Magdeburg l Nächste Etappe bei einem der Magdeburger Großprojekte in Sachen Straßenbau: Für den Ausbau des Magdeburger Strombrückenzugs sind für den eigentlichen Bau die Ausschreibungen beendet. Ziel der Stadtverwaltung ist es jetzt, den Auftrag noch in diesem Jahr zu erteilen. Die Bauarbeiten für das 60-Milllionen-Euro-Projekt sollen dann im Juni beginnen. In den ersten anderthalb Jahren werden die Arbeiten neben den alten Brücken – der Anna-Ebert-Brücke über die Alte Elbe und der Zollbrücke über die Zollelbe – sowie auf dem Heumarkt laufen. Der Auto- und Straßenbahnverkehr kann in dieser Zeit noch weitgehend wie gewohnt fließen. Wesentlich ist in diesem Zeitraum allein die Sperrung der Straße Am Winterhafen.

Bereits im Gange sind derweil die Vorbereitungen für den eigentlichen Brückenbau. Im Vorfeld wird derzeit das umliegende Gebiet nach Kampfmitteln – sprich nach Blindgängern, Granaten und weiterer Munition – durchsucht.

14.400 Bohrungen für Kampfmittelsuche

Die Prüfung auf Munition ist dringend notwendig, da das gesamte Areal Kampfmittel-Verdachtsgebiet ist. Das Gelände war im Zweiten Weltkrieg aufgrund militärischer Einrichtungen das Ziel von Angriffen. Zudem gab es bei der Einnahme der Stadt durch US-amerikanische Truppen im Frühjahr 1945 Gefechte in diesem Bereich.

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Für die Sondierung werden zwei unterschiedliche Methoden genutzt. Zum einen kommt ein geophysikalisches Verfahren zum Einsatz, bei dem mit Hilfe elektromagnetischer Wellen der Boden bis zu einer Tiefe von zweieinhalb Metern untersucht wird.

Sonden im Einsatz

Zum Einsatz kommen bei dieser Art der Kampfmittelsuche Sonden. Insgesamt wird auf diese Weise eine Fläche von rund 77.900 Quadratmetern analysiert. Zum anderen setzen die Mitarbeiter der Fachfirma im Bereich der künftigen Widerlager auf dem Werder, am Gleisdreieck Heumarkt und an der Zitadelle auch auf Sondierungsbohrungen. Auf rund 26.800 Quadratmetern setzen sie etwa 14.400 Bohrungen in die Erde. Die einzelnen Bohrlöcher sind zwischen sechs bis zwölf Metern tief.

Auch für die erste Phase der Kampfmittelräumung seien keine Sperrungen für den Straßenverkehr vorgesehen. „Es kann jedoch aufgrund der Größe der Fläche zu kleineren Beeinträchtigungen kommen“, heißt es in einer Mitteilung seitens der Magdeburger Stadtverwaltung.

Kleingärten müssen weichen

In der zweiten Phase der Kampfmittelsuche zur Vorbereitung der Bauarbeiten wird es ebenfalls zu keinen Einschränkungen kommen: Dann geht es um die zurzeit noch nicht zugänglichen Flächen, die mit Beginn der eigentlichen Arbeiten baubegleitend untersucht werden sollen.

Um Platz für die Bauarbeiten zu schaffen, muss zudem die Kleingartenanlage Zitadelle im Stadtpark komplett weichen. Und auch ein Teil der Kleingartenanlage im Zuckerbusch wird dem Erdboden gleichgemacht. Hintergrund: Mit dem als „Ersatzneubau Strombrückenzug“ bezeichneten Bauvorhaben ändert sich die Verkehrsführung.

Auf der ostelbischen Seite wird künftig die Neue Cracauer Straße die Hauptlast des Autoverkehrs tragen. Und auch die Straßenbahnen werden hier fahren.

Anliegerverkehr über alte Brücken

Die Anna-Ebert-Brücke und die Zollbrücke – beide stehen unter Denkmalschutz – sollen künftig für den Verkehr vom und auf den Werder genutzt werden.

Um bauen zu können, hat die Stadt mehrere Flächen erworben. Darunter sind auch Teile der Kleingartenanlage „Am Cracauer Tor“. Noch in diesem Jahr beginnt der Teilrückbau dieser Sparte. Den Betroffenen wurde bereits gekündigt. Laut Stadtverwaltung hätten die betroffenen Kleingärtner darauf dankenswerterweise „sehr verständnisvoll“ reagiert.

Nach den derzeitigen Planungen sollen der Bau der Brücken über Alte Elbe und Zollelbe und die Sanierung der alten Brücken einschließlich Neuer Strombrücke im Jahr 2020 abgeschlossen sein.