Magdeburg l Nicht im himmelblauen Trabant, wie ihn einst DDR-Schlagersternchen Sonja Schmidt besang, sondern in einem himmelblauen Skoda geht es ab 12. April 2019 rund um Prag auf die Rennstrecke. Am Steuer sitzt der Magdeburger Torsten Riedel, der mit seinem alten Ostmobil sogar schon die legendäre Histo Monte gefahren ist.

Auf haarnadeldünnen Nebenstraßen, über Bergrennstrecken, alte Militärgelände und durch Steinbrüche - was den alten Skoda des Magdeburgers Torsten Riedel dabei in Tschechien erwartet, ist nicht von Pappe. Beim traditionellen „Rallye Praha Revival“ sind alle gefordert: Oldtimerfan Riedel am Lenkrad, Alexander Silkeit als Navigator an dessen Seite und natürlich der himmelblaue Skoda S 120 S selbst. Es ist eine Rallyeversion des Serienautos S 100, Baujahr 1971.

Oldtimer mit Magdeburger Kennzeichen

„Das Auto ist technisch bestens vorbereitet und startklar“, erzählt Torsten Riedel der Volksstimme. Die letzten Tage vor dem Aufbruch Richtung Prag wird das historische Vehikel jetzt nur noch „gewienert und schön gemacht“ für seinen großen Auftritt. Dass der Oldtimer mit Magdeburger Kennzeichen in seinem Mutterland Rennen bestreitet, freut Riedel besonders. Hier sei noch das authentische Rallyefahren wie in den 1970er Jahren spürbar, sagt er.

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Zwischen Wartburg, Trabant, aber auch Audi und anderen Skodatypen wie MB 1000, 130 RS und 130 LR komme eine einmalige Atmosphäre auf. Als absoluter Exot soll dieses Jahr ein hier gänzlich unbekannter Popeda Sport (Baujahr 1956!) aus Russland dabei sein.

Drei Tage durch Tschechien

Drei Tage lang, vom 12. bis 14. April 2019, steht das Rallye Praha Revival für Torsten Riedel und seinen Copiloten Alexander Silkeit auf dem Programm.

600 Kilometer geht es quer durch Tschechien - von früh morgens bis spät in die Nacht. Die anspruchsvolle Strecke bleibt für die knapp 200 teilnehmenden Teams bis zum Schluss geheim. „Erst am Start drückt uns der Veranstalter das sogenannte Roadbook in die Hände“, berichtet Riedel.

Keine Ortsnamen auf der Karte

Das ist so etwas wie ein Navigationsgerät, das den Teams die Richtung vorgibt. Aber eine abgespeckte Variante, nur mit Pfeilen, Richtungs- und Meterangaben. Ortsnamen gibt es nicht. Es soll knifflig bleiben.

Und dann geht es da auch noch um Zeiten. „Das heißt, wir müssen zu einer exakt festgesetzten Zeit an der Zeitkontrolle ankommen. Sind wir zu früh oder zu spät an der Zeitkontrolle, gibt es Strafpunkte“, erklärt Teamkollege Silkeit, der hochkonzentriert bei der Sache sein muss, um Steuermann Riedel auf dem richtigen Kurs zu halten.

Sonderprüfungen für Rallye-Fans

Dazu kommen noch Sonderprüfungen auf schwierigem Gelände – und das alles für einen echten Oldie. Riedels Skoda hat schließlich fast fünf Jahrzehnte auf dem Buckel. Wichtig sei, dass das Auto gut durchhält. „Es geht uns nicht darum, einen Pokal zu holen. Wir wollen einfach nur drei Tage Spaß haben und interessante Leute treffen“, meint der 55-jährige Torsten Riedel.

Das Besondere am Rallye Praha Revival sei, dass es Veranstalter Eda Patera immer wieder schaffe, internationale Rallyelegenden aus den 60er, 70er und 80er Jahren zu dieser Veranstaltung zusammenzubringen. Dieses Jahr wird unter anderen John Haugland, eine Legende aus Norwegen, dabei sein, weiß Alexander Silkeit zu berichten. Haugland nahm an 27 Weltmeisterschaften teil, meist auf dem Skoda. Er hat es viermal unter die Top 10 geschafft und über 100 Klassensiege errungen.

Magdeburger freuen sich auf Rallye-Fahrer

Das Magdeburger Skoda-Team freut sich auch auf Jean Pierre Nicolas, einen ehemaligen französischen Rallyefahrer und Teamchef des Peugeot-Rallyeteams sowie Michèle Espinosi-Petit (Spitzname „Biche”), die in den 1970er Jahren auf Alpine 110 und Lancia Stratos u. a. die Rallye Monte Carlo fuhr. Sie wird als Beifahrerin von Jean Pierre Nicolas dabei sein.

„Als weiteres Highlight haben wir uns dieses Jahr mit einem anderen deutschen Team zusammengetan“, berichtet Copilot Silkeit. René Lindner und René Malotta mit ihrem perfekt aufgebauten Wartburg 353 W460 werden mit auf der Strecke sein.

Magdeburger fahren bis Monte Carlo

Apropos Spaß. Der war Torsten Riedel und seinem Teamkollegen das letzte Mal in Tschechien doch ziemlich vergangen. Das war im Oktober 2018 beim Berounka-Rennen; das zweite Rennen, das der Magdeburger mit seinem Teamkollegen nun regelmäßig besuchen will. 2017 waren beide sogar die legendäre Histo Monte über 1730 Kilometer bis nach Monte Carlo gefahren.

Das Problem der letzten Prag-Rallye im Herbst: Es herrschte mieses Wetter, Dauerregen. „Das war die reinste Schlammschlacht“, erinnert sich Riedel. Und dann passierte es. Ein anderes Fahrzeug rutschte in Riedels Skoda. Zwei Kotflügel waren hin, mussten ersetzt werden.

110 PS unter der Motorhaube

Bei der Suche nach Ersatzteilen entdeckten sie zufällig einen anderen Motor für den Oldtimer. 20 PS mehr – also gut 110 PS – stecken nun unter der Motorhaube vom Skoda und Torsten Riedel freut sich auf den ersten Einsatz unter Wettkampfbedingungen.

Der Blick geht also nach vorn. Torsten Riedel und Alexander Silkeit fiebern dem Start am Freitag entgegen, der wie im letzten Jahr direkt auf dem Wenzelsplatz in Prag stattfinden wird. Das sei schon ein besonderes Gefühl, mit einem Skoda dort vor dem ganzen Publikum über das Podium zu fahren, sagen Silkeit und Riedel. Magdeburger, die zufällig in Prag sind, sind herzlich eingeladen, das Magdeburger Team anzufeuern.

Interessierte können die Rallye außerdem über Facebook verfolgen.