Klötze/Kunrau l Kunst für jeden zugänglich zu machen, das ist eines der Ziele des Festivals „Wagen & Winnen“, das am Wochenende in der Altmark über die Bühne ging. An mehr als 20 Orten wurde Kunst in ihrer ganzen Vielfalt präsentiert, darunter auch in Klötze und Kunrau.

Im Klötzer Atelier von Petra Schmidt am Eichholz konnten die Besucher erleben, wie ein Bild entsteht und sich an den ausgestellten Werken unterschiedlichster Stilrichtungen ergötzen. Zu sehen waren beispielsweise einige Schöpfungen von Manfred Voigt aus Gardelegen, der unter anderem das Rathaus der Hansestadt um 1890 zu Papier gebracht hatte. Bewunderung erntete er vor allem für seine Darstellung des berühmten Schokoladenmädchens, das dem Original aus dem 18. Jahrhundert verblüffend ähnelt. „Fast so wie das Echte“, lobte Petra Schmidt, die sich für ihre eigenen Bilder übrigens gerne etwas Neues einfallen lässt. Da kommt auch schon mal ein Föhn zum Einsatz. Oder Bitumen. „Für den Shabby-Look“, wie sie erklärte.

Lübecker reisten für ein Bild an

Ihr ganz persönliches Highlight hatte Schmidt bereits am Freitagabend für sich verbuchen können, als plötzlich drei Herren aus Lübeck auftauchten und sich nach einem Gemälde von ihr mit blauem Meer und grünen Wolken erkundigten, das sie vor vier Jahren im Gerlach-Speicher in Salzwedel ausgestellt und derweil an ihre Tochter verschenkt hatte. Die rückte es aber gerne wieder heraus, um die Kunstliebhaber aus dem hohen Norden zufriedenzustellen. „Das muss man sich mal vorstellen. Da kommen die extra den weiten Weg hierher. Ich bin immer noch total geflasht“, freute sich Petra Schmidt. Nicht minder freute sie sich am Sonntagnachmittag über die Lesung von und mit Ramona Metzing, die Gedichte vortrug, zu denen ihr die Bilder von Petra Schmidt die Inspiration geliefert hatten.

Inspiration. Das ist etwas, an dem es Lothar Schulz aus Klötze keineswegs fehlt. In seinem Haus an der Salzwedeler Straße, das er am Wochenende für „Wagen & Winnen“ öffnete, sind Hunderte Bilder zu bestaunen. Davon wollte sich am Sonntagmittag auch Kilian Möllmann aus Breitenrode überzeugen. „Er ist der 20. Besucher heute“, wusste Schulz, der von der regen Resonanz überrascht war und Menschen aus mehreren Bundesländern begrüßen konnte. Am Sonnabend, so erzählte Schulz, „war es kurios. Da sind die Leute immer im Doppelpack gekommen. Von morgens bis abends.“

Besucherrekord in Kunrau

Richtig voll wurde es am Wochenende auch auf dem Kreativhof in Kunrau. „Wir wussten gar nicht, wohin mit den vielen Besuchern“, berichtete Verena Treichel. „Das war extrem.“ So extrem, dass nicht nur die Bratwürste knapp geworden seien, sondern auch das von ihrem Mann Christoph in der neuen Hofbrauerei gebraute Bier. Das Programm auf dem Kreativhof reichte von Naturfloristik, Fotografie und Nähkursen über eine Keramikdruckwerkstatt, die Erstellung von Fadenbildern und „Upcycling“. Darunter versteht man die Aufwertung von alten Dingen, die man sonst vielleicht in den Müll werfen würde. Außerdem gab es ein Theaterstück sowie einen Straßenflohmarkt.

Zu denen, die einen Stand hatten, gehörte die zwölfjährige Stella Nitsche, die sich schweren Herzens von 68 ihrer 97 Spielzeugpferde trennen wollte. „Die anderen sind was Besonderes, die gebe ich nicht her“, sagte Stella, die sich von ihrem Erlös einen Zwerghamster samt Käfig und Futter kaufen möchte. „Ein Hamster kostet 12,99 Euro“, wusste sie.

Derweil sparen Nele Smolnik und Joline Hahn bereits für den Martinimarkt, der Ende Oktober wieder in Klötze veranstaltet wird. Im Angebot hatten die beiden zwölfjährigen Mädchen vor allem Kleidung, aus der sie herausgewachsen sind, darunter eine Mütze, die Joline während eines Urlaubes in Schottland erstanden hat. „Die hält schön warm“, versicherte sie.