Magdeburg l Es ist ein anonymes Schreiben, das der Volksstimme sowie Behörden und Polizei dieser Tage zugegangen ist. Neben einem Text sind Fotos abgedruckt, auf denen eine Halle zu sehen ist, darin ein Becken voll Müll, auf einem anderen Foto ein Radlader vor einer der Hallen auf dem Gelände der ehemaligen Aerosol-Arena und ein weiteres Foto einer Halle, das erneut das Becken zeigt, diesmal mit einer Erdschicht als Abschluss. An dieser Müllgrube entfacht sich nun ein neuer Konflikt um die Aerosol-Arena. Schon Anfang des Jahres waren die Projektbeteiligten, Stadt und Eigentümer im Streit auseinandergegangen, weil es unterschiedliche Ansichten über Fördermöglichkeiten gab.

Die Stadt bestätigt auf Nachfrage nicht nur den Erhalt des anonymen Schreibens, sondern auch das Vorhandensein des Mülls in einer Industriehalle auf dem Gelände der ehemaligen Aerosol-Arena. Am Dienstag habe es eine Besichtigung vor Ort gegeben. „Unser Umweltamt geht davon aus, dass sich schätzungsweise circa 1500 Kubikmeter Abfälle in einem Becken in der Industriehalle befinden und mit Erde abgedeckt wurden“, berichtet Stadt-Pressesprecher Michael Reif auf Volksstimme-Nachfrage. Zum Vergleich: Im Becken der Diesdorfer Schwimmhalle befinden sich 2000 Kubikmeter Wasser. Welcher Art die Abfälle sind, „konnte aufgrund der Abdeckung noch nicht festgestellt werden“, erklärt er. Von einer akuten Gefahr für Mensch und Natur gehe das Umweltamt nicht aus. Neben dem Müll in der Lagerhalle befänden sich auf dem Gelände noch Autowracks, Haus- und Sperrmüll sowie Bauabfälle. Die Stadt wolle sich nun an den Eigentümer wenden und ihn im Rahmen einer Anhörung auffordern, sich zu äußern und die Abfälle zu entsorgen.

Ob der Müll wirklich vom Projektteam der Aerosol-Arena angehäuft und illegal entsorgt wurde, ist für die Volksstimme nicht zu klären.

Bilder

Öffentlich äußern wollte sich der Eigentümer des Geländes auf Nachfrage nicht. Auch Jens Märker als Chef des Aerosol-Arena-Teams reagierte auf mehrfache Volksstimme-Anfrage nicht.

Kühlschränke, Farbdosen und mehr

Von Kühlschränken, Farbdosen und noch vielem mehr berichtet Dennis Rodenhauser als Geschäftsführer der „Yes and... productions GmbH & Co.KG“. Das Magdeburger Unternehmen, das in Berlin bereits durch aufwendige Graffiti-Projekte von sich reden machte, war nach dem Aus der Aerosol-Arena angefragt worden, tragfähige Konzepte für die Aerosol-Arena zu entwickeln.

Eigentlich sollte die Aerosol-Arena auch Teil der Magdeburger Kulturhauptstadtbewerbung werden. Uneinigkeiten über Fördergeld, Konzepte und Terminvorgaben führten aber dazu, dass das Team der Aerosol-Arena jegliche Zusammenarbeit mit der Stadt Magdeburg quittierte und das Gelände aufgab. Die Nutzung des Namens Aerosol-Arena wurde der Stadt daraufhin ebenfalls untersagt.

Rodenhauser berichtet, dass der Eigentümer die Rücknahme des Geländes aufgrund des Zustandes der Arena und des vorhandenen Mülls verweigert habe. Bis zum 31.  August sollte das Gelände beräumt sein. Dem Aerosol-Arena-Team sei nun eine weitere Frist eingeräumt worden. Bis Ende September sei Zeit. Bislang habe sich aber noch nichts getan, und auch eine Reaktion habe es noch nicht gegeben. „Es wird wohl auf einen Rechtsstreit hinauslaufen“, vermutet Rodenhauser. Er habe die Müllgrube noch offen daliegen sehen, als die Aerosol-Arena noch in Betrieb war, berichtet der Magdeburger aus früheren Zeiten. Verärgert zeigt sich Rodenhauser über den vorgenommenen Rückbau: „Das grenzt an Vandalismus.“ Teils seien sogar Elektrokabel durchgeschnitten und Tore ausgebaut und verschrottet worden, um es einem etwaigen Nachfolger schwerer zu machen. Auch die Graffiti an den Wänden seien weitgehend übermalt worden: „Das hat niemand von ihm gefordert“, sagt Rodenhauser.

Kein nachhaltiger Schaden

Sein Unternehmen hatte von Beginn an erklärt, nicht zusätzlich Öl ins Feuer um die Konflikte zur Aerosol-Arena gießen zu wollen. Die Hinterlassenschaften seien ärgerlich, aber ein nachhaltiger Schaden für das Gelände, der einen Bodenaustausch in Größenordnungen oder Ähnliches notwendig machen würde, sei nicht entstanden, glaubt Rodenhauser. Der Müll müsse durchsortiert und noch einmal korrekt entsorgt werden.

Die Entwicklung von einem neuen Konzept strebe das Unternehmen nach wie vor an. Coronabedingt seien die Gespräche mit der Stadt im Frühjahr zwar zum Erliegen gekommen. Vor zwei bis drei Wochen habe es aber wieder Kontakt gegeben. „Es geht weiter“, sagt Rodenhauser.

Ziel des neuen Konzeptes sei, der Graffiti-Szene einen Raum zu geben. Gleichzeitig sollen aber auch wirtschaftliche Interessen für das Gelände und ein Image-Gewinn für die Stadt verfolgt werden. „Das neue Projekt soll sich mehr in Richtung Stadt öffnen und mehr auf die Stadt ausstrahlen“, beschreibt Rodenhauser. Der hinterlassene Müll könnte das Verfahren zwar verzögern. Doch zu den Akten soll der Wunsch nach einer Projekt-Idee im Bereich Streetart und Graffiti nicht gelegt werden.

Polizei ermittelt

Die Aerosol-Arena wurde 2012 gegründet. Sie sollte Graffiti-Künstlern die Möglichkeit geben, großflächige Wandbilder zu gestalten, und war in ihrer Dimension europaweit herausragend und bekannt. Graffiti-Künstler aus aller Welt waren zu Gast auf dem Gelände und gestalteten immer wieder imposante Wandbilder. Die Betreiber stellten ihr Projekt international auch in anderen Ländern vor. Zudem diente die Fläche für Open-Air-Veranstaltungen. Die Betreiber kamen aus Dortmund.

Beim Landeskriminalamt sei am 1.  September eine anonyme Anzeige wegen illegaler Müllentsorgung auf dem Gelände der Aerosol-Arena eingegangen, berichtet Polizeisprecherin Heidi von Hoff vom Revier Magdeburg auf Nachfrage. Es sei die einzige Anzeige in den vergangenen drei Jahren, welche dem Polizeirevier Magdeburg bekannt sei. Das Verfahren sei anfangs beim Landeskriminalamt bearbeitet worden, werde jedoch in Kürze in die Zuständigkeit des Polizeireviers Magdeburg abgegeben.