Magdeburg l Regelmäßig wird im Bauausschuss des Magdeburger Stadtrats über Denkmale und verwahrloste Immobilien berichtet. Hintergrund ist, dass in den vergangenen Jahren zahlreiche denkmalgeschützte Gebäude saniert wurden, dass es aber nach wie vor eine Reihe von Gebäuden gibt, deren Zustand besorgniserregend ist. Das kann beispielsweise im Notabriss von an sich erhaltenswerten Gebäuden wie derzeit in der Leipziger Straße 53 münden.

Wie während der Dezembersitzung des Ausschusses zu erfahren war, gibt es aber auch immer wieder Erfolge zu vermelden. So sind in der Liste aus dem Frühjahr 170 Immobilien verzeichnet, bei denen aufgrund schadhafter Dächer oder offener Fenster die Gefahr besteht, dass sie kurzfristig Schaden nehmen. Seitdem hat sich an 55 Einzelobjekten etwas getan – sei es, dass Sanierungsarbeiten an den Häusern in die Wege geleitet worden sind oder zumindest dank eines Eigentümerwechsels neue Perspektiven erkennbar sind. Konkret sind zehn gefährdete Häuser im vergangenen halben Jahr saniert worden oder die Arbeiten laufen. Bei diesen handelt es sich allesamt um Wohnhäuser.

Hoffnungsfrohe Fälle

Altstadt: Unter den Vorzeigefällen auch wichtige Gebäude aus der Magdeburger Innenstadt. Nachdem das Gebäude in der Sternstraße 2 vor drei Jahren nicht mehr zu retten war, waren ungenutzte Häuser in der Otto-von-Guericke-Straße samt der Sorge um deren Zukunft in den Fokus gerückt. Während in der Hausnummer 56a Baumaterial und ein rotes Baustellenschild bereits von den laufenden Arbeiten künden, hat es laut Stadtverwaltung zum Gebäude Otto-von-Guericke-Straße 59 eine Bauvoranfrage gegeben – seit mehreren Jahren steht dieses Gebäude leer.

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Abbruch für hoffnungslose Fälle

 

Cracau, Leipziger Straße, Beyendorf-Sohlen und Industriehafen: Daneben aber auch die Frage nach dem Abbruch. Wie es während der Sitzung des Bauausschusses hieß, hat es in den vergangenen Monaten vier Anträge auf kompletten oder Teilabbruch gegeben.

Zum einen ist unter diesen Gebäuden das Haus im Triftweg 4. Das markante Fachwerkhaus mit seiner auffälligen Holzverschalung wurde im Jahr 1877 für den Cracauer Stellmachermeister Heinrich Ferchland gebaut. Doch die acht sehr kleinen Wohnungen stehen seit Jahren leer. Als weiteres Wohnhaus, wie erwähnt, das marode Gebäude in der Leipziger Straße, das derzeit abgerissen wird. Auch an einem anderen Haus in der Straße gilt der Zustand als kritisch, wenngleich hier von einer Sicherung und nicht von einem Abriss die Rede ist.

Ein Problem beim Denkmalschutz ist derzeit, dass Wohnhäuser gerade in einer gefragten Lage trotz schlechten Zustands noch gerettet werden. Anders sieht dies häufig bei Industriedenkmalen aus. Hier gibt es oft keine Möglichkeit mehr, diese in ihrem ursprünglichen Sinne zu nutzen. Und für eine Umnutzung zu anderen Zwecken fehle es an einem geeigneten Förderprogramm, heißt es aus der Magdeburger Stadtverwaltung.

Um zwei solche Denkmale aus dem Nichtwohn-Bereich handelt es sich bei den beiden anderen aktuellen Abrisskandidaten. Es geht um ein Stallgebäude in Beyendorf-Sohlen. Und es geht um ein Waschgebäude in der Industriestraße 7 im Stadtteil Industriehafen. Dabei handelt es sich um ein 1923 gebautes Holz- und Sägewerk, das laut Denkmalverwaltung über einen besonderen Sozialbereich in einer auffälligen einem Kreuzgang ähnlichen Anlage verfügt. Ausdrücklich nicht vom Abriss betroffen wäre das Verwaltungsgebäude der früheren Fabrik.

Neue Besitzer eröffnen Perspektiven

Alte Neustadt: Von zwei Eigentümerwechseln, die Hoffnung auf eine Sanierung geben, berichtet die Stadt aus dem Stadtteil Alte Neustadt. Zum einen hat die Gröperstraße 2 den Besitzer gewechselt. Bei diesem Haus handelt es sich um ein vor dem Leerstand und Verfall auch als Hotel genutztes Eckgebäude gegenüber dem Neustädter Bahnhof. Zum anderen ist die Rede von der Sieverstorstraße 5, einem langgezogenen Rayonhaus am Rand des Areals der früheren Bodenstein Brauerei, auf deren Gelände nur noch der Siloturm des Sudhauses an die Vergangenheit erinnert – und gleichermaßen einer Rettung harrt.

 

Beim Stichwort Alte Neustadt wollte CDU-Stadtrat Reinhard Stern bereits in einer vorangegangenen Sitzung wissen, ob das ehemalige Kolpinghaus, eine im Jahr 1879 errichtete Villa und seit der Pleite des sachsen-anhaltischen Kolpingwerks leerstehende Immobilie in der Sieverstorstraße, auch in Gefahr sei. Jetzt hieß es, dass das Gebäude derzeit kein brisantes Thema sei. Sehr wohl habe aber ein Magdeburger Immobilienunternehmen das Grundstück am Adolph-Kolping-Platz erworben. Es sei mittlerweile in vier Teilgrundstücke zerlegt worden. Und für den nordwestlichen unbebauten Teil habe das Unternehmen eine Bauvoranfrage für eine neue Wohnbebauung gestellt.

Diese Bauvoranfrage sei aber inzwischen zurückgestellt worden, da sich der Bebauungsplan für das Gelände Sieverstorstraße 39 bis 51 noch in der Aufstellung befinde. Eine vorzeitige Baugenehmigung ist damit nicht möglich.