Leerstand mit Folgen

Wohnblock in Klötze droht der Abriss

Die Silhouette des Wohngebietes An der Wasserfahrt in Klötze wird um ein Gebäude ärmer. Die Wohnungsbaugenossenschaft plant den Abriss eines Blocks.

Von Markus Schulze
Weil der Leerstand so hoch ist, wird der Block An der Wasserfahrt 20 bis 23 abgerissen . Die Wohnungsbaugenossenschaft muss an die Liquiditiät denken und sieht keine Alternative.
Weil der Leerstand so hoch ist, wird der Block An der Wasserfahrt 20 bis 23 abgerissen . Die Wohnungsbaugenossenschaft muss an die Liquiditiät denken und sieht keine Alternative. Foto: Markus Schulze

Klötze - „Daran führt leider kein Weg vorbei“, sagt Heike Meise vom Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft Klötze. Der Block An der Wasserfahrt 20 bis 23 ist schon seit Längerem ein Sorgenkind. Mit der Zeit war klar: Der Block muss abgerissen werden.

„Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen“, betont Heike Meise im Gespräch mit der Volksstimme. Doch aufgrund des hohen Leerstandes von jetzt mehr als 50 Prozent muss zwangsläufig die Reißleine gezogen werden, aus wirtschaftlichen Gründen. „Irgendwann geht es nicht mehr.“ Vorstand und Aufsichtsrat blieb keine andere Wahl. Tenor: Der Block ist nicht zu halten. Es war ein gemeinsamer Beschluss. Zumal für die leerstehenden Wohnungen weiterhin Betriebskosten anfallen. Dieses Geld will sich die Wohnungsbaugenossenschaft, die genossenschaftlich und an die Liquidität denken muss, sparen. Es wird an anderen Stellen gebraucht.

Weniger als 50 Prozent der Wohnungen vermietet

Selbst wenn die Heizung in den leeren Wohnungen soweit am Laufen gehalten würde, dass nichts einfriert, „so wird es doch ringsum kühler. Das ist für die anderen Mieter nicht angenehm“, weiß Heike Meise.

Dass es zum Abriss kommt, bedauert sie: „Wir wollen das nicht, können es aber nicht ändern.“ Die großen Vierraumwohnungen sind einfach nicht mehr gefragt, zumindest nicht in dem Maße, wie es nötig wäre. Außerdem hat der Block fünf Etagen, aber keinen Fahrstuhl. Der Zuschnitt der Wohnungen ist offenbar auch nicht (mehr) sonderlich beliebt, außer bei den Stammmietern. Nicht zu vergessen ist, dass die großen Wohnungen mehr ins Portemonnaie gehen als kleinere.

Laut Heike Meise soll jeder Mieter aus dem Block gehalten werden. „Die zu verlieren, können wir uns nicht erlauben.“ Darum wurde ihnen angeboten, sich aus dem verfügbaren Bestand der Wohnungsbaugenossenschaft eine neue Bleibe auszusuchen. Die meisten Mieter haben das Angebot angenommen. „Darüber sind wir sehr froh“, macht die Vorstandsfrau deutlich. Die Wohnungsbaugenossenschaft wird den Mietern den Umzug zahlen und deren neue Wohnungen standardmäßig ausstatten. Das Prozedere läuft, aktuell sind in dem Block nur noch 13 von 40 Wohnungen belegt. Mit dem Leerzug soll es schnell gehen. Geplant war eigentlich, dass die restlichen Mieter bis zum Beginn der nächsten Heizperiode ausziehen. Problem ist jedoch, Handwerker zu finden, die die neuen Wohnungen herrichten. Darum wird es wohl bis Ende 2021 dauern, ehe der Block komplett frei ist.

Aber ist der Abriss wirklich alternativlos? „Ja“, sagt Heike Meise, die versteht, dass langjährigen Mietern der Aus- und Umzug schwerfällt. Jedoch: „Ein Rückbau von Etagen ist keine Option, weil es das Dreifache kosten würde.“

Der Block wird also nicht zurückgebaut, sondern abgerissen. Für den Abriss wurden Fördermittel beantragt. Es soll 110 Euro pro Quadratmeter geben. Ob die Gelder bewilligt werden – Heike Meise rechnet fest damit – entscheidet sich wohl im November. In dem Fall soll der Abriss schon 2022 über die Bühne gehen. Ansonsten muss die Wohnungsbaugenossenschaft den Abriss aus eigener Tasche stemmen. Dann verschiebt sich der Abriss auf ein unbestimmtes Datum.

Demografischer Wandel ist Problem

Dass der Wohnungsbaugenossenschaft in Zukunft weitere Abrisse bevorstehen, glaubt Heike Meise nicht. Oder besser: Sie hofft, dass es dazu nicht kommt. „Wir wollen ja weiter existieren.“ Rosig sieht es nicht aus. Schuld ist der demografische Faktor. „Wir haben einen Altersdurchschnitt von 60 Jahren.“ Bedeutet: Die Mieter sterben weg, neue kommen nicht nach. „Klötze kann mit schöner Landschaft punkten, aber nicht mit Arbeitsplätzen“, bringt Heike Meise die Misere auf den Punkt. Und: „Der ländliche Raum wird immer leerer.“

Immer leerer, genau wie der Block 20 bis 23. Dessen Tage sind gezählt. Der Abriss kommt. Früher oder später.