Magdeburg l In Magdeburg haben Bürger eine ehrgeizige Aktion ins Leben gerufen. Sie wollen so viele Bäume pflanzen, wie Magdeburg Einwohner hat. 242.000 Bäume für die Landeshauptstadt heißt das erklärte Ziel der Aktion „Otto pflanzt“. Initiator der Aktion ist Steffen Tilsch. „Vorbild ist die Initiative ‚Mein Baum mein Dresden‘. Im letzten Jahr haben die Dresdner bereits 75.000 Bäume von 550.000 gepflanzt. Das können wir auch“, so der 36-Jährige, der in Magdeburg geboren ist, aber mittlerweile im Umland lebt.

Der Antrieb des kleinen Teams von organisationsunabhängigen Bürgern aus und um Magdeburg sei es, der Umwelt und seinen Bewohnern etwas Gutes zu tun. „Es ist geplant, sowohl private als auch öffentliche Flächen zu bepflanzen. Auf größeren Flächen soll möglichst ein naturnaher und klimastabiler reicher Lebensraum entstehen“, erklärt Steffen Tilsch. Der Angestellte möchte ein Teil einer positiven Entwicklung sein, und nicht nur zusehen, was der Klimawandel und die Menschen mit dem Planeten machen.

Gründe Bäume zu pflanzen gebe es genügend: Sie sind Sauerstoffspender, CO2-Speicher, Lebensraum, Erhohlungsort und vieles mehr. „Magdeburg verliert langsam aber sicher sein Grün, wenn wir nicht gegensteuern. Dabei waren wir einmal Deutschlands zweit-grünste Stadt – aktuell findet sich Magdeburg nur noch auf Rang 70“, berichtet Stefan Tilsch.

Mehr Baumfällungen in Magdeburg

„Wir möchten der defizitären Entwicklung des Stadtgrüns in Magdeburg entgegenwirken“, erklärt Team-Kollege Hartwig Haase. Der 64-Jährige arbeitet an der Otto-von-Guericke-Universität und ist in mehreren Nachhaltigkeitsinitiativen aktiv. Gerade in den letzten Jahren seien in und um Magdeburg viele Tausend Bäume gefällt worden. Flächenversiegelungen durch Bauprojekte und das extreme Wetter der letzten Jahre haben dem Bestand arg zugesetzt. „Schädlinge wie der Asiatische Laubholzbockkäfer hatten es dann leicht, schon angeschlagene Bäume anzufallen, was zu weiteren Fällungen führte. Dabei sind Entscheidungen sehr drastisch für Investition und gegen Erhalt von Grün gefällt worden“, findet Hartwig Haase.

Aus Sicht der Initiative werde dem Eigenbetrieb Stadtgarten und Friedhöfe (SFM) durch die Stadt ein zu geringes Budget zugebilligt, um mehr Grün anzulegen und vor allem dann auch zu pflegen. „Selbst Auflagen für Ersatz- und Ausgleichspflanzungen werden aus Kapazitätsgründen, fehlende Ersatzflächen und Personal, nicht konsequent durchgeführt und kontrolliert“, so Hartwig Haase.

Dabei möchte die Initiative nicht allein nur Bäume pflanzen, sondern Stadtgrün ökologisch komplexer mit Gehölzen und Blühwiesen anlegen. „Dafür arbeiten wir mit den Initiativen Klimabonus e. V. und Bienenweide e. V. und regionalen Experten zusammen“, so Steffen Tilsch. Im Gegensatz zur städtischen Aktion „Mein Baum für Magdeburg“ wollen die Akteure große Flächen begrünen und keine einzelnen Alleen oder Baumscheiben.

Drei Euro für einen Baum

Bereits für drei Euro könne ein Baum gepflanzt werden, sind sich die Akteure sicher und verweisen auf die Zahlen der Dresdner Initiative. „Wir verwenden für private Flächen zwei- bis dreijährige Baumsetzlinge, die wir aus einer regionalen Baumschule beziehen“, so Steffen Tilsch.

Die Setzlinge werden im Durchschnitt 90 Cent kosten. Insgesamt circa 60 Prozent der Gelder gehen in das Pflanzmaterial und in die mit der Pflanzung verbundenen Kosten wie Bodenvorbereitung, Pflanzwerkzeuge, Flächenakquise, Pflanzplanung und Pflegekonzepte. „Höhere Kosten können entstehen, wenn die Flächen-eigentümer die Bepflanzung vorgeben und die Pflege von der Initiative übernommen werden muss“, erklärt Steffen Tilsch. Mittlerweile sammeln die Akteure über die Internetplattform Startnext Spenden für die ersten Bäume. Ihr Ziel: Für 5000 Euro in Rothensee auf einer Fläche von 8000 Quadratmetern Bäume zu pflanzen. Bereits 3675 Euro wurden gesammelt.

Hierfür wurden auch schon Gespräche mit der Stadt geführt. Der Stadtgartenbetrieb befindet sich derzeit in Abstimmungen mit den Akteuren und möchte die Aktion unterstützen, wie es aus dem Rathaus heißt. Gegenwärtig werden die Rahmenbedingungen für eine mögliche Pflanzaktion auf zwei angrenzenden Flächen an der Oebisfelder Straße geklärt. „Dort waren vor geraumer Zeit wegen des Asiatischen Laubholzbockkäfers größere Rodungen erforderlich. Konkrete Einzelheiten zur Pflanzung stehen derzeit noch nicht fest“, erklärt Rathaussprecher Michael Reif auf Volksstimme-Nachfrage.

Im November erste Pflanzungen in Magdeburg

„Ein Pilotprojekt für unsere Aktion“, wie Felix Bosdorf erzählt. Der 27-jährige Magdeburger gehört ebenfalls zum festen Kern der Kampagne „Otto pflanzt“. „Auf der städtischen Fläche werden wohl große und ältere Bäume mit entsprechenden Wurzelballen gepflanzt werden“, so Steffen Tilsch. Die Beteiligten hoffen, dass Mitte oder Ende November die ersten Bäume gepflanzt werden können und sich viele Magdeburger an der gemeinsamen Pflanzaktion beteiligen.

Bislang sind es Privatpersonen, die sich an der unabhängigen Initiative beteiligen und das Vorhaben finanziell unterstützen. „Wir würden uns freuen, wenn auch Firmen die Aktion unterstützen. Hier sind vor allem auch Magdeburger Unternehmen angesprochen, die ungenutzte Brach- und Randflächen begrünen wollen“, so die drei Akteure von „Otto pflanzt“. Vor allem seien Flächen gefragt, auf denen Wälder wachsen können.

Weitere Informationen auf der Internetseite www.ottopflanzt.de.