Magdeburg l Zuletzt schlug der Hundehasser am Sonntag, 8. März 2020, in der Eisvogelstraße in Stadtfeld-West zu. Beim Gassigehen entdeckte ein Hundebesitzer, dass sein Liebling im Gebüsch einer Rabatte irgendetwas gefunden hatte. Zum Glück reagierte der Hundehalter schnell und umsichtig, er konnte seiner "Foxi" gerade noch rechtzeitig ein gefundenes Stückchen Wurst aus dem Maul nehmen. Viel hatte nicht mehr gefehlt und Foxi hätte es verschluckt. Beim genaueren Betrachten entdeckte der Hundebesitzer, dass das Würstchen mit Nägeln gespickt war. Und im Gebüsch fanden sich noch zwölf weitere solcher präparierten Stückchen.

Der Fund vom Sonntagabend ist nur ein Fall von einer Reihe von Vorkommnissen, weiß auch Hundebesitzerin Silke Teichler. Mehrfach sei es in den vergangenen Tagen und Wochen in dem Wohngebiet vorgekommen, dass präparierte Wurststücke aufgetaucht sind, sagt sie. „Schon vor einer Woche sind solche mit Nägeln bestückte Wurststückchen gefunden worden. Eine Woche davor musste ein Labrador aus der benachbarten Eigenheimsiedlung mit Vergiftungserscheinungen zum Tierarzt. Dort ist auch festgestellt worden, dass der Hund vergiftet worden ist“, erzählt sie. Auch sie selbst ist bei einer abendlichen Gassirunde mit ihrem Liebling Jousi betroffen gewesen, erzählt sie. Plötzlich sei ein Stückchen Wurst angeflogen gekommen, ihre Jousy war schon drauf und dran, es zu fressen. „Zum Glück konnte ich das noch verhindern“, berichtet die Magdeburgerin.

Tierhalter gründen Whatsapp-Gruppe

Angesichts der Fälle sind die Tierbesitzer in dem Wohngebiet verunsichert und alarmiert. Am Montagabend trafen sich spontan rund 20 Hundebesitzer, um über die Situation zu sprechen. Jetzt haben sie eine Whatsapp-Gruppe gegründet, um sich gegenseitig auf dem Laufenden zu halten und gegebenenfalls zu warnen. An Bäumen im Wohngebiet sind mittlerweile Zettel mit einem Foto der ausgelegten Nagelköder und einer Warnung vor dem Hundehasser angeheftet.

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Jana Döring wohnt ebenfalls in dem Wohngebiet, ist mit Silke Teichler und anderen Hundebesitzern befreundet. Sie kann nicht verstehen, was in dem Unbekannten vorgehen mag, solche Köder auszulegen. „Es ist nicht auszudenken, was passiert, wenn ein Tier diese Köder frisst. Dabei geht es auch nicht allein um unsere Hunde. Auch Katzen, Igel und andere Tiere könnten daran sterben“, sagt sie. Selbst für Kinder könnten die Köder eine Gefahr darstellen, warnt sie.

Polizei sucht Zeugen

„Ganz offenbar hasst dieser Mensch Hunde. Ich kann ja verstehen, dass es Menschen gibt, die es ärgert, wenn Hundebesitzer die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner nicht beseitigen. Auch das gibt es hier bei uns im Wohngebiet. Wir sprechen die Hundehalter auch an und achten darauf, dass das nicht passiert. Aber all das ist doch kein Grund, diese Köder auszulegen“, appelliert Silke Teichler an die Vernunft des Unbekannten. Sie und ihre Nachbarn würden sich mehr öffentliche Mülleimer in ihrem Wohngebiet wünschen. Denn momentan gibt es zu wenige bis keine Entsorgungsmöglichkeiten. Die Mülltonnen, die zu den Wohnhäusern gehören, sind meist verschlossen.

Über die Vorkommnisse in dem Wohngebiet sind das Ordnungs- und Veterinäramt der Stadt und natürlich auch die Polizei informiert. Nach dem jüngsten Köderfund vom Sonntag ist Anzeige erstattet worden. Die Polizei hat auch entsprechende Ermittlungen aufgenommen, wie Polizeisprecherin Heidi Winter informierte. Gleichzeitig bitten die Beamten Zeugen, die etwas zu der Tat oder dem Täter mitteilen können, sich im Polizeirevier unter der Telefonnummer 0391/ 546 32 92 zu melden.

Im Tiermedizinischen Versorgungszentrum in Stadtfeld ist bislang noch kein Tier eingeliefert worden, das solch einen präparierten Köder gefressen hat. Wie gefährlich diese Köder jedoch sein können, weiß Tierarzt Dr. Klaus Kutschmann. Im schlimmsten Fall könne es zu einer Darmperforation, also der Durchlöcherung des Darms, kommen. Eine Bauchfellentzündung bis hin zum Tod des Tieres wären Folgen, so der Tierarzt. Es komme jeweils auf die Größe der Nägel und auch des Tieres an.