Altstadt l Der Kulturbeigeordnete Matthias Puhle durfte am Donnerstag gleich zweimal in Folge zu beinahe staatstragenden Ansprachen ans Mikrofon im Ratssaal treten – und sich eines erfolgreichen kulturellen Doppelschlages gewiss sein. Satte Mehrheiten für die Kulturhauptstadtbewerbung und die Einrichtung eines Dommuseums in der alten Staatsbank am Breiten Weg waren ihm gewiss. Am Ende votierte der Stadtrat einstimmig fürs Museum und bei nur zwei Enthaltungen aus CDU und FDP für den Weg zur Europäischen Kulturhauptstadt. Letzterer kostet, ohne dass sich Magdeburg tatsächlich der Kür vor einer europäischen Jury sicher sein darf, allein rund drei Millionen Euro – vorwiegend an Personalkosten. Ein eigens eingerichtetes Organisationsbüro soll 2016 mit drei und ab 2018 mit fünf Mitarbeitern die Bewerbung professionell begleiten, weitere freie Mitarbeiter und Künstler auf Honorarbasis sollen beteiligt werden. Puhle: „Wir wollen eine große Bewegung in Richtung Kulturhauptstadt erzeugen, die alle gesellschaftlichen Gruppen erreicht und intensiv einbezieht.“ Schon in der Bewerbungsphase soll Magdeburg von viel Kultur auf dem Weg zur Kulturhauptstadt profitieren, von Ausstellung und Aktion, Kunst und Kultur und letztlich von der Debatte, wie Magdeburg „zu einem besseren Ort“ (Puhle) werden kann. Davon, dass die Stadt auf eben diesem Wege ist, sei die Europa-Jury zu überzeugen, auf dass sie letztlich den Titel (und Geld) beisteuere. Die Kommunalpolitik ist vom Projekt überzeugt und votierte einstimmig für den teuren, aber hoffentlich fruchtbaren Titelkampf.

Ein Bestandteil der Bewerbung ist Magdeburgs bewegte Geschichte und der europäische Gedanke, der von der Stadt bereits im Mittelalter ausging. Den soll – rückblickend wie auch vorwärtsgewandt – auch das neue Dommuseum pflegen. Für 3,6 Millionen Euro wird es bis 2018 errichtet. Auch dafür machte der Stadtrat am Donnerstag den Weg frei. Allerdings erging dieser Beschluss nicht ganz frei von Debatten. Die Fraktionen von CDU/FDP/BfM und Grünen forderten die stärkere Beteiligung der Domgemeinde und des Fördervereins Dommuseum, mehr Platz für die Ausstellungen, mehr Personal und die Option, das Dommuseum zu einem eigenständigen Haus zu entwickeln. Zunächst soll es als Außenstelle des Kulturhistorischen Museums firmieren. Ausgerechnet der Kulturbeigeordnete sah sich – allein aus finanziellen Gründen – in der misslichen Verwalterrolle, die Forderungen auszuschlagen. „Wir haben eine vernünftige wirtschaftliche Variante gefunden.“ Überdies sei das Konzept „ausverhandelt“ u. a. mit der Wobau. Sie hat die Bank gekauft und richtet sie als Museum und Firmensitz her. Mehr als 2000 Quadratmeter Ausstellungsfläche waren ihr nicht abzutrotzen. Der Stadtrat folgte der Argumentation und lehnte die Forderungen rundweg ab. Eine knappe Mehrheit erzielte dagegen der kostenneutrale Wunsch, Domgemeinde und Förderverein in den Aufbau des Museums einzubeziehen.