Magdeburg l Ein Besucher strahlt mit dem Licht um die Wette, der andere macht auf dem Absatz kehrt. Auf dem Magdeburger Domplatz herrscht am ersten Adventswochenende zeitweise eine Fülle, die dem abgesagten Weihnachtsmarkt zur Ehre gereicht hätte. Einschätzungen zum Betrieb der Lichterwelt.

Das erste Adventswochenende ist Geschichte, gewissermaßen Zeitgeschichte. Einen Advent ohne Märkte haben deutsche Städte seit Jahrzehnten nicht erlebt. In Magdeburg bietet die Lichterwelt – seit dem Wochenende um fünf Buden erweitert – einen alternativen vorweihnachtlichen Anlaufpunkt. Er ist, wie die Stadt beteuert, nicht als Marktersatz gedacht, aber doch fast genauso stark heimgesucht von Menschenmassen, mindestens am Wochenende. Umliegende Gastronomen machen obendrein verstärkt von der Möglichkeit zum Außenausschank Gebrauch. Am Hundertwasserhaus öffnen inzwischen mehrere Buden und finden reichlich Zulauf, Schlangestehen inklusive.

Notfall-Szenarien bis zum Ausknipsen

„Wir finden es noch unbedenklich“, sagt am Montag (30. November 2020) auf Nachfrage der Ordnungsbeigeordnete Holger Platz. Er hat sich am Wochenende selbst ein Bild von der Lage rund um die Lichterwelt gemacht und teilt die Einschätzung der Ordnungskräfte. „Es waren überwiegend Familien vor Ort, die sich weitgehend an die Abstandsregeln gehalten haben“, so Platz. Unerwünschte Saufgelage seien nicht beobachtet worden. Security und Ordnungsbeamte sind angehalten, in erster Linie durch freundliche Ansprache Hinweise zu geben, wo es Not tut. „Das hat bisher ausgereicht“, so Platz. Man habe, „für den Fall, dass es ausufert, gedanklich alle Szenarien bis zum Ausschalten der Lichterwelt durchgespielt“, sehe bisher aber keinen Anlass dazu. „Wir behalten die Lage im Blick und müssen täglich neu entscheiden“, so Platz. Sicherheitsdienst und Ordnungskräfte sind aufgestockt worden.

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Mit Absperrgittern und Schildern wird versucht, die Schlangen vor den Buden zu sortieren – dem Abstandsgebot folgend.

Freude und Sorge

Eine ähnliche Einschätzung wie Platz gibt Weihnachtsmarktchef Paul-Gerhard Stieger ab. Die kommunale Gesellschaft verantwortet den Budenbetrieb am Dom. „Ja, es war schon ziemlich voll“, räumt Stieger mit Blick aufs Adventswochenende ein, vor allem am Sonnabend. „Da habe ich auch vor Läden in der Innenstadt Schlangen gesehen wie noch nie.“ Der Ausfall der verkaufsoffenen Sonntage in der diesjährigen Adventszeit balle die Kundschaft offenbar noch stärker als sonst an den Sonnabenden zusammen, bedauert Stieger. „Und dann nehmen die Leute natürlich auch die Lichterwelt mit. Normalerweise würden wir uns über diese Synergieeffekte freuen.“ In diesen besonderen Zeiten beobachtet auch Stieger die Szenerie mit Freude einerseits und Sorgen andererseits. „Wir haben aber festgestellt, dass sich die Besucher überwiegend gut an die Abstandsregeln halten. Viele trugen Maske.“

Vier Bußgelder verteilt

Die Polizei bestätigt ein „erhöhtes Personenaufkommen“ auf dem Domplatz und in der ganzen Innenstadt am Wochenende. Nach Angaben von Polizeisprecherin Heidi von Hoff waren Kräfte der Polizeiinspektion und der Bereitschaftspolizei auf Streife und mussten Passanten verstärkt auf Abstandsregeln hinweisen. Nahezu alle Angesprochenen seien der Aufforderung zur Einhaltung nachgekommen. Aber es gab Ausnahmen: Vier Verstöße wurden mit Bußgeldern sanktioniert.

Auf dem Domplatz kamen am Wochenende kritische Stimmen zum Standort der Buden auf und die Frage, warum sie nicht ein Stück weg von den Lichtinstallationen aufgebaut wurden, um den Betrieb auf dem Platz zu entzerren. „Wir sind auf Strom- und Wasseranschlüsse angewiesen“, sagt Stieger und dass solche nicht überall verfügbar seien. Der Ordnungsbeigeordnete ergänzt: „Wir wollen keine marktähnliche Situation anderenorts. Die Buden sind zur Versorgung der Lichterwelt-Besucher zugelassen.“ Buden an anderen Standorten im öffentlichem Raum würden nicht genehmigt.

Bis auf weiteres bleibt es dabei: Die Lichterwelt leuchtet rund um die Uhr. Die Buden am Domplatz öffnen täglich von 15 bis 21 Uhr. Der Appell der Stadt zum Abstand- und Maßhalten, was den Genuß alkoholischer Getränke betrifft, gilt natürlich weiterhin.