Magdeburg l Als die Sanierung des Barleber Sees kürzlich offiziell für beendet erklärt wurde, nutzte Oberbürgermeister Lutz Trümper die Gelegenheit für eine Bootsfahrt über das nun wieder glasklare Wasser. Dabei zeigten die Gewässerexperten dem Stadtoberhaupt auch ein großes Metallrohr, dessen Existenz bislang unbekannt war und dessen Herkunft ebenso unklar ist. Daran hat sich auch nichts geändert, wie eine Volksstimme-Anfrage bei der Stadtverwaltung ergibt.

„Wann und zu welchem Zweck es eingebaut wurde, ist nicht bekannt. Ebenso ist nicht bekannt, wer es verlegt hat“, teilt Rathaussprecherin Kerstin Kinszorra mit. Professor Olaf Mietz, der die Sanierung des blaualgengeplagten Badesees geplant und begleitet hatte, sowie Dr. Karsten Rinke vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung hatten beide vermutet, dass das Rohr Ursprung des stark gestiegenen Phosphorgehalts des Wassers gewesen sein könnte.

Denn trotz aller Forschungen zur Ursache konnte bislang nicht festgestellt werden, warum sich die Wasserqualität des Barleber Sees seit drei Jahren in diesem Maße verschlechtert hatte. Deshalb sollte das Rohr genauer untersucht werden. So sollte u. a. auch ein Taucher zum Einsatz kommen.

50 Meter weit in den See

Laut Kerstin Kinszorra ist das aber nicht passiert. „Es wurde eine Sichtkontrolle durchgeführt, die darauf schließen lässt, dass dieses Rohr in die jetzt trockenliegende Schrote führt“, sagt sie. Diese verläuft hinter der westlichen Uferböschung. Und wie weit reicht es in den See? „Ohne es vermessen zu haben, gehen wir von circa 50 Metern aus“, erklärt sie weiter.

Weitere Nachforschungen zu dem Rohr seien nicht geplant. Allerdings wolle die Stadtverwaltung weiterhin das Grundwasser überwachen und in Zusammenarbeit mit der bereits jetzt vorhandenen wissenschaftlichen Begleitung das Seewasser kontrollieren, teilt die Stadtsprecherin weiter mit.

Was mit dem fraglichen Rohr sowie zwei weiteren bereits bekannten Rohren in der Nähe passiert, werde derzeit noch abgestimmt, so Kerstin Kinszorra. Nach Volksstimme-Informationen könnten sie so gekappt und versiegelt werden, dass sie bei Bedarf wieder genutzt werden können.

Nach dem Bericht über das Rohr im Barleber See hatte sich Hobbytaucher Uwe Genthe in der Redaktion gemeldet. „Das Rohr, das Sie da beschreiben, ist sicher nicht unbekannt“, erklärte er. Generationen von Sporttauchern seien dort schon gewesen.

Alte „Pendelleitung“?

„Wahrscheinlich handelt es sich dabei um ein Teil, mit dem in den 1960er/70er Jahren schon mal eine Teil-Seesanierung durchgeführt wurde. Mir sind die Rohre als ‚Pendelleitung‘ bekannt, mit der wohl Wasser vom Grund abgesaugt wurde“, erläutert er. Das hatten die Experten auch zum Zweck der beiden bekannten Rohre erklärt. Im Gegensatz zu diesen gebe es zum dritten Rohr allerdings keine entsprechenden Unterlagen, wie sie weiter sagten.

Auch der 87-jährige Alfred Meiner meint, dass das Rohr zum Absaugen von Wasser vom Grund des Sees diente. „In den 1970er Jahren war ich mit dabei, als das Rohr verlängert worden ist, damit es tiefer in den See hineinragt“, so der Berufstaucher, der damals für das Wasserstraßenbauamt Magdeburg arbeitete.