Magdeburg l Wenn Wilhelm „Willi“ Polte sprachlos ist – wenn auch nur kurz –, dann muss etwas Besonderes passiert sein. Genealoge Carsten Tüngler hat sich mit dem Alt-Oberbürgermeister auf die Spuren von dessen Vorfahren begeben. Ausgangspunkt war die Frage, ob der Fabrikant Eugen Polte mit dem heute 81-Jährigen verwandt ist. Diese Überlegung habe er oft angestellt, wie er sagt. Etwa 100 Jahre vor Poltes Amtsantritt als Oberbürgermeister Magdeburgs stieg Eugen Polte zum Großunternehmer (Magdeburger Armaturenwerk) auf und war zu dieser Zeit der größte Munitionsproduzent Deutschlands. Tatsächlich konnte Carsten Tüngler eine Spur finden.

Spurensuche in den Archiven

Für die Drehscheibe, einem Mittagsmagazin des ZDF, war er mit Moderator Tim Niedernolte und einem Kamerateam in Sachsen-Anhalt unterwegs und nahm sich der Geschichten von fünf Familien an. Der Ahnenforscher gibt ab heute Einblicke in seine Arbeit. „Es werden nicht nur die Geschichten der fünf Protagonisten gezeigt. Das Team begleitet mich beim Recherchieren u. a. in Landesarchive, im Landeskirchenarchiv und in einem Pfarramt in 350 Jahre alten Büchern“, so der 38-Jährige. Dabei vermittelt er auch Wissen und Hintergründe zur Ahnenforschung, bei der Familienmythen nachgegangen wird, Erben und Nachkommen ausfindig gemacht werden oder die Rolle der Vorfahren in der Geschichte geklärt wird. Dazu braucht es mehr als einen Internetzugang. Die meisten Informationen, die dafür gesammelt werden, sind nicht digital zu finden: Zum Auswerten von Kirchenbüchern zum Beispiel ist das Lesen von Kurrentschrift eine Voraussetzung. „Und viel Geduld“, so Tüngler.

Das Haus der Ur-Ur-Urgroßmutter

Die Spurensuche führte den Experten mit der Drehscheibe an verschiedene Orte in Magdeburg, Barby, Calbe, Schönebeck und Tangermünde. Genauer gesagt nach Buch, einem Ortsteil der Stadt. Dorthin lässt sich die Ahnengeschichte von Willi Polte zurückverfolgen. Er stammt zwar aus Niegripp, seine Vorfahren haben aber elbabwärts in der Altmark gelebt. Eugen Poltes Familie lässt sich in Magdeburg und Wolmirstedt nachweisen. Gibt es Gemeinsamkeiten bei den Ahnen von Eugen und Willi Polte? Das wird in der Sendung aufgeschlüsselt. Eins vorweg: „Ein markanter Name in beiden Familienlinien ist Jakob Polte“, so Carsten Tüngler, der Willi Polte zu dessen Überraschung in Tangermünde zum Haus von seiner Ur-Ur-Urgroßmutter führen konnte. Es befindet sich in der Nähe des Rathauses.

Bilder

Florian Philipp aus Olvenstedt, ebenfalls einer der fünf Protagonisten in der Drehscheibe, wird von Carsten Tüngler in das Jahr 1300 geführt. Philipps Vorfahren zählten zu dieser Zeit zum Stadtadel von Braunschweig und stellten zahlreiche Bürgermeister, so die Erkenntnis. „In seiner Familiengeschichte findet sich sogar ein Ratsherr, der im 14. Jahrhundert hingerichtet wurde.“ Steffi Hirsekorn konnte bislang ihre Vorfahren väterlicherseits nur bis zu ihrem Großvater zurückverfolgen. Mit Tünglers Hilfe schaute sie nun in der Kirche in Barby in die Augen ihres bekannten Vorfahren. Nicht selten wird es emotional, wenn Carsten Tüngler seine Ergebnisse präsentiert.

Existenzielle Fragen

„Immer mehr Menschen interessieren sich für ihre Familiengeschichte und möchten etwas über ihre Vorfahren erfahren“, so der Ahnenforscher. Das zeigt sich zum einen an der Vielzahl von Anfragen, welche die Generalagentur für Genealogie erreicht, die Tüngler zusammen mit Daniel Riecke in Magdeburg betreibt. Und zum anderen an der Sendereihe „Du ahnst es nicht!“ mit Thomas Anders als Moderator, deren erfolgreicher Start beim ZDF zu einer weiteren Staffel führte. Carsten Tüngler ist wie sein Kollege Daniel Riecke einer der Experten der Sendung.

Die fünf Fälle sind ab dem 18. November 2019 bis Freitag beim ZDF-Magazin „Drehscheibe“ jeweils ab 12.10 Uhr in der Rubrik „Geneal – Endlich Ahnung von den Ahnen“ zu sehen. Die Sendung kann außerdem über die Mediathek des Senders angesehen werden.