Magdeburg l Nun also doch: Die neun nachgepflanzten Kirschbäume in der Allee am Holzweg gehören einer anderen Art an. Weil diese früher blühen als die Bestandsbäume, könnte dadurch das wohl beliebteste Fotomotiv Magdeburgs neben dem Dom beeinträchtigt werden. Deshalb soll es nun „Nachbesserungen“ geben.

Ein Volksstimme-Leser hatte die nachgepflanzten Bäume in der Zierkirschenallee als mögliche Fehlpflanzung ausgemacht. Auf Anfrage hieß es aber zunächst von der Stadtverwaltung, dass es zwar in der Tat andere Kirschbäume wären, es aber keine optischen Unterschiede zu der alten Art geben würde.

Dies wiederum hatte Volksstimme-Leser Sebastian Wilke, seit 20 Jahren beruflich in Pflanzenkunde bewandert, auf den Plan gerufen. „Diese Erklärung wirkt dubios: Die neue Art wächst nicht nur anders, sie blüht auch früher. Dazu treibt sie auch früher grüne Blätter, was wahrscheinlich den Gesamteindruck der Allee am meisten beeinträchtigt. Denn war zuvor das Besondere der Allee die durchgängige rosa Wolke von 250 Metern, wird diese zukünftig von einzelnen grünen Bäumen unterbrochen“, erklärt er.

Gesamteindruck wird beschädigt

Und weiter: „Hätte ich mich an der Aktion ‚Mein Baum für Magdeburg‘ beteiligt, würde es mich maßlos ärgern, wenn mit meiner Spende der Gesamteindruck dieser mittlerweile überregional bekannten Allee beschädigt wird.“

Die Volksstimme konfrontierte die Verwaltung mit den Aussagen des fachkundigen Lesers. Und siehe da: Nach nochmaliger Bewertung werden Fehler eingeräumt. „Weil die Bergkirsche eine andere Gestalt als die Japanische Zierkirsche aufweist, verändert sie leider auch den bisherigen Allee-Charakter“, erklärt Rathaussprecher Michael Reif.

Mit Blick auf die Attraktivität „der wohl berühmtesten Kirschbaumallee Magdeburgs“ habe sich deshalb der Stadtgartenbetrieb „nach intensiver Diskussion“ dazu entschieden, „Nachbesserungen“ vorzunehmen. „Wie diese konkret aussehen werden, steht noch nicht fest und hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, die derzeit geprüft werden“, sagt der Stadtsprecher. Eine abschließende Antwort müsse er deshalb vorerst schuldig bleiben.

Immer wieder Ausfälle

Die Zierkirschenallee im Holzweg wurde Anfang der 1990er Jahre angelegt und ist somit 20 bis 25 Jahre alt. „Bereits in dieser relativ kurzen Zeit kam es in der Allee immer wieder zu Ausfällen“, erklärt Michael Reif. Nach und nach sollte deshalb der Baumbestand von der Nelkenkirsche zur Bergkirsche wechseln, um die Pflege zu erleichtern.

Die unterschiedlichen Zeiten der Blüte und des Blattaustriebs seien dabei allerdings sehr wohl berücksichtigt worden, betont er. Beides sei witterungsabhängig. „Man kann also nicht pauschal sagen, dass die Scharlachkirsche früher ihre Blätter ausbildet als die Nelkenkirsche“, meint Michael Reif. Dennoch erfolgte nun das Umschwenken der Stadtgärtner auf dem Holzweg.