Öffentliche Gesundheitsfürsorge

Ärztinnen im Magdeburger Gesundheitsamt fordern mehr Geld

Stadtverwaltung will angedrohte Kündigungen durch freiwillige Zulagen von bis zu 873 Euro im Monat abwenden.

Von Von Katja Tessnow
Unter anderem die Vorsorge und Beratung zur Zahngesundheit bei Kindern und Jugendlichen gehört zu den Aufgaben der Ärzte im Gesundheitsamt. Weil sie hier weniger Geld verdienen als ihre Kolleginnen in der freien Wirtschaft, drohen zwei Ärztinnen mit Kündiung.
Unter anderem die Vorsorge und Beratung zur Zahngesundheit bei Kindern und Jugendlichen gehört zu den Aufgaben der Ärzte im Gesundheitsamt. Weil sie hier weniger Geld verdienen als ihre Kolleginnen in der freien Wirtschaft, drohen zwei Ärztinnen mit Kündiung. Symbolfoto: dpa

Magdeburg - Zwei Zahnärztinnen im Magdeburger Gesundheitsamt fordern mehr Geld. Der Stadtrat muss entscheiden, ob die Verwaltung drauflegen darf.

Beratung, Aufklärung, Begutachtung und Vorsorge, vor allem in Sachen Zahngesundheit bei Kindern und Jugendlichen, das sind die Hauptaufgaben von Zahnärzten im öffentlichen Dienst der Stadt. Der öffentliche Gesundheitsdienst ist eine Pflichtaufgabe, jedoch fällt es Städten und Gemeinden bundesweit schwer, die Stellen zu besetzen. Qualifiziertes Personal sucht sich besser bezahlte Stellen in der freien Wirtschaft.

Für Magdeburg beschreibt das zuständige Verwaltungsdezernat I (Umwelt, Personal und Allgemeine Verwaltung) in einem aktuellen Beschlusspapier für den Stadtrat eine ähnliche Lage und verweist auf eine Handlungsoption, beschlossen von der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA). Sie lässt – im Einzelfall – übertarifliche Zahlungen zu. Der Einzelfall begründet sich durch die vergebliche Suche nach Personal oder – wie aktuell in Magdeburg – angedrohte Kündigungen.

Maximal 953 Euro mehr pro Monat sind möglich

Zwei im Gesundheitsamt beschäftigte Zahnärztinnen haben mit Verweis auf die VKA-Richtlinie Anträge auf Zulagen gestellt und parallel ihre Bereitschaft erklärt, schnellstmöglich und berufsbegleitend eine Zusatzausbildung zur Fachzahnärztin für öffentliches Gesundheitswesen abzuschließen und langfristig in Diensten der Stadt zu bleiben – wenn monatlich mehr Geld fließt. Die Stadtverwaltung schlägt vor, dem Wunsch nachzukommen und eine Kündigung der beiden Frauen damit abzuwenden.

Konkret würden Zahnärzte in Diensten der Stadt nach der Entgeltgruppe 14 laut Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD) bezahlt. Das entspricht – die nötige Qualifizierung vorausgesetzt – einer Entlohnung zwischen 4462 (Einstieg) und 6444 Euro (nach mindestens 15 Berufsjahren im öffentlichen Dienst) brutto monatlich. Maximal 953 Euro pro Monat dürfte die Stadt gemäß Arbeitgeberrichtlinie draufzahlen, „soweit es zur Deckung des Personalbedarfs oder zur Bindung von qualifizierten Fachkräften im Einzelfall erforderlich ist“ (Originaltext VKA-Richtlinie). Die Stadtverwaltung empfiehlt dem Stadtrat mit Blick auf die angespannte Haushaltslage und einen generell möglichst restriktiven Umgang bei der Gewährung freiwilliger Zulagen den Maximalbetrag nicht auszuschöpfen. Die „widerrufliche übertarifliche Zulage“ solle maximal 873 Euro pro Monat betragen, schlägt die Verwaltung vor.

Die Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt kann zum Vergleich nicht mit Durchschnittsdaten zum Einkommen angestellter oder niedergelassener Zahnärzte in Magdeburg aufwarten. Sprecher Andreas Stein verweist auf Daten aus dem Statistischen Jahrbuch 2020 der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, wonach das durchschnittliche Jahreseinkommen von Zahnärzten mit eigener Praxis in den östlichen Bundesländern 2018 nach Steuern und Abgaben bei 76.200 lag. Laut einer Umfrage der Apotheker- und Ärztebank vom Januar 2021 beziffern angestellte Zahnärzte in deutschen Praxen ihren Bruttoverdienst im Jahr mit zwischen 68.000 und 82.000 Euro, das sind 5666 bis 6833 Euro im Monat.

Ob die Stadt die Bezahlung ihrer eigenen Zahnärzte anpassen oder auf die Gewinnung von neuem Personal zu den alten Konditionen setzen soll, soll der Stadtrat auf seiner Sitzung im Oktober 2021 entscheiden.