Magdeburg l Aus der Lauflust ist Frust geworden, aus Begeisterung viel Aufwand. Die Organisatoren des Elbe-Brücken-Laufs (EBL), die Magdeburger Laufkultur (MLK) 08, sagen den Volkslauf für 2020 ab und lassen dessen Zukunft offen. Der Lauf ist mit knapp 2000 Teilnehmern nach dem Magdeburg-Marathon (5000 Läufer) der zweitgrößte Volkslauf der Stadt und steht nun nach 17 Jahren vor dem Aus.

Die Gründe sind vielfältig, so Heiko Björn von der MLK. „Seit Jahren erschweren die vielen Bauarbeiten in der Stadt die Planungen für den Streckenverlauf. Dadurch konnten wir immer weniger Brücken integrieren und dem Namen ‚Elbe-Brücken-Lauf‘ eigentlich nicht mehr gerecht werden, da im Wesentlichen nur die Sternbrücke zuletzt von einem Großteil der Läufer passiert wurde.“ Der Durchgang an der Anna-Ebert-Brücke kann seit Jahren nicht genutzt werden, damit fehlt ein Eingang im Norden des Stadtparks.

Kleiner Kreis an Machern

Gleichzeitig steigen der bürokratische Aufwand und die Auflagen der Stadt. So sei mittlerweile unter anderem ein umfangreiches Sicherheitskonzept zu erbringen und die Finanzierung offenzulegen. „Da wir nur ein kleiner Kreis sind und den Lauf ehrenamtlich auf die Beine stellen, ist dieser Aufwand nicht mehr machbar“, so Björn, der mit seiner Frau Sabine sowie Petra Schultz den harten Organisatorenkern bildet. Zudem habe man den Eindruck, dass es für die Veranstaltung vonseiten der Stadt nur wenig Wertschätzung gebe. „Man hat die Bedeutung des Laufs nicht erkannt. Zum einen bringt er Menschen in Bewegung, zum anderen belebt er die Stadt: Eine Vielzahl von Teilnehmern kommt extra in die Stadt, um beim EBL mitzumachen“, hebt Petra Schultz hervor. In Tangermünde (Altmark) haben die Verantwortlichen der Stadt den touristischen Nutzen des Elbdeich-Marathons, der ebenfalls im Frühjahr 2000 Läufer mobilisiert, erkannt und sichern Unterstützung zu. Schultz: „Der Verein des Elbdeich-Marathons kann sich auf das Sportliche konzentrieren, die Stadt übernimmt die Sperrungen und Sicherheitsvorkehrungen.“

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Dass in diesem Jahr eine Vielzahl von Läufern aufgrund der hohen Temperaturen am Lauftag buchstäblich abgeklappt ist, stimmte die Macher nachdenklich und setzte einen Denkprozess in Gang. „Den eigenen Ansprüchen an die Qualität des Laufs können wir nicht mehr gerecht werden, dazu bedarf es eines steten Partners, der die Vorbereitungen und den Ablauf mit begleitet. Den gibt es aber nicht“, so Björn. Insgesamt fehlt es an langjährigen Partnern, obwohl die Laufszene seit Jahren wächst.

Ein Knackpunkt ist zudem die Absicherung der Großveranstaltung: Helfer zu finden ist ebenso schwer, wie Sponsoren zu gewinnen. Da die Mitgliederzahl der MLK zu klein ist, um die benötige Anzahl an Streckenposten aus dem eigenen Kreis stemmen zu können, wurden in den vergangenen Jahren Gymnasiasten „eingekauft“: Für ihren Einsatz füllten die Organisatoren deren Klassenkassen etwa für Abifeiern auf. „Ihnen möchten wir so viel Verantwortung nicht mehr zumuten, der Lauf ist zu groß geworden“, sagt Heiko Björn.

Start als Uniprojekt

Daniela Düring bedauert die Entscheidung der Organisatoren, kann sie aber nachvollziehen: „Der Lauf ist eine Herzensangelegenheit. Aber ich weiß, wie sehr das kleine Team eingespannt ist – und zwar schon Monate vor dem Lauf.“ Daniela Düring ist Mitinitiatorin des Laufes, der 2003 von Studentinnen des Studiengangs „Cultural Engineering“ als Projekt aus der Taufe gehoben wurde und bis heute als Helferin dabei. Die Teilnehmer sollten sich sportlich betätigen und gleichzeitig die Stadt kennenlernen, so das Ziel bei der Premiere. Die lief mit 274 Finishern (Läufer, die das Ziel erreichen) so gut, dass es eine Fortsetzung geben sollte. Da die beteiligten Studenten irgendwann die Stadt verließen, übernahm 2008 die Magdeburger Laufkultur die Organisation. 2012 wurde erstmals die 1000-Finisher-Marke geknackt.

Der Elbe-Brücken-Lauf läutet traditionell die Magdeburger Stadtrangliste ein, er ist der erste Lauf der insgesamt acht Läufe umfassenden stadtweiten Laufserie. Die MLK ist dabei auch für den Silvesterlauf (als Finale der Laufserie) verantwortlich und organisiert zudem den Osterlauf im Stadtpark. Beide Läufe stehen aber nicht zur Disposition, betont Heiko Björn. Anders der Kanal-Ultra in Wolmirstedt. Dessen Kapitel hat die MLK mit seiner 10. Ausgabe vor zwei Wochen für beendet erklärt.

Zwar gibt es Interesse innerhalb der Stadtrangliste, den Elbe-Brücken-Lauf zu retten. Konkrete Ideen gibt es bislang keine. „Einen Lauf im Mai kann gern jemand übernehmen – dann aber unter anderem Namen“, sind sich die Macher der Magdeburger Laufkultur einig.