Magdeburg l Raimund Witte und sein Kollegium haben der Stadt Magdeburg ein bisschen Arbeit abgenommen. Als erster Leiter einer kommunalen Schule ab Klasse 5 ließ der Schulleiter des Albert-Einstein-Gymnasiums alle Eltern von Schülern der Klasse 5 und 6 nach dem Hortbedarf für ihre Kinder befragen.

Und siehe da: Immerhin 29 Familien hoben sozusagen den Finger (bzw. fixierten den Bedarf schriftlich), was der Schulleiter umgehend an die Stadt Magdeburg weitermeldete. „Diese prüft zurzeit alle Möglichkeiten, an unserer Schule einen Hort einzurichten. Ich hoffe sehr, dass es gelingt“, sagt der Schulleiter.

Kinder sollen auf nahen Hort ausweichen

Nach Auskunft von Rathaussprecher Michael Reif zeichnet sich eine Lösung ab, die allerdings an der Einrichtung eines eigenen Schulhortes (noch?) vorbeizielt. „Für das Albert-Einstein-Gymnasium wurde diese sehr kurzfristige Anfrage durch Gewinnung eines Trägers mit Hortbetrieb in der Nähe auf den Weg gebracht. Die räumlichen Voraussetzungen der Schule müssen eine Betreuung möglich machen. Für die kleine Anzahl an Kindern wäre eine Schaffung eines eigenen Hortes ausschließlich für das Gymnasium nicht realisierbar gewesen“, so Reif.

Auf Nachfrage stellt Reif immerhin klar, dass der externe Hortträger die Hortkinder vor Ort im Einsteingymnasium betreuen solle und die Kinder nicht täglich zum Hort an eine benachbarte Grundschule pendeln müssten. Allerdings sei vor Eröffnung der Hort-Außenstelle noch ein Ratsbeschluss nötig. Mit deren Einrichtung wäre das zwischen Neustädter Feld und Neu-Olvenstedt gelegene Einsteingymnasium die erste kommunale Schule in Magdeburg, die einen Hort für Schüler ab Klasse 5 vorweisen kann.

Stadt Magdeburg sah keinen Hortbedarf

Bisher hatte die Stadt Magdeburg einen Bedarf als nicht vorhanden quasi unterstellt bzw. auf die Schulen verwiesen, die bisher keinen solchen angemeldet hätten. Im August 2017 machte das Norbertusgymnasium (katholische Trägerschaft) den Anfang und eröffnete einen eigenen Hort. Stadt und Land haben die Pflicht zur Mitfinanzierung von Raum und Personal. Der Hort (55 Plätze) ist rappelvoll. Das Internationale Stiftungsgymnasium (evangelische Trägerschaft), das zum Schuljahresstart in der Vorwoche in der Agnetenstraße eröffnete, ging erst gar nicht ohne Hort an den Start.

Leiter kommunaler Schulen brauchen Mut, offiziell den Hortbedarf in der Elternschaft abzufragen. Sie verfügen – wie auch Einstein – zum Zeitpunkt ja über gar keinen und sind voll belegt – kein Hortraum frei. Der Stadtelternrat hat angeregt, dass die Stadt Aufklärung und Befragung selbst übernimmt. Jedes Jahr müssen die Eltern aller Magdeburger Viertklässler Wünsche zur Schullaufbahn ab Klasse 5 abgeben. Im Zusammenhang wäre ein Hortbedarf schnell und aussagekräftig ermittelt. Auf Nachfrage sagt Rathaussprecher Reif: „Nein, eine Bedarfsanalyse für das kommende Schuljahr ist nicht geplant.“