Neue Neustadt l Wie erfolgreich ist der Zoo Magdeburg? Jahr für Jahr stellt sich diese Frage vor dem Finanzausschuss der Landeshauptstadt. Der Grund: Trotz hoher Besucherzahlen ist die Einrichtung im Norden der Landeshauptstadt ein Zuschussgeschäft. Und CDU-Stadtrat und Ausschussvorsitzender Reinhard Stern hatte dieses Mal auch die zweite Großstadt Sachsen-Anhalts Halle im Blick.

 Warum es im dortigen Bergzoo Jahr für Jahr mehr Besucher als im Magdeburger Zoo gebe, wollte er wissen: In der landeshauptstädtischen Einrichtung hatte es im Jahr 2017 noch 378.746, ein Jahr später 334.934 Besucher gegeben. Der Bergzoo Halle hat hingegen für das Jahr 2018 eine Besucherzahl von 472.117 vermeldet – so viele wie nie zuvor. Und das, obwohl beide Zoos vor einigen Jahren noch mit ähnlichen Zahlen agiert haben: Im Jahr 2010 werden für Magdeburg 246.660 Zoobesucher angegeben, für Halle 260.000.

Investitionen in die Attraktivität

Die Frage des Stadtrats ist auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass in den Magdeburger Zoo unter anderem mit dem Africambo 2 erheblich investiert wurde und die Attraktivität mit neuen Anlagen erhöht wurde. Africambo 2 hatte den Zoo rund 7,5 Millionen Euro gekostet.

Zudem sind weitere Investitionen geplant. Dabei geht es noch nicht einmal um ein Aquarium, das dem Zoo angegliedert werden könnte. Es geht zunächst um die Neugestaltung des nordwestlichen Bereichs des Zoos, wo die Entwicklung von Haus- und Nutztieren deutlich gemacht werden soll – unter anderem mit dem Blick auf Tiere, bei denen dies geschehen ist, und auf solche, bei denen ein solcher Schritt ausblieb. Rund 8,8 Millionen Euro sollen in die Umgestaltung dieses Teils des Magdeburger Zoos fließen.

Kein Vergleich möglich

Auf die Frage von Reinhard Stern antwortete Dirk Wilke. Er ist Prokurist und stellvertretender Zoodirektor und wies darauf hin, dass es eine statistische Diskrepanz gebe. Sprich: Man könne die Besucherzahlen in Halle und in Magdeburg nicht vergleichen.

Knackpunkt seien die Jahreskarten. Diese werden in einigen anderen Zoos nämlich nach wie vor auf 20 Besucher hochgerechnet, während im Magdeburger Zoo am Eingang genau gemessen werde, wie viele zahlende Besucher den Einlass in der Zoowelle im Vogelgesangpark passieren.

Zoobesucher geben in Magdeburg mehr Geld aus

Ein Indiz dafür, dass im Magdeburger Zoo die Zahlen näher an der Realität als im Hallenser Bergzoo sind, sind die Gelder, die die Besucher ausgeben. Hier kommt nämlich Magdeburg auf einen deutlich höheren Pro-Kopf-Umsatz. Falls dies nicht in einer exakteren Zahl der Besucher begründet wäre, müsste dem Hallenser Zoo unterstellt werden, nur deutlich weniger attraktive Angebote zum Beispiel im Zoo-Shop zu unterbreiten.

Zoodirektor Kai Perret hatte während der Zusammenkunft des Finanzausschusses auch darauf verwiesen, dass mit Veranstaltungen wie den Magischen Lichterwelten im Bergzoo Halle sehr viele Besucher angelockt werden können. Auf der anderen Seite kosten Veranstaltungen wie diese viel Geld, das ab einem gewissen Aufwand bei der Vorbereitung einer Veranstaltung kaum durch gesteigerte Einnahmen aus den Eintrittsgeldern von mehr Besuchern wieder eingespielt werden könne. Sprich: Es sei keineswegs sicher, dass durch ein Besucherplus Mittel gewonnen werden, die in die zoologische Arbeit in Sachen Tierhaltung, Zucht und Art­erhalt oder in die Steigerung der Attraktivität für die Besucher investiert werden könnten.