Magdeburg l Die andauernde Kritik an den Leistungen der Magdeburger Verkehrsbetriebe hat offenbar ihre Wirkung nicht verfehlt. Die MVB sollen jetzt in einem ersten Schritt zehn neue Fahrer einstellen. Die Stellenausschreibungen werden derzeit vorbereitet.

Die Maßnahme ist das Ergebnis eines Krisengesprächs, das Trümper in der Vorwoche mit der MVB-Geschäftsführung und in dieser Woche mit dem Personalrat geführt hatte. Von beiden Seiten ließ er sich die Situation erläutern, sagte der OB gestern auf Volksstimme-Nachfrage. Vor allem die Kritik in der Öffentlichkeit habe einen Umfang erreicht, der nicht mehr hinnehmbar sei, sagte Trümper. Deshalb habe er sich die Situation aus Fahrermangel, technischen Problemen sowie starken Belastungen des Personals und die Ursachen dafür erläutern lassen. Dabei sei klar geworden, dass die Schwierigkeiten nur mit mehr Personal gelöst werden könnten. Trümper sagte, dass man weiter miteinander sprechen werde. Er gehe davon aus, dass sogar bis zu 20 zusätzliche Fahrer eingestellt werden müssten. Den MVB-Aufsichtsratsvorsitzenden, Dieter Scheidemann, habe er deshalb gebeten, die zusätzlichen Stellen zu schaffen.

Finanzierung muss geklärt werden

Offen ist noch die Finanzierung. OB Lutz Trümper setzte zunächst darauf, dass die Abläufe in den MVB unter die Lupe genommen werden und sich das Marketing verbessere. „Wenn mehr Leute auf die MVB umsteigen, dann sind die Stellen schon finanziert“, so Trümper. Sei das nicht oder nicht so schnell umsetzbar, stehe die Stadt zu ihrer Verantwortung für die MVB. Vor allem Linke und Grüne hatten Schritte in eine solche Richtung zur besseren Ausstattung der MVB schon seit Monaten im Stadtrat gefordert, waren damit aber immer wieder gescheitert.

Der erst vor wenigen Monaten neu gegründete Magdeburger Fahrgastverband hatte derweil einmal mehr Ausfälle von Straßenbahnen gezählt. Allein am Montag, 30. November, sind 120 Straßenbahnfahrten ausgefallen. Zwar hatte es gegen 16.30 Uhr eine Unfallserie gegeben – doch zu diesem Zeitpunkt waren bereits mehr als 100 Ausfälle protokolliert. Am Dienstag, 1. Dezember, gab es erneut massive Ausfälle: Mehr als 110 ausgefallene Straßenbahnen zählte ein Team des Fahrgastverbands. Auch auf den Buslinien gab es an beiden Tagen zahlreiche Ausfälle. In mehreren Anrufen und E-Mails berichteten Fahrgäste dem Fahrgastverband von überfüllten Straßenbahnen als Folge der Ausfälle. Eltern mit Kinderwagen und Rollstuhlfahrer mussten an den Haltestellen zurückbleiben.

MVB-Sprecher Tim Stein: „Die Gründe sind vielfältig. Ein Grund ist im Fahrplanwechsel im Sommer zu sehen. Für diesen hatten die MVB zu wenig Planungszeit: Durch das plötzliche Begegnungsverbot für Straßenbahnen auf der Anna-Ebert-Brücke mussten wir unser komplettes Fahrplankonzept, das auf die Tunnel-Baustelle abgestimmt war, umstellen und von Grund auf neuplanen.“ Hinzu komme, dass durch den 20-Minuten-Takt bis 23 Uhr und die Tunnel-Baustelle ein Mehrbedarf an Fahrern bestehe. Für die Fahrschulausbildung sind je Mitarbeiter drei Monate zu veranschlagen.

Anderenorts bessere Angebote im Advent

„In anderen Städten verdichten die Verkehrsbetriebe in der Adventszeit ihr Angebot um die zahlreichen Besucher der Weihnachtsmärkte in die Innenstädte zu befördern, in Magdeburg passiert das Gegenteil“, sagt Tom Bruchholz, Vorsitzender des Verbandes. Er verweist beispielsweise auf zusätzliche Fahrten in Rostock, wo sogar eine Sonderlinie zum Einsatz kommt, auf zusätzliche Angebote und einen speziellen Park-and-Ride-Service in Braunschweig. In Leipzig wird der Takt von Bus und Bahn verdichtet, und in Dresden werden auf einigen Linien an Adventswochenenden die Taktzeiten auf zehn Minuten verdichtet.

Inzwischen hat sich auch der Fahrgastbeirat zum ersten Mal getroffen. MVB-Chefin Birgit Münster-Rendel: „Ich erhoffe mir, durch ihn neue Impulse gewinnen zu können.“

Beirat möchte Senioren einbeziehen

Beirat-Sprecher Uwe Arnold sagt: „Die Mitglieder des Beirates wollen konstruktiv die Arbeit der Verkehrsbetriebe begleiten und mit Vorschlägen zur Verbesserung des Nahverkehrs in Magdeburg beitragen.“ Eingebunden werden soll jetzt auch der Seniorenbeirat.

Diskutiert wurden bei dem Treffen übrigens Themen wie Pünktlichkeit und Ausfälle sowie die Information für Kunden. Statt der ursprünglich angesetzten zwei Treffen im Jahr soll es vier geben.

Dass es in Magdeburg auch Verbesserungen gibt, zeigt die geplante verbesserte Anbindung des Pfahlbergs.