Magdeburg l Gerade erst zeigte die Sudenburger Feuerwache Modelle des „Roten Diors“, nun ist ein Sammlung von Schriftstücken und Fotodukumenten sowie Zeichnungen aufgetaucht, die einen Einblick in das Schaffen des Schönebecker Modeschöpfers Heinz Bormann geben. Wer hätte gedacht, dass er im Jahr 1959 mit seinem Betrieb fünf Millionen D-Mark eingenommen hat. In zwölf Ländern wurden die Modelle Bormanns seinerzeit gezeigt. Das Auktionshaus Bieberle hat es nun Schwarz auf Weiß. In einer Pressemitteilung aus dem Jahr 1959 wird über die Erfolge des Unternehmers berichtet.

Die Pressemitteilung ist nur ein Teil des Kovoluts, das am 29.  August 2020 ab 11  Uhr im Rahmen einer Stillen Auktion unter den Hammer kommt. Daneben sind beschriftete Fotografien von Models zur Vorbereitung von Modenschauen, Negative, Tisch-Aufsteller, Schriftverkehr der Firma, Werbehefte, und vieles mehr zu finden. Inhalt der Sammlung sind außerdem Entwürfe des Grafikers Günter Hilmer vom Reklame- atelier Magdeburg, der unter anderem Printprodukte für Bormann designte.

Günter Hilmer war einst einer der angesehensten Werbedesigner der Stadt, wissen Bieberles, die das Unternehmen im Familienbetrieb führen. Hilmers Atelier habe sich ander Hegelstraße befunden. Zu den Dokumenten gehört auch ein Foto, das eine Dame im Modell „Versailles“ zeigt. Auf der Rückseite des Fotos ist zu lesen: „Die reife Dame trägt zum Cocktail ein dunkles Brokatkleid, des ein gerader, fest strenger Mantel komplettiert. Das total dekolltierte Wickelkleid wird am Rücken mit 2 Organzarosen abschliessend gehalten.“ Die Dokumentensammlung hat ein Privatmann im Auktionshaus abgegeben. Woher genau die Unterlagen stammen, ist nicht bekannt. Sicher ist aber: „Es ist ein einzigartiger Fund“, wie Peter Bieberle erzählt.

Bilder

Bormann nahm 1959 fünf Millionen DM ein

Bormanns Aufstieg zum Modezar fing mit 20 alten Nähmaschinen an. Heinz Bormann hatte sie vom Konfektionsbetrieb der Schwiegereltern sichern können. Magdeburg war zerbombt, Bormann zog ins heil gebliebene Schönebeck. Er stellte 30 Leute an, die Unterhosen flickten und Uniformen für die Sowjets herstellten. Die Uniform-Schneiderei war der Beginn der außergewöhnlichen Erfolgsstory.

Die Firma zählte bald 200 Beschäftigte. Neuer Firmensitz wurde Magdeburg. Für Aufsehen sorgte Bormann mit Helena Zeilhofer, der jungen Modedesignerin aus München, die im Magdeburger Kristallpalast ihre erste Kollektion zeigte. Bormanns Leben in der DDR war alles andere als republiktypisch. Bormann reiste, flog zu Shootings um die Welt und bekam schließlich den Beinamen „Der Rote Dior“, angelehnt an den Designer Christian Dior.

Die Geschichte des Magdeburger Modeschöpfers fasziniert auch Bieberles. Im Jahr des 30-Jährigen Bestehens des Auktionshauses gibt es derzeit aber noch keine Auktionen im Haus an der Jean-Burger-Straße. Hintergrund ist die Coronavirus-Pandemie. Zu den Auktionen würden bis zu 50  Personen kommen, zumeist älteren Semesters.

Zum einen seien die Räume zu klein, um den Sicherheitsabstand einzuhalten, zum anderen müsste Personal nur dafür abgestellt werden, die Einhaltung der Hygiene- und Sicherheitsbestimmungen zu kontrollieren. Deshalb können Interessenten ihre Gebote im Internet, schriftlicch und telefonisch abgeben. Eine Besichtigung ist aber möglich, vom 24.  bis 28. August 2020 in der Zeit von 11 bis 17  Uhr. Mehr als 800 Lose stehen auf der Auktionsliste.