Magdeburg l 830 Bäume haben die Magdeburger 2015 allein im Kampf gegen den Asiatischen Laubholzbockkäfer, kurz ALB, verloren. 2014 waren es laut Statistik der zuständigen Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt (LLG) sogar 3185. In diesem Jahr schon 1300 Fällungen. Zuletzt im Wiesenpark am Herrenkrug. Etliche Magdeburger sorgen sich angesichts der massenhaften Fällungen um den grünen Ruf der Stadt, sprechen in Leserbriefen von „schwerwiegenden Eingriffen gegen die Natur“. Wegen des Käfers, des Hochwasserschutzes an der Alten Elbe, aber auch wegen diverser Bauvorhaben in der Stadt. Ist das so?

Die Bilanz der Stadt Magdeburg, deren Umweltamt Fällgenehmigungen und -auflagen erteilt, nähme sich für das vorige Jahr gar nicht so schlecht aus. Im Vergleich zu 2014, wo das Amt sogar 2562 Fällungen genehmigt hatte, muten die 1381 Fällgenehmigungen aus der jüngsten 2015er Bilanz (davon allein 220 nach dem Sturm am 14. August) schon beinahe milde an. Doch das ist eben nur die halbe Wahrheit.

Schere geht auseinander

Der echte Verlust an Stadtgrün ist allein schon wegen der „Sonderfälle“ Käferplage und Hochwasserschutzmaßnahmen deutlich höher. Aber vielleicht können es ja die Ersatzpflanzungen richten.

Doch da liegt das nächste Problem. Die Schere zwischen genehmigten Fällungen und Nachpflanzungen geht seit Jahren extrem auseinander. So wurden 2014 für die 2562 gefällten Bäume nur 1054 Ersatzpflanzungen vorgenommen (41 Prozent). 2015 hat das Amt für die 1381 abgesägten Bäume den Antragstellern (privaten wie öffentlichen) sogar nur 380 Ersatzpflanzungen auferlegt. Also nur etwa jeder vierte Baum wird per Auftrag ersetzt. Grund: Für längst nicht alle gefällten Bäume werden Nachpflanzungen verlangt.

Längst nicht immer Ersatz

Das ist zum Beispiel bei den aktuellen Rodungen für den Hochwasserschutz an der Alten Elbe so. Ganze Baumgruppen verschwinden hier von der Bildfläche – für einen besseren Durchfluss der Elbe. Der „Lebensraumtyp Weichholzaue“ werde damit aber aufgewertet, nur standortfremde Gehölze würden entfernt, argumentieren die Behörden.

Grundsätzlich sieht der Gesetzgeber aber auch keinen Ersatz für gefällte kranke oder bruchgefährdete Bäume vor. Gleiches gilt für die von der Käferplage betroffenen Schattenspender. Auch hierfür muss kein Ausgleich organisiert werden, erklärt Stadtsprecherin Kerstin Kinszorra auf Nachfrage. Dennoch: Umweltamt, Eigenbetrieb Stadtgarten und Friedhöfe Magdeburg (SFM) sowie die Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau wollen einen Neuanfang im Quarantänegebiet Rothensee. Hier könnten im kommenden Herbst testweise alternative Baumarten gepflanzt werden, die in Laborversuchen der Bayrischen Landesanstalt für Landwirtschaft von einem Befall des ALB verschont geblieben sind. Damit ließen sich in Magdeburg „erste langfristige Schritte zum nachhaltigen Umgang mit dem Schädling einleiten und Erkenntnisse zur Tauglichkeit alternativer Baum­arten gewinnen“, sagt Stadtsprecherin Kinszorra.

Bis dahin hat der Stadtgartenbetrieb schon für einen kleinen Lichtblick in Sachen Stadtgrün gesorgt. Er hat im vorigen Jahr 230 Bäume im Stadtgebiet nachgepflanzt. 98 davon kamen allein aus der Spendenaktion „Mein Baum für Magdeburg“.