Magdeburg l „Delta-Alpha-Zero-Delta-Oscar-Mike. Seek you! Seek You! Delta-Alpha-Zero-Delta-Oscar-Mike. Seek you, calling on 20 meters and standing by.“ Unentwegt wiederholt Sebastian Hantscher seinen Funkspruch und hofft auf Antworten aus aller Welt. Delta-Alpha-Zero-Delta-Oscar-Mike ist die ausgesprochene Form seines Rufzeichens „DA0DOM“. Es handelt sich dabei um das Sonderrufzeichen, das die Funkamateure der beiden Magdeburger Ortsverbände des Deutschen Amateur Radio Clubs (DARC) für das Wahrzeichen der Stadt Magdeburg ins Leben gerufen haben. Die Fertigstellung des Magdeburger Domes vor 500 Jahren haben sie damit tausendfach in die Welt ausgestrahlt. Doch an diesem Vormittag ist zunächst niemand auf Sendung. Alles, was Sebastian Hantscher zurückbekommt, ist ein leises Rauschen und Knacken aus der Lautsprecherbox. Wieder ruft er mit „Seek you, seek you!“, was übersetzt so viel wie „Suche dich“ heißt, nach Gesprächspartnern. Dann endlich eine Antwort.

Nicht etwa aus Australien oder den USA, nein, aus nur wenigen Kilometern Luftlinie entfernt antwortet Gerald aus Magdeburg mit seinem persönlichen Rufzeichen DL6CWM, und Sebastian – Funkamateure sprechen sich immer mit Vornamen an – ist freudig überrascht. Hatte er doch extra auf 20 Meter gerufen. Mit dieser Frequenz versuchen die Funkamateure, Fernverbindungen aufzubauen. Kurz tauschen die beiden Männer technische Daten über ihre Funktechnik aus, dann fachsimpeln sie noch ein wenig über das Domjubiläum und die Amateurfunklandschaft in Magdeburg, ehe sie das etwa zehnminütige Gespräch beenden.

Die Verbindung können beide in ihren persönlichen Log-Büchern hinterlegen. Und Gerald erhält wie mehr als 10 000  andere weltweit als Erinnerung an die Funkverbindung eine QSL-Karte. Auf dieser Karte im Postkartenformat ist ein Bild des Magdeburger Doms zu sehen, außerdem das Rufzeichen und wofür es stand. Jeder, der im Verlauf des Jahres Kontakt mit dem Sonderzeichen zum Domjubiläum hatte, erhält so eine Karte. Diese werden nicht einzeln verschickt, sondern in Paketen und dann von den Amateurfunkverbänden der jeweiligen Länder weiterverteilt. Für die Funkamateure sind die Karten eine schöne Erinnerung an das Sonderrufzeichen. Auch auf Sebastian Hantschers Tisch steht eine kleine Box mit gesammelten Erinnerungen. Neben Funkern aus europäischen Ländern traten die Magdeburger auch in Kontakt mit Funkamateuren in Afrika, Südamerika, Japan, auf Hawaii, auf den Fidschi-Inseln und sogar mit einer Forschungsstation in der Antarktis, um vom Domjubiläum zu erzählen.

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Dom wird paketweise in alle Welt verschickt

Weitere Sonderrufzeichen, die derzeit in der Luft sind, wie es bei den Funkamateuren heißt, betreffen etwa die Kandidatur von Chemnitz zur Europäischen Kulturhauptstadt 2025, ein Sonderzeichen für Krankenschwestern als Dankeschön für deren Einsatz in der Corona-Krise sowie den Wiederaufbau eines japanischen Tempels. „Es gibt verschiedenste Anlässe“, erzählt Hantscher begeistert. Und man erreiche Leute, die man sonst wahrscheinlich nie mit seinem Anliegen erreicht hätte.

Corona wirkt sich auch auf das Funkgeschehen aus. Großes Ziel der Funkamateure ist, mit allen Funkregionen einmal in Kontakt getreten zu sein. Deshalb gibt es auch Exkursionen zu entlegenen Teilen der Welt, teils sogar auf unbewohnte Inseln, von denen aus gefunkt wird. Dann gehe es auch mal chaotisch zu, weil sich jeder gern einen Kontakt für sein Log-Buch sichern möchte. Diese Exkursionen können durch die Corona-Pandemie derzeit nicht stattfinden. 340 Funkregionen gibt es weltweit. Sebastian Hantscher hat knapp 300 beisammen. Je mehr man gesammelt hat, desto schwieriger wird es, sagt Hantscher.

Noch bis zum Jahresende wird das Funksignal über das Domjubiläum zu empfangen sein. Mal sehen, welches Sonderrufzeichen sich die Funkamateure als nächstes überlegen.