Magdeburg l Mit Rabatz zogen Magdeburgs Abiturienten am Freitagmittag durch die Hegelstraße in Richtung Stadtpark. Hunderte Schüler tanzten und grölten zur Musik aus dem DJ-Truck die Straße hinunter. Bereits nach der ersten Kurve musste die Polizei den Umzug allerdings stoppen. Der Grund: Einzelne Schüler hatten vermummt Pyrotechnik gezündet. Sofort suchten die Beamten nach den Verantwortlichen und nahmen die Personalien auf. 80 Einsatzkräfte des Magdeburger Polizeireviers und der Bereitschaftspolizei waren am 20. April 2018 im Einsatz.

Angekommen im Stadtpark teilte sich die Gruppe der Feiernden auf. Die eine Hälfte blieb auf der Rasenfläche direkt an der Sternbrücke sitzen. Mit der Begründung: Sie wollten mit Leuten zusammen feiern, für die es kein Einlassbändchen gab. Die andere Hälfte begab sich auf das umzäunte Gelände zwischen Württemberg und Elbe. Der abgetrennte Bereich hatte in diesem Jahr Premiere. Die Stadt forderte eine organisierte Veranstaltung, um den Problemen aus den vergangenen Jahren zu begegnen. Wiederholt kam es in der Vergangenheit zu Schlägereien und Platzverweisen.

Kein Glas mit aufs Gelände

Gestern durften nur Schüler, die ein rotes Abi-Bändchen am Arm trugen, das Gelände betreten. „Das funktioniert gut, alle wissen Bescheid, wir mussten erst wenige ohne Bändchen abweisen“, sagt einer der Sicherheitskräfte am Einlass. Das Personal kontrollierte zudem die Taschen - nur Plastikflaschen durften mit aufs Gelände, Glas war verboten.

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Unter der Sternbrücke hatte der Katastrophenschutz der Malteser ein Zelt aufgebaut. „Bisher alles so, wie wir es erwartet haben“, zieht Einsatzleiter André Podschun am Nachmittag ein erstes Resümee. Mehrere Abiturienten lagen zu diesem Zeitpunkt bereits in dem Zelt. Das Problem: „Zu viel Alkohol“, sagt André Podschun. Mit insgesamt 13 Kräften waren die Malteser vor Ort. Sobald jemand ins Zelt gebracht wurde, haben die Einsatzkräfte Herz- und Atemfrequenz sowie den Blutdruck gecheckt. Wer es nötig hatte, bekam direkt im Zelt eine Infusion mit Kochsalzlösung verabreicht. „Das hilft beim Ausnüchtern“, erklärte Einsatzleiter Podschun.

Mehr als 2500 Feiernde

Hinter ihm tanzten derweil die Abiturienten zur Musik vom DJ und saßen auf dem Gras beisammen - alle auf der Suche nach einem kleinen Flecken Schatten. Unter ihnen: die 19-jährige Chantal Küster von den Berufsbildenden Schulen Otto von Guericke. Sie und ihre Mitschülerinnen finden gut, dass in diesem Jahr im abgetrennten Bereich gefeiert wurde. „Das gibt uns Sicherheit“, so die Abiturientin, die bereits am Montag ihre erste Prüfung schreiben muss. Außerdem kämen so nicht so viele Jüngere dazu, die noch gar keinen Alkohol trinken dürften.

Nur eines kritisieren die Schülerinnen: Die Kommunikation in puncto Ablauf hätte besser laufen können, sagt Sarah Schiemenz. Gegen 18 Uhr allerdings kommunizierte der DJ auf dem Partygelände ganz klar: „Jetzt kommt der letzte Song, dann ist hier Schluss.“ Wenig später waren bereits die Zäune abgebaut und die ersten großen Müllcontainer abgeholt. Organisator Alexander Bähr ist zufrieden: „Alles lief gut, es gab keine Auseinandersetzungen.“

20 Behandlungen im Rettungszelt

Zu diesem Zeitpunkt wurden im Zelt der Malteser bereits rund 20 Personen behandelt. Einmal musste der Rettungsdienst kommen, „um einen Knochenbruch auszuschließen“, erklärt André Podschun. Später am Abend kamen dann bis Redaktionsschluss gegen 21 Uhr noch rund 20 Rettungseinsätze hinzu. Zu diesem Zeitpunkt war der Großteil der Abiturienten bereits aus dem Stadtpark verschwunden, andere Gruppierungen tauchten im Stadtpark auf.

Um 21 Uhr befanden sich noch immer rund 1000 Personen an der Sternbrücke. Bis dahin kam es zu zwei Platzverweisen und sechs Anzeigen wegen Körperverletzung, zählte Polizeisprecher Frank Küssner auf. Einmal mussten die Beamten sogar Pfefferspray einsetzen, weil die Streithähne nicht auseinanderzubekommen waren. Gegen 21 Uhr lautete das erste Resümee vom Sprecher der Polizeidirektion Nord: „Alles überschaubar, zum jetzigen Zeitpunkt läuft alles wesentlich entspannter ab als im vergangenen Jahr.“