ÖPNV

Banges Warten an neuer Heumarkt-Ersatzhaltestelle in Magdeburg

Seit 31. Juli besteht am Magdeburger Heumarkt ein provisorischer Haltepunkt. Er wird von Anwohnern als Erleichterung begrüßt. Unklar bleibt indes die Lage ab dem 4. September.

Von Konstantin Kraft
Bis Anfang September hält die Straßenbahn 4 in Richtung Innenstadt auf der Anna-Ebert-Brücke.
Bis Anfang September hält die Straßenbahn 4 in Richtung Innenstadt auf der Anna-Ebert-Brücke. Foto: Konstantin Kraft

Magdeburg - Mit ihren stolzen 91 Jahren ist Thea Eichler noch immer täglich unterwegs. Sie wohnt am Heumarkt. Normalerweise nimmt sie die Bahn, um in die Stadt zu kommen. Nachdem die Heumarkt-Haltestelle wegen der fortschreitenden Bauarbeiten für den neuen Strombrückenzug seit Anfang Juli nicht mehr bedient werden kann, musste sie ersatzweise mit ihrem Rollator über die Anna-Ebert-Brücke bis zum „Zollhaus“ auf dem Werder laufen. Umso dankbarer zeigt sie sich deshalb, dass seit dem vergangenen Wochenende eine Ersatzhaltestelle angeboten wird. „Es ist eine große Erleichterung“, sagt sie.

Stadteinwärts hält die Linie 4 nunmehr auf der Anna-Ebert-Brücke und stadtauswärts am bereits vorhandenen Haltepunkt für die Nachtlinie in der Turmschanzenstraße. Herausforderung bleibt die tiefe Lücke zwischen dem Gehweg auf der Brücke und dem Einstieg zur Straßenbahn 4. An diesem Dienstagmorgen hilft ihr ein junger Mann beim Einstieg. Sie hatte zuvor freundlich gefragt. „Bis jetzt habe ich noch nie einen Korb bekommen“, sagt die emsige Seniorin und verabschiedet sich lächelnd.

Mit schweren Einkaufstüten in beiden Händen laufen zwei Anwohner vom neuen Haltepunkt in der Turmschanzenstraße nach Hause. Auch sie begrüßen den kürzeren Weg durch den neuen Haltepunkt. „Ich bin zufrieden, dass es jetzt da ist“, sagt die Frau. Vom Mann ist aber ein kritischer Nachsatz zu hören. Der Ersatzhalt hätte schon früher kommen können, meint er.

Gespräche zwischen MVB und Verwaltung

Die Volksstimme hatte über den Unmut von Senioren berichtet, die am Heumarkt wohnen und auf den ÖPNV angewiesen sind. Der Weg zum nächstgelegenen Haltepunkt am Zollhaus oder Am Cracauer Tor stellte vor allem für mobilitätseingeschränkte Personen ein erhebliches Hindernis dar. Nach einer Neubewertung der Situation, bei der auch statische Fragen berücksichtigt werden mussten, hatten sich die Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB) in enger Abstimmung mit der Stadtverwaltung dann letztlich doch dazu entschieden, vor Ort eine Ersatzhaltestelle einzurichten.

Gleichwohl ist deren Haltbarkeit begrenzt. Lediglich bis zum 3. September sollen an der Ersatzhaltestelle Bahnen stoppen. Grund: Mit der nächsten Sperrphase im Zuge des Brückenneubaus, die dann beginnt, kann die Straßenbahn 4 vorerst nicht mehr nach Cracau fahren. Sie wird dann genau wie die Linie 6 über den Nordbrückenzug umgeleitet und an der Messe enden. Die MVB wird dann zwischen Messegelände und Cracau einen Ersatzverkehr mit Bussen einrichten. „Dieser fährt in dichtem Takt, teilweise alle fünf Minuten“, heißt es von der MVB.

Für den Heumarkt und weitere Gebiete in der Cracauer Siedlung mit den Halten „Am Cracauer Tor“, „Mehringstraße“ sowie dem Werder mit dem „Zollhaus“-Stopp ergeben sich dadurch ganz neue Komplikationen. Die hiesigen Anwohner werden dann zeitweilig vollends vom ÖPNV mit Straßenbahnen abgeschnitten. Aktuell wird deshalb nach einer Lösung gesucht. MVB und Stadtverwaltung befinden sich dazu in Gesprächen. Dem Vernehmen nach wird dabei wohl auch der Einsatz eines Shuttle-Busses geprüft.

Ab Mitte Dezember soll die Linie 4 dann wieder nach Cracau fahren können, über die dann neu gestaltete Heumarkt-Trasse.

Um einen sicheren Übergang zum Ersatzhalt zu gewährleisten, ist an der Brücke eine barrierefreie Querung mit Ampel eingerichtet worden.
Um einen sicheren Übergang zum Ersatzhalt zu gewährleisten, ist an der Brücke eine barrierefreie Querung mit Ampel eingerichtet worden.
Foto: Konstantin Kraft