Klötze l Mit einer Kranzniederlegung wurde am 22. Februar in Klötze wieder den Opfern der Bombardierung der Stadt im Jahr 1945 durch alliierte Flieger gedacht. An diesen Termin erinnerte Ortsbürgermeister Hans-Jürgen Schmidt während der jüngsten Sitzung des Ortschaftsrates in seinem Bericht. Die kleine Gedenkfeier hat Tradition an dem Jahrestag, die Bevölkerung wird eingeladen, daran teilzunehmen. Daran scheint aber kein Interesse zu bestehen. Nicht zufrieden zeigte sich Schmidt mit der jüngsten Ausgabe des Gedenkens. „Die Beteiligung war für mich niederschmetternd“, sagte der Ortsbürgermeister klar heraus. Rückblick: Hauptsächlich hatten sich Vertreter aus der Lokalpolitik am frühen Nachmittag am Denkmal an der Ägidiuskirche eingefunden, groß war die Runde nicht.

In Kusey kämen viel mehr Leute am Jahrestag

Die Kranzniederlegung finde zu einer Zeit statt, wenn viele noch arbeiten müssten, brachte Bernd Unruh (SPD) anschließend als Einwand in die Diskussion ein. Dem Argument wollte Klaus Ewertowski (CDU) nicht folgen. „Eine halbe Stunde vorher findet das Gedenken in Kusey statt“, sagte er. In dem Dorf seien dann die Kita sowie die Grundschule vertreten, außerdem würden sich etwa 30 bis 40 Einwohner einfinden. Andernorts scheint es also kein Problem mit der Uhrzeit zu geben. „Da muss ich den Bürgermeister unterstützen“, sagte Ewertowski und bezog sich dabei auf die Kritik, die Hans-Jürgen Schmidt zuvor mit Blick auf die mangelnde Beteiligung geäußert hatte. „Das ist eben die Mentalität der Klötzer“, schaltete sich Kirstin Mähl (CDU) in die Diskussion ein. Darüber könne man jahrelang diskutieren.

Doch nicht nur bei der Gedenkfeier für die Bombenopfer lässt die Beteiligung der Einwohner offenbar zu wünschen übrig, wie während der Sitzung deutlich wurde. Denn auch beim traditionellen Fest, das am 30. April zum Aufstellen des Maibaums auf dem Schulplatz am Rathaus gefeiert wird, bleiben viele Menschen fern, war herauszuhören. Deshalb solle in diesem Jahr kein solches Fest mehr organisiert werden, wie Hans-Jürgen Schmidt ankündigte. Aufgestellt werden solle nur der Baum. In den sieben Jahren, in denen er sich darum gekümmert habe, seien immer nur wenige Besucher erschienen, begründete der Ortsbürgermeister seinen Vorstoß. „Ich habe keine Lust, mir die Hacken abzulaufen für 15 Menschen“, fand er deutliche Worte.

Warum geht es bereits so früh los?

Da es in der Diskussion zunächst keine Resonanz aus der Runde der Ortsräte auf seinen Vorstoß gab, hakte Schmidt schließlich bei den Mitgliedern des Gremiums nach, ob denn nun wirklich nur der Baum aufgestellt werden soll. Wenn der Termin auf einen Werktag falle, müsse die Mehrzahl der Menschen eben arbeiten, sagte daraufhin Ilka Speckhahn (SPD). Man könne nicht erwarten, dass dann um 15 Uhr viele Leute kommen.

Ob er denn schon mit dem Klötzer Jugendklub Corner über eine mögliche Beteiligung an dem Fest gesprochen habe, wollte Kirstin Mähl vom Ortsbürgermeister wissen. Dann kämen doch einige Kinder und Jugendliche. Der Klub sei schon regelmäßig vertreten, wie es daraufhin hieß.

Warum es denn schon um 15 Uhr los gehe, fragte Norbert Schulz (SPD). Nach Feierabend könnten doch viel mehr Leute kommen und vielleicht ein Bierchen trinken. Warum also findet es so früh statt?

Das Aufstellen des Maibaums habe eine große Tradition, sagte Lothar Schulze (Die Linke). Er sei einer der wenigen Abgeordneten aus der Runde, die regelmäßig dabei seien, stellte er fest. „Unter den jetzigen Verhältnissen schließe ich mich Hans-Jürgen Schmidt an“, sagte Schulze und sprach sich damit gegen das Fest aus.

Der Ortsbürgermeister kündigte schließlich noch an, dass er schon eine Idee habe, was man in Zukunft anders machen könnte. Einbringen wolle er den Vorschlag aber erst nach der Wahl Ende Mai, wenn es einen neuen Ortschaftsrat in Klötze gibt.