Magdeburg l Die Bilder wirken durchaus besorgniserregend: Große Teile der Rinde hängen wie lose Lappen vom Stamm herab. Stämme und dicke Äste wirken beinahe nackt. Unter den alten Bäumen liegen ganze Teppiche aus Borkenstücken. Ist das noch gesund?

Das fragen sich Besucher im Magdeburger Herrenkrugpark. Das Phänomen ist derzeit aber nicht nur bei den alten Platanen in dem denkmalgeschützten Park zu sehen, sondern auch bei Straßenbäumen, zum Beispiel in der Sternstraße. Müssen sich die Magdeburger um ihre Platanen sorgen?

Keine Sorge um Platanen notwendig

Experten des Eigenbetriebes Stadtgarten und Friedhöfe Magdeburg können besorgte Elbestädter beruhigen. Auf Volksstimme-Nachfrage stellt Stadtsprecherin Kerstin Kinszorra zunächst klar: „Grundsätzlich werfen Platanen nicht ihre eigentliche Rinde, sondern vielmehr die Borke ab.“ Als Borke werde der äußere Teil der Rinde bezeichnet.

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Da diese bereits abgestorben sei, könne die Borke beim Dickenwachstum nicht mehr mitwachsen. Sie reißt also auf und blättert ab. Ein ganz natürlicher Vorgang, der sich mit dem Häuten von Schlangen vergleichen lasse, so Kinszorra. Schlangen entledigen sich beim Wachstum ebenfalls ihrer zu eng gewordenen Haut.

Feuchtes Frühjahr regt Wachstum an

Für einen umfangreichen „Rindenabwurf“ braucht es ein feuchtes Frühjahr, welches die Platanen ausreichend mit Wasser versorgt. Das war 2018 offenbar der Fall. So wurde ihr Dickenwachstum angeregt. Ist der Sommer wiederum durch starke Trockenheit geprägt, werfen die Platanen ihre äußere Schutzhülle ab.

Kerstin Kinszorra sagt: „Aufgrund der diesjährigen extremen sommerlichen Trockenheit ist das Schälen der Bäume sehr auffällig. Es fallen zahlreiche Borkenstücke nicht nur vom Stamm, gerade bei Altbäumen vermehrt auch von den stärkeren Ästen, ab. Zum Vorschein kommt die helle, grünliche Rinde.“ Im Herrenkrugpark ist das derzeit besonders auffällig zu beobachten.

Borkenabwurf alle paar Jare wieder

Wegen des sogenannten „sekundären Dickenwachstums“ blättert in jedem Jahr etwas Borke von den Platanen. Bei entsprechender Witterung trete der massive Borkenabwurf alle paar Jahre aber vermehrt auf – so wie in diesem Jahr. Da es sich aber um einen ganz natürlichen Vorgang handele und kein Schadsymptom erkennbar sei, dokumentiere der Eigenbetrieb Stadtgarten und Friedhöfe (SFM) auch nicht, in welchen Abständen die „Häutung“ stärker zu beobachten ist. Vor einigen Jahren sei dies aber auch vermehrt der Fall gewesen, stellt die Sprecherin fest. Die hellen Stämme der Platanen auf dem Mittelstreifen in der Walther-Rathenau-Straße hätten in dem Sommer plötzlich „gestrahlt“.

Bleibt festzuhalten: Der Abwurf der Borke ist also kein Zeichen einer Erkrankung der Bäume. Es gibt auch keine Hinweise für eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes. Eher das Gegenteil sei der Fall, betont Kinszorra, da der Borkenabwurf auf einen gesunden Zuwachs der Bäume hindeute.

Bäume werfen Blätter ab

Wenn Bäume unter Trockenstress leiden, zeigt sich das mit hängenden, sich einrollenden Blättern, Blattvergilbungen oder vorzeitigem Laubfall. Das wiederum ist seit Wochen schon bei vielen Bäumen, unter anderem ganz in der Nähe in der Herrenkrugstraße, zu beobachten. Ein Resultat der extremen Trockenheit dieses Supersommers.

Der Stadtgartenbetrieb führt indes regelmäßig qualifizierte Baumkontrollen durch, berichtet Stadtsprecherin Kerstin Kinszorra weiter. Dabei werden auch mögliche Schadsymptome wie Rindennekrosen durch den Befall mit dem Zottigen Schillerporling (Baumpilz), Platanenwelke, Platanenkrebs etc. festgehalten und weitere „Maßnahmen zur Herstellung der Verkehrssicherheit veranlasst“. Das können Rückschnitte oder – im äußersten Notfall – Fällungen sein.

Magdeburger Platanen etwa 150 Jahre alt

Im Magdeburger Herrenkrugpark stehen laut Katastereintrag 25 Platanen, von denen sich 18 Bäume in der Alterungsphase befinden. Direkt nördlich des Hotels stehen drei davon. Ihr Alter wird auf rund 150 bis 170 Jahre geschätzt. Konkrete Jahreszahlen der Pflanzung liegen der Stadt aber nicht vor.

Für die historischen Parkteile gibt es eine denkmalpflegerische Zielstellung und ein entsprechendes Parkpflegewerk. Die Platanen sind darin enthalten. Als Naturdenkmale werden sie allerdings nicht geführt.