Magdeburg l Umwelt- und Naturkatastrophen, humanitäres Elend und Kriege um Ressourcen – Ergebnisse menschlicher Gier. Das Bündnis Magdeburger Nachhaltigkeitsinitiativen will ein Bewusstsein schaffen, wie Handelnde in Magdeburg das Elend und den Raubbau in der Welt fördern. Nur, wenn jeder Einzelne weiß, wie sich sein Konsumverhalten global auswirkt, kann die Zukunft nachhaltig gestaltet werden.

Wege aus der Wegwerfgesellschaft

Aufklärung und Alternativen stehen daher im Fokus der „Langen Woche der Nachhaltigkeit“, die am 29. Mai 2018 startet. Mit zahlreichen Vorträgen, Aktionen und Workshops sollen ein ganzheitliches Denken im globalen Gefüge und Wege aus der Wegwerfgesellschaft aufgezeigt werden. Denn: Nachhaltigkeit verlangt ein Verständnis des Gesamtsystems.

Zu den Akteuren gehört Alexander Heinrich. Er beteiligt sich mit dem Verkauf ökofairer Mode an der Nachhaltigkeitswoche – ein Versuch ein Bewusstsein für faire und ökologische Produktionsbedingungen für Arbeiter und Umwelt zu schaffen. „Denn das, was wir tagtäglich am Körper tragen, zerstört nicht nur die Umwelt sondern auch Leben.“

Pestizide auf der Haut und im Essen

Das wolle er ins Bewusstsein rufen. 30 Prozent der Pestizide, die wegen des hohen Schädlingsrisikos bei Monokulturen eingesetzt werden, landen auf Baumwollfeldern, weiß er. „Wer möchte Pestizide auf der Haut tragen?“ Und wer wolle es unterstützen, dass jährlich etwa 20.000 Arbeiter an den Folgen einer Pestizidvergiftung sterben?

Die Bewässerung derartiger Plantagen, beispielsweise Palmöl, Reis oder Kakao, trockne ganze Seen aus. Der Aralsee beispielsweise war einer der größten Binnenseen der Welt, erklärt er. Von der ursprünglichen Seefläche von 68.000 Quadratkilometern ist er durch Bewässerungskanäle auf heute nur noch etwa 14.000 Quadratkilometer geschrumpft und völlig versalzen - eine klimaverändernde Umweltkatastrophe. „In China werden die Baumwollfasern mit Chemikalien gefärbt - etwa 150 Gramm pro Shirt - das tragen wir auf unserer Haut.“

Globales Konsum-Gefüge verinnerlicht

Von miserablen, mitunter menschenverachtenden Arbeitsbedingungen wolle er erst gar nicht anfangen zu reden. Unzählige Beispiele für die Zerstörung von Ressourcen und sozialer Ungerechtigkeit hat der 25-Jährige parat. Er hat das globale Gefüge seines Konsums nicht nur verstanden, sondern verinnerlicht.

In den Jahren, in denen er ehrenamtlich im Weltladen arbeitete, habe er sich intensiv damit beschäftigt. Aus moralischen und ethischen Gründen wolle er nicht mehr Teil dieses zerstörerischen Systems sein. Da es in Magdeburg nur vereinzelt ökofaire Kleidung gab, entschied er sich, derartige Mode für einen begrenzten Zeitraum anzubieten.

Alternative Rohstoffe: Eukalyptusfasern

Er fand Produzenten, die nachhaltig arbeiten, beispielsweise Eukalyptusfasern verwenden - in nachhaltiger Forstwirtschaft und mit geschlossenem Kreislauf ganz ohne den Einsatz von Genmanipulationen oder Pestiziden angebaut. Siegel wie Gots, IVN Best und Made in Green von Oeko-Tex zertifizieren giftfreie Kleidung.

Siegel wie Fairtrade sind geläufig, ökofair-Siegel hingegen weniger. Daher wolle er im Rahmen der Woche der Nachhaltigkeit auch im Kulturkollektiv, wo am 31. Mai auch der Pop-Up-Store öffnet, Informationsveranstaltungen anbieten, die neben der Produktion ebenso die Arbeitsbedingungen thematisieren. Denn Alexander Heinrich ist Mitglied des christlichen Sunrise e. V. und für ihn gilt: „Liebe deinen Nächsten heißt auch den, der meine Sachen herstellt.“

Rohstoffe im Kreislauf halten

Etliche der im Rahmen der „Langen Woche der Nachhaltigkeit“ angebotenen Veranstaltungen beschäftigen sich zudem mit dem Upcycling von Stoffen und Gegenständen und so mit dem Zurückführen von Rohstoffen in den Kreislauf.

Scheinbar nutzlose Materialien werden zu neuen Produkten oder einem neuen Zweck zugeführt. Aus alten Jeans oder Planen werden Taschen, aus Harken Kleiderständer, aus Schuhen Blumentöpfe und aus Dosen oder Flaschen dekorative Aufbewahrungsgegenstände. Auch wenn den Produkten damit nicht zur Unsterblichkeit verholfen werden kann, so drückt das Upcycling doch die stetige Produktion neuer Produkte und damit weiteren Abfall.

Workshop zur Wiederverwertung

Ein Workshop dazu wird beispielsweise am 2. Juni im „Hot“ in Buckau angeboten und am 7. Juni beim Neue Wege e. V. in der Otrichstraße, aber auch das Alten- und Servicezentrum in Cracau beschäftigt sich mit der Wiederverwertung, indem sie aus alten Zeitungen Geschenkschachteln und Briefumschläge herstellen (31. Juni).

Reparieren statt wegwerfen und neukaufen, ist eine weitere Säule der Nachhaltigkeitswoche. Beim Reparieren von Fahrrädern wird im Pik Asz in der Leipziger Straße (30. Mai) und im Özim in der Harsdorfer Straße (4. Juni) geholfen, beim Flicken von Kleidung oder der Reparatur von Elektrogeräten im Repaircafé in der Leibnizstraße (2. Juni). Getauscht und geteilt wird auf Flohmärkten, beim Kleiderkreisel und Klamottenkarussell. Um Müllvermeidung durch Stoffwindeln geht’s in einem Windelfrei-Seminar.

Alles zum Thema Nachhaltigkeit

Vom 29. Mai bis 10. Juni dreht sich in Magdeburg alles um das Thema Nachhaltigkeit. Sowohl praktisch in Workshops, als auch theoretisch in Vorträgen und Diskussionsrunden. Die globalen Unterschiede des Klimawandels, aber auch die regionalen Auswirkungen in Mitteldeutschland beleuchtet Dr. Andreas Marx, Leiter des Mitteldeutschen Klimabüros am UFZ zum Auftakt der „Langen Woche der Nachhaltigkeit“ am Dienstag.

Höhepunkt der Aktionswoche ist der „Markt zur guten Tat“ am 7. Juni auf dem Schellheimer Platz in Magdeburg-Stadtfeld.

Das vollständige Programm finden Sie hier