Klötze l Die anhaltende Dürre ist für die Landwirte im Altmarkkreis Salzwedel ein gewaltiges Problem. Das machte der Kreisbauernverband am Dienstag bei einer Vorstandssitzung in Klötze deutlich. „Mit so einer Situation haben wir nicht gerechnet“, sagte Vorsitzender Raimund Punke. Die Niederschläge sind ausgeblieben, im gleichen Maße stiegen die Temperaturen. Das ging auch aus einem aktuellen Diagramm der Versuchsstation Beetzendorf hervor, das Annegret Jacobs, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes, vorlegte. In diesem Zusammenhang machte ein Sprichwort die Runde: „Vom Hafer säen bis Hafer mähen kein Regen.“ Das entspricht dem Zeitraum vom Frühling bis zum Sommer.

Weniger Quantität, weniger Qualität

Und genau diese Trockenheit hat Folgen. Christian Mahlow, Geschäftsführer der Landwirtschaftlichen Erzeugergemeinschaft Berge, sprach von deutlichen Verlusten bei allen Feldfrüchten im Vergleich zum Jahr 2017, das auch schon nicht berauschend gewesen sei: 35 Prozent weniger bei der Gerste, ebenso beim Raps, 30 Prozent weniger beim Weizen, 60 Prozent beim Roggen und wenn der Mais auch noch „stirbt“, entfalle eine der wichtigsten Futtergrundlagen für die Kühe. Das gleiche Dilemma gebe es beim Gras. „Der zweite Schnitt ist komplett ausgefallen“, berichtete Mahlow und befürchtete, dass Mais und Gras für die Silage nicht einfach hinzugekauft werden könnten, weil die Betreiber von Biogasanlagen als starke Konkurrenten zu erwarten seien.

Ähnlich wie Mahlow äußerten sich auch die anderen Vorstandsmitglieder, wenngleich sich, bedingt zum Beispiel durch andere Bodenwertzahlen, marginale Unterschiede ergaben. Allen Landwirten stand die Ernüchterung aber ins Gesicht geschrieben. „Man kriegt das Weinen“, unterstrich Silke Johansen-Rötz, Leiterin des Feldbaus bei der Agrargenossenschaft Jeggeleben.

Margret Pieper von der Agrarerzeugergemeinschaft Pretzier wies darauf hin, dass die Betriebe in diesem Jahr nicht nur weniger Getreide ernten, sondern auch noch welches mit schlechterer Qualität. „Da ist viel Kleinkorn dabei.“ Daher müsse man auch hier mit geringeren Erlösen rechnen.

„Die Preise für Getreide sind eh schon flach“, erklärte Raimund Punke und nannte einen Betrag von 14,50 Euro je Dezitonne. Hinzu kämen dann noch Abschläge wegen der minderen Güte. Punke ist Geschäftsführer bei der Milcherzeugergenossenschaft (MEG) Klötze mit 1200 Milchkühen. Diese seien mit Spitzensportlern zu vergleichen, die aber nur mit Spitzen-Nahrung auch Spitzen-Leistungen vollbringen könnten.

Doch: „Gras und Mais sind durch. Da steckt keine Energie mehr drin“, meinte Harald Könnig, Geschäftsführer der Landwirtschaftsprodukte eG Bandau.

Friedrich-Wilhelm Giggel, Gesellschafter der Landwirts GbR Jerchel, beschrieb die Besonderheiten im Drömling. „Da durften wir erst am 15. Juni mähen.“ Und von Qualität könne beim Gras keine Rede sein. „Das ist Holz. Ohne Eiweiß. Der zweite Schritt sei noch nicht einmal gewachsen. Kein Wunder, denn: „Die Ohre ist leer. Das Wasser ist weg.“

Rücklage für schlechte Jahre

Vor den Landwirten, das wurde bei diesem Termin deutlich, türmt sich ein Problem nach dem anderen auf. Angesprochen wurde auch das Beregnungsverbot, die Düngemittelverordnung sowie der auf 32 Cent pro Kilo gerutschte Milchpreis. Überdies sorgten sich die Landwirte um weitere Ausgaben aus dem Zukauf von Futter und Saatgut und der ungewissen Zukunft mit zu vielen Variablen. „Man kommt sich vor wie in einem Hamsterrad“, schilderte Punke, der betonte, dass die Tiere unter all dem nicht leiden dürfen. Darüber gab es in der Runde einen breiten Konsens. Allerdings, so deutete Annegret Jacobs an, könnte es sein, dass ein Tier „früher zum Schlachter geht“, um Kosten einzusparen.

Die Verbandsgeschäftsführerin fasste zusammen: „Wir sind unverschuldet in eine Not geraten, aus der wir alleine nicht herauskommen. Wir brauchen liquide Mittel, ein konkretes Programm. Ohne staatliche Hilfe schaffen wir das nicht.“

Dahingehend äußerte Raimund Punke den Voschlag, dass die Landwirte in guten Jahren eine Rücklage bilden sollten, die steuerlich aber nicht angefasst wird, um dann die schlechten Jahre halbwegs überstehen zu können. Er sei sich sehr wohl bewusst, dass in der Öffentlichkeit bisweilen der Eindruck vorherrsche, dass die Landwirte bevorteilt werden. Das stimme zwar nicht, aber würde seine Idee zur Realität werden, „dann bräuchten wir auch nicht jammern und um Förderung bitten“.