Magdeburg l Ihrer Zeit in einer gewissen Weise voraus sind das Bürgerensemble des Theaters Magdeburg und der Förderverein der Schriftsteller: Alle Welt begeht derzeit das Jubiläum 100 Jahre Bauhaus. Das Bauhaus wurde im Jahr 1919 in Weimar gegründet und steht als Symbol für die Moderne.

In der szenischen Lesung, die am 2. März 2019 im und am vor dem Katharinenturm aufgebauten Taut-Kiosk die Passanten anlockte, ging es nämlich nicht allein um Geschichte, es ging auch um Gegenwart. Und es ging um die Zukunft: Was wird die Moderne und die technische und gesellschaftliche Vorwärtsgewandtheit, für die diese steht, für die Menschen im Jahr 2119 ausmachen? Was also gibt es über 200 Jahre Bauhaus zu sagen?

Flat-Sharing als These für die Zukunft

Die These der vier Akteure des Nachmittags auf dem Breiten Weg in Magdeburg: Die Menschen werden weniger auf Besitz setzen. Und sie leben im Flat-Sharing. Will heißen: Man zieht immer wieder in andere Wohnungen ein, legt sich nicht mehr fest auf einen Wohnstandort auf Jahre oder gar Jahrzehnte. Von der Begeisterung, mal vier Wochen am Meer zu wohnen ist die Rede. Und davon, dass alte Häuser abgerissen werden, weil es immer weniger Menschen gibt, die in immobilen Wohnungen leben möchten.

Wäre dies revolutionär? Eine Antwort gibt das Bürger­ensemble darauf nicht. Wohl aber darauf, dass die Moderne zu Beginn eine Revolution bedeutete. Im Falle des tautschen Kiosks bedeutet das nämlich, die Menschen vom Grau zu lösen. Feldgrau, Industriegrau und Schmutzgrau zu beerdigen und sich den kräftigen Farben zuzuwenden. Zu fühlen, was Blau und Grün bedeuten. Die vier Mitglieder des Bürgerensembles zeigten in dem gemeinsam mit Manuel Czerny erarbeiteten Stück auch, wie schwer es vielen fiel, die gewohnten Farben aufzugeben.

Mit der scheinbar melancholischen Erkenntnis, dass alles, was nicht braun ist, nicht normal sei und verschwinden müsse, tritt Bruno Taut ab, und das Bürgerensemble deutet nur knapp die weitere Entwicklung der Stadt an. Im Hier und Jetzt jedenfalls fragen sich die vier Akteure: Was würde Bruno Taut aus der Aerosol-Arena machen? Würde er den im Bau befindlichen Tunnel am Hauptbahnhof auch knallbunt anmalen? Antworten geben die vier nur bedingt, denn gefragt sind auch die Ideen der Zuschauer.

Vier Akteure auf der Bühne

Auf der Bühne, zu der der Breite Weg an dieser Stelle geworden war, standen Marika Senger, Anne Denecke, Antje Drux und Herbert Beesten. Auf der Buchmesse wird Magdeburg das Thema Bauhaus erneut aufnehmen. Und auch beim Wobau-Fest am Beimsplatz im Mai soll der Kiosk wieder dabei sein.