenfalls mit an. Ein weiterer, dritter Transport ist für Anfang November geplant.

„Zum Erntedankfest bitten wir um Lebensmittelpakete“, erklärte Bohlecke. Gefragt seien aber auch Textilien wie Winterkleidung, Decken, Schulranzen und ähnliches. Bis zum 20. Oktober sind die Spenden möglich, wusste der Kunrauer Erich Fischbeck, in dessen Scheune die Hilfsgüter lagern. Abgegeben werden könnten die Pakete mit einem Gewicht von zwei bis vier Kilo bei ihm. Möglich sei das zudem in der Evangelischen Familienbildungsstätte (EFA) in Klötze oder im Rohrberger Pfarramt. Gespendet werden könnten alle haltbaren und verpackten Lebensmittel wie Nudeln, Reis, Mehl, Zucker, Öl oder Süßigkeiten, nannte Fischbeck als Beispiele.

Stühle fürs Gemeindehaus

Am Freitag, so schätzte Hans-Otto Bohlecke ein, könnte der Laster, der am Mittwoch in Kunrau abgefahren ist, sein Ziel erreichen. Es sei nur ein Fahrer im Einsatz, und der dürfe nicht durchfahren. Dafür wäre die Strecke mit rund 1800 Kilometern zu lang. Eine Abkürzung über die Ukraine sei nicht ohne weiteres möglich. Verstaut waren in dem Hänger übrigens ebenfalls Spenden aus Gommern und Kloster Neuendorf. Dort hätten andere Helfergruppen schon einen Teil der Beladung übernommen, bevor die rund zehn Freiwilligen in Kunrau zur Tat schritten.

„Ich fahre am Sonntag hinterher“, blickte Hans-Otto Bohlecke voraus. Vor Ort wolle er die Lage sichten und das Verteilen der Hilfsgüter organisieren. Bestimmt seien diese aber nicht ausschließlich für hilfebedürftige Familien in Zvoristea. Bedacht werden sollen ebenfalls Menschen in einer anderen Region an der ukrainischen Grenze. „Dort gibt es Sinti- und Roma-Familien, die Hilfe benötigen“, erklärte Bohlecke.

Geräte noch immer im Einsatz

Was es mit den unzähligen roten, blauen und grauen Polsterstühlen auf sich hat, die neben dem Lastwagen aufgestapelt an der Seite standen, wusste Bohlecke ebenfalls. „Die Stühle sind für ein Gemeindehaus bestimmt und wurden von einem Hotel gespendet“, sagte er. Die Sitzgelegenheiten sollen dabei helfen, dass auch Arme in dem Gemeindehaus Hochzeiten oder Familienfeste feiern können. Früher seien sogar schon landwirtschaftliche Geräte, die in Deutschland ausgedient hatten, nach Rumänien gebracht worden. „Sie werden bis heute genutzt“, zeigte sich Bohlecke darüber erfreut.