Verkehrserziehung

Wenn das Auto auf dem Dach liegt: Klötzer Sekundarschüler überschlagen sich - virtuell

Das Thema Verkehrserziehung stand für die Achtklässler der Klötzer Sekundarschule Dr. Salvador Allende auf dem Programm. Die Landesverkehrswacht Sachsen-Anhalt hatte fünf Stationen aufgebaut, an denen die Welt plötzlich auf dem Kopf stand und es regelmäßig Unfälle gab.

Von Tobias Roitsch 11.07.2021, 11:12
Einen Überschlagsimulator hatte das Team der Landesverkehrswacht Sachsen-Anhalt zum Projekttag in die Klötzer Sekundarschule mitgebracht. Die Jugendlichen lernten, wie sie sich aus einem Auto befreien, das auf dem Dach liegt. Einfach den Gurt öffnen und aussteigen, das geht nicht. Zunächst müssen sich die Insassen mit Händen und Füßen abstützen.
Einen Überschlagsimulator hatte das Team der Landesverkehrswacht Sachsen-Anhalt zum Projekttag in die Klötzer Sekundarschule mitgebracht. Die Jugendlichen lernten, wie sie sich aus einem Auto befreien, das auf dem Dach liegt. Einfach den Gurt öffnen und aussteigen, das geht nicht. Zunächst müssen sich die Insassen mit Händen und Füßen abstützen. Fotos: Tobias Roitsch

Klötze - Oben ist unten und unten ist oben: Im Überschlagsimulator steht die Welt plötzlich auf dem Kopf. Und die Insassen hängen im Auto in der Luft, festgehalten von den Sicherheitsgurten an ihren Sitzen. Wie man sich aus dieser misslichen Lage ohne fremde Hilfe befreit, konnten die Achtklässler der Klötzer Sekundarschule Dr. Salvador Allende am Freitag ausprobieren. Zu Gast war ein vierköpfiges Team der Landesverkehrswacht Sachsen-Anhalt, das auf dem Schulhof fünf Stationen aufgebaut hatte.

Darunter war auch der Überschlagsimulator. Dabei handelt es sich um ein Auto in einem speziellen Gestell. Darin lässt sich der Pkw drehen, damit die Räder in der Luft sind und das Dach am Boden. Simuliert wird so ein Unfall. Fühlen sie sich fit, könnten die Insassen sich selbst aus dem Fahrzeug befreien und müssen nicht unbedingt auf das Eintreffen der Feuerwehr warten, erklärte Andreas Hintze, Projektkoordinator bei der Landesverkehrswacht. Einfach den Gurt öffnen und aussteigen, das geht nicht. „Man hängt mit dem gesamten Gewicht im Gurt“, erklärte Hintze. Also müssen sich die Insassen mit den Händen am Dach und mit den Füßen an der Windschutzscheibe abstützen, bevor sie das Gurt-Schloss öffnen.

Bremsen mit 16 Stundenkilometern

Wie sinnvoll das Anlegen des Sicherheitsgurtes ist, konnten die Jugendlichen aus den zwei achten Klassen ein paar Meter weiter am eigenen Körper spüren. Dort war der Gurtschlitten aufgebaut, bei dem die Schüler in einer Kabine mit Lenkrad sitzend auf ein Hindernis aufprallten. Die Geschwindigkeit beträgt rund 16 Kilometer pro Stunde. Das klingt nach nicht viel. Doch auch bei diesem Tempo macht der Kopf einen deutlichen Ruck nach vorne. Ohne Gurt wird es gefährlich. „Da kann man sich nicht mit den Händen am Lenkrad abstützen“, wusste Andreas Hintze.

Mittels Simulator ging es bei dem Projekttag sogar auf die Straße, wenn auch nur virtuell. Am Lenkrad eines Autos erfuhren die Sekundarschüler, wie sich Alkohol im Blut auf die Fahrtüchtigkeit auswirkt. Die Jugendlichen selbst waren nicht betrunken. Diese Aufgabe übernahm der Computer, der einen Grauschleier über die Straße auf dem Monitor legte und dafür sorgte, dass die Lenkung verzögert reagierte. Eingestellt war die Technik auf den Wert von 0,5 Promille. Versuchten die Achtklässler, gegenzulenken und das Auto wieder auf die Spur zu bringen, kamen Schlangenlinien zustande.

Unterwegs auf zwei virtuellen Rädern

Auf zwei virtuellen Rädern waren die Schüler unter der Aula mit dem Motorrad-Simulator unterwegs – und bauten bei ihren Fahrten dabei einige Unfälle. Etwa, weil sie beim Auffahren auf die Autobahn nicht in den Rückspiegel guckten und mit einem Auto kollidierten, das von hinten auf der rechten Spur kam. Gefährlich ist es auch, im dichten Nebel das Tempo nicht zu verringern. Denn in der grauen Wand könnte plötzlich ein Stauende auftauchen.

Diese und andere typische Gefahrensituationen, in die motorisierte Zweiradfahrer kommen könnten, hielt der Computer bereit. Und die sind durchaus real, wusste Andreas Hintze. Gerade in ländlichen Gebieten könnte nach der Ernte die Straße mit Getreide oder Erde verschmutzt sein. Oder Rüben könnten vom Laster fallen. „Das ist nicht nur Theorie“, so Hintze.

Test in brenzliger Situation

Testen, wie schnell sie in einer brenzligen Situation reagieren und wie sich der Anhalteweg bei Sonne, Regen und Eis verändert, konnten die Schüler an der fünften Station. Dort galt es, die Bremse zu treten. „Im Sommer beträgt der Anhalteweg 20 Meter“, erklärte Andreas Hintze, im Winter sei der Weg auf glatter Straße mehr als doppelt so lang – bei einer Geschwindigkeit von 50 Kilometern in der Stunde. „Man darf so schnell fahren, aber es macht nicht immer Sinn“, fasste der Projektkoordinator den erhofften Lerneffekt zusammen.

Das Thema Verkehrserziehung, das auch Teil des Lehrplans ist, gehört in der Klötzer Sekundarschule einmal im Jahr vor den Sommerferien zum Programm, erklärte Schulsozialarbeiterin Godela Schwerin. Sie organisierte den Projekttag mit der Verkehrswacht, der seit 2018 regelmäßig stattfindet. Normalerweise ist das Angebot für die Neuntklässler gedacht. Diese befinden sich derzeit aber im Praktikum. Deshalb durchliefen die Achtklässler die einzelnen Stationen. Einige Jugendliche würden ihren Moped-Führerschein machen. Vorher schon zu erfahren, was alles auf der Straße passieren kann und welche Kräfte bei Unfällen wirken, sei wichtig.

Mit dem Motorrad ging es über die virtuelle Fahrbahn: Am  Simulator erfuhren die Schüler, welche Gefahren im Straßenverkehr lauern.
Mit dem Motorrad ging es über die virtuelle Fahrbahn: Am Simulator erfuhren die Schüler, welche Gefahren im Straßenverkehr lauern.
Foto: Tobias Roitsch