Steimke l Die Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Kunrau hat mit Stand zum 1. Januar 2019 insgesamt 247 Mitglieder. Vor Jahresfrist waren es noch 261. Ein Großteil davon traf sich am Donnerstagabend zur Jahreshauptversammlung im Steimker Saal. Es galt, das Jahr 2018 auszuwerten und weitere Weichen für die Zukunft zu stellen, wie Vorsitzender Gerhard Fiebig bei der Begrüßung sagte.

Ein Baustein dabei ist, dass der FBG am 6. Dezember 2017 eine nachhaltige Waldbewirtschaftung bescheinigt worden ist. Ein Vorteil dieser Zertifizierung ist, dass dadurch bessere Holzpreise erzielt werden können.

Inventur bringt nur Vorteile

Eine weitere Weichenstellung wurde bereits bei der FBG-Versammlung 2018 auf den Weg gebracht, nämlich der einstimmige Beschluss zur Erstellung eines Forsteinrichtungswerkes. Dabei handelt es sich um eine Inventur des Waldes auf den Flächen der Mitglieder. Ausschreibung und Auftragsvergabe seien bereits erfolgt, berichtete Fiebig. Das Ganze kostet mehr als 40.000 Euro, den Waldbesitzer aber keinen Pfennig. Die Finanzierung erfolgt aus dem FBG-Vermögen und überwiegend von außen. Dazu wurde am 27. August 2018 beim Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten in Dessau ein Antrag auf Fördermittel gestellt. Unerwartet, so Fiebig, habe sich die Behörde anfangs quergestellt und den Zuwendungsbescheid erst auf Nachdruck am 29. Oktober 2018 erteilt. Fiebig bedauerte, dass sich 25 Mitglieder mit 80 Hektar Fläche noch nicht zur Waldinventur entschieden hätten. Nachteile, so beruhigte er auf Nachfrage von FBG-Mitglied Burkhard Hartmann, entstünden den anderen Waldbesitzern dadurch aber nicht. Dennoch appellierte Fiebig an die Unentschlossenen, ihre Zurückhaltung aufzugeben.

Denn die Waldinventur brächte nur Vorteile, wie Martin Hillmann aus Niedersachen während eines Vortrags darlegte. Zwei Mitarbeiter würden sich in den kommenden Wochen und Monaten die Flurstücke ansehen, um vor allem Art, Alter und Zustand des darauf befindlichen Bewuchses zu ermitteln. Die jeweiligen Resultate bekäme jedes FBG-Mitglied in Form einer Mappe oder auf CD ausgehändigt. Daraus ließen sich Rückschlüsse ziehen, ob beispielsweise eine Durchforstung lohnenswert sei oder Pflegemaßnahmen angebracht wären. Aus der Summe der kartierten Grundstücke ergäben sich auch Hinweise zur Verbesserung der Transportlogistik und Waldbewirtschaftung.

Förderung ist ungewiss

Dies ist für die FBG vor allem mit Blick auf den Holzeinschlag als Einnahmequelle von Belang. 2018 seien 3240 Festmeter zusammengekommen, wie Fiebig berichtete. Für 2019 seien 2700 Festmeter geplant. Die Preise, vor allem für Industrie-Nadelholz, seien nach den Worten des Vorsitzenden „völlig okay“, eine Durchforstung daher empfehlenswert. Pro Festmeter, der selbst vermarktet wird, gibt es vom Land auch in den nächsten Jahren eine Mobilisierungsprämie von zwei Euro und dazu 50 Euro für jedes neue Mitglied. Diesbezüglich konnte Fiebig schon bei der FBG-Versammlung 2018 Entwarnung geben.

Noch unklar sei hingegen, in welchem Maße ab 2021 die Arbeit des Betreuungsforstamtes Westliche Altmark finanziert wird. Das Land hat seine Unterstützung zuletzt heruntergefahren, übernimmt für die FBGen aber noch 50 Prozent. Sollte die Förderung weiter reduziert oder gar eingestellt werden, „dann können wir den Laden dicht machen“, prognostizierte Fiebig und erinnerte daran, dass sich eine Arbeitsgruppe seit mehr als einem Jahr mit dem Thema befasse. Dass sich die FBGen auflösen, daran könne dem Land eigentlich nicht gelegen sein, gab sich der Vorsitzende optimistisch.

Beitrag wird vielleicht erhöht

Nichtsdestotrotz könnte es wegen dieser und anderer Umstände sein, dass die Mitglieder der FBG Kunrau künftig mehr als die bisherigen zehn Euro Beitrag zahlen müssen. „Darüber werden wir uns 2020 unterhalten“, kündigte Fiebig an. „Wenn es zwölf Euro sind, macht das auch keinen kaputt“, meinte er und betonte, dass alles unternommen werde, um die FBG für die Zukunft „fit zu halten, auch nach 2020“. Die Zertifizierung und die Waldinventur seien gute Schritte in diese Richtung und beispielgebend für andere FBGen.

Weitestgehend unberührt, so hatte er eingangs erwähnt, sei die FBG im Januar 2018 vom Sturm Friederike geblieben. Indes habe die lange Sommerdürre vor allem in den jungen Beständen zu Schäden geführt.

Der Vorstand wurde einstimmig entlastet. Kassenprüfer bleiben Matthias Licht und Marko Storbeck.