Klötze/Trippigleben l Den Antrag auf ein Abspalten Trippiglebens von den beiden Ortsteilen Wenze und Quarnebeck hatte der Trippiglebener Ralf Philipp samt Unterschriftenliste bei der Stadt eingereicht. Doch Ralf Philipp fehlte im öffentlichen Teil der Stadtratssitzung im Rathaus, wie nicht wenige Stadträte monierten, weil sie von ihm einige Fragen beantwortet haben wollten. Klaus Vohs (UWG) bedauerte das Fernbleiben von Philipp mit diesen Worten: „Das ist ein sehr schlechtes Zeichen. Wenn die mit einer Unterschriftenliste von Tür zu Tür laufen müssen, stimmt was nicht.“ Er werde nicht für den Ausstieg votieren.

SPD-Stadtrat Adolf Fehse zum Beispiel wollte wissen, welche Kosten der Einheitsgemeinde Klötze durch den zusätzlichen eigenständigen Ortsteil Trippigleben entstehen. „Nach ersten Schätzungen 2500 Euro pro Jahr“, informierte Bürgermeister Uwe Bartels. Dieses Geld müsse beispielsweise für das Sitzungsgeld der dann drei Ortschaftsräte und anderes eingesetzt werden.

Folgen andere Orte?

Seinen Respekt zollte Jörg Kägebein (SPD) dem Ortsbürgermeister Marco Wille (UWG), der sich wählen ließ und sich für die drei Ortschaften einsetzte. „Sie kennen die Stärken und Schwächen am besten“, wandte er sich direkt an ihn. „Wo sehen Sie die Ursachen dafür, dass Trippigleben ausscheiden möchte?“

Wille brauchte nicht lange zu überlegen, musste er doch bereits mehrfach dazu Stellung beziehen. „Ein Teil der Menschen in Trippigleben sieht sich im demokratischen Prozess nicht mitgenommen. Dem Ortschaftsrat ist es nicht gelungen, das Zugehörigkeitsgefühl der Trippiglebener zu stärken.“ Sie würden sich erhoffen, nach dem Ausscheiden direkter an die Stadtverwaltung gehen zu können. „Außerdem sehen sie bei allen Ortschaftsräten, dass die nur einen symbolischen Charakter haben, nur beratend und anregend bei der Stadt Projekte ansprechen können“, kritisierte Marco Wille.

Linke stimmt zu

Doch Jörg Kägebeins Sorge ging noch in eine andere Richtung: „Ich akzeptiere die Entscheidung der Trippiglebener, bin aber beunruhigt. Neuendorf oder andere Ortsteile könnten demnächst auch ausscheiden wollen. Wir öffnen mit dem Beschluss eine Tür.“ Es tue weh, wenn man sehe, dass eine Kommune gehen möchte. Er sehe das mit Sorge.

Die Fraktion der Linken werde dem Ausscheiden zustimmen, weil es sich um einen demokratischen Prozess handele, betonte noch einmal Wolfgang Mosel. Er vermutete, in Trippigleben „muss was schiefgegangen sein, weil es kein Signal gegeben hat“.

Streichungen von der Liste

Mehr auf das Gemeinwohl wollte Hermann Wegner (UWG) bei dem Thema blicken. „Nur zu sagen, dass man mit der Stadt alleine besser aufgehoben sei, das sehe ich nicht so.“ Die Mehrheiten in dem kleinen Ort interessierten dagegen den Schwiesauer Stadtrat Manfred Hille (CDU). Doch die prozentualen Meinungsverhältnisse vermochte auch Marco Wille nicht zu nennen. „Das ist nicht einfach zu sagen. Einige Leute ließen sich von der Unterschriftenliste für den Austritt nach Bekanntwerden aller Fakten wieder streichen.“ Er gehe dennoch von „einer erheblichen Anzahl aus“, die den Austritt befürwortet. Manfred Hille hatte trotzdem „Zweifel, dass es eine Mehrheit ist“.

Horst Wienecke (UWG) würde das Austreten „als Stadtrat unterstützen und nicht reingrätschen. Wenn es ans Eingemachte geht, muss jeder selbst entscheiden.“ Das Ergebnis der abschließenden Abstimmung: 13 Stadträte befürworten den „Trexit“, fünf sind dagegen und drei enthielten sich der Stimme. Der Beschluss tritt am 1. Juli 2019 in Kraft.