Magdeburg l Bauarbeiter werkeln mit Werkzeugen an einer meterhohen Holzverschalung mitten im Breiten Weg. Passanten schauen argwöhnisch auf das Geschehen und fragen sich „Noch eine Baustelle im staugeplagten Magdeburg?“ Ja, noch eine - allerdings eine mit ganz besonderem Hintergrund. Ausnahmsweise geht es mal nicht um Leitungsreparaturen oder Straßen- und Tunnelbau. Ganz im Gegenteil: Ein Stück altes Magdeburg soll wieder hergestellt werden: das Katharinenportal.

Dafür zimmern derzeit Bauarbeiter einer Wernigeröder Firma im Auftrag der Magdeburger Wohnungsbaugesellschaft Wobau eine Verschalung zusammen, in die morgen Beton gegossen werden soll. So entsteht eine Stützwand. Sie soll das stabile Grundgerüst für das künftige Katharinenportal bilden. Der Standort ist dabei ganz bewusst gewählt. Just an diesem Platz stand bis 1966 die Katharinenkirche. Kriegsbeschädigt wurde sie damals abgerissen, was bis heute ähnlich wie bei der Ulrichskirche umstritten ist. Nach dem Abriss wurde an dieser Stelle das Haus der Lehrer errichtet, das die Wobau nach langem Leerstand sanierte, 2014 wieder eröffnete und es als Hommage an die ehemalige Magdeburger Altstadtkirche in Katharinen- turm umbenannte. Schritt zwei ist nun der Wiederaufbau des Katharinenportals. Der Kircheneingang konnte 1966 gerettet werden und befindet sich in zerlegten Einzelteilen auf dem Hof der Magdeburger Firma Schuster. Diese Steine sollen nun wieder zu einem Portal zusammengefügt werden.

Die im Bau befindliche Mauer am Katharinenturm wird die Steine aufnehmen und nach der Fertigstellung ein Stück Altstadt auch für die Magdeburger auferstehen lassen, die die Kirche nicht mehr aus eigenem Erleben kennen. „Wir freuen uns, dass es nun losgeht“, sagte Wobau-Geschäftsführer Peter Lackner der Volksstimme. Die Gesellschaft hat die Koordination des Wiederaufbaus übernommen.

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Finanziert wird das Projekt allerdings über ein Kuratorium und Spendengelder. „71.000 Euro sind da schon zusammengekommen“, freut sich Peter Lackner. Allerdings reiche die Spendensumme noch nicht aus. Rund 200.000 Euro sind notwendig, um den Wiederaufbau zu finanzieren. „Wir hoffen deshalb, dass noch viele Magdeburger bei der Finanzierung mithelfen, gern auch mit Kleinspenden.“ Zusätzlich liegen Zusagen von Großsponsoren vor. Die Wobau hofft, den Bau spätestens bis zum Jahresende abschließen zu können, der dann auch mit einem Lichtkonzept beleuchtet wird.

Wenn die Betonstützmauer ausgehärtet ist, sollen die Steine an der Mauer angebracht werden, so dass zwar nicht die Kirche, aber zumindest ihr ehemaliger Eingang daran erinnert, was Magdeburg auch mal war: Eine Stadt voller Altstadtkirchen – und mittendrin die der Heiligen Katharina.