Magdeburg l Was für Grundschüler in Klasse 1 bis 4 Normalität ist, geht jenen Schulen, in welche die Kinder ab Klasse 5 wechseln, fast vollständig ab. Nur eine weiterführende Schule in Magdeburg, das Norbertusgymnasium, hat einen Schulhort.

Ein zweites Haus in freier Trägerschaft, das neue Stiftungsgymnasium, will mit seiner Eröffnung zum kommenden Schuljahr 2018/19 nachziehen. Während der Hort bei „Norbertus“ seit Eröffnung und bis heute eine Warteliste führt, bietet keine kommunale Schule ab Klasse 5 einen Hort an.

Bedarf an Schulhort nie abgefragt

„Wir hatten das bisher nicht auf dem Schirm und haben den Bedarf bei den Eltern nie abgefragt“, sagt Raimund Witte, Schulleiter am Olvenstedter Einsteingymnasium. Man sei davon ausgegangen, dass kein Bedarf bestehe. Das sei, zum Beispiel mit Blick auf die Erfahrungen im Nobertusgymnasium, möglicherweise falsch.

Witte will Nägel mit Köpfen machen und die anstehenden Elternversammlungen der künftigen 5. Klassen für eine verlässliche Bedarfsabfrage nutzen. Zwar verfüge seine Schule über keinerlei Platzreserven zur Einrichtung eines Hortes, „aber der Rechtsanspruch besteht nun einmal und dazu müssen wir uns bekennen“, so Witte. Gehe der Bedarf über Einzelfälle hinaus, sei die Stadt Magdeburg in der Pflicht, Abhilfe – eben auch räumliche – zu schaffen.

Vereinzelte Nachfrage nach Schulhort

Anders als bei „Einsteins“ ist eine solche Abfrage am Siemensgymnasium bisher nicht geplant, sagt dessen Leiter Frank Skroblien, hält sie aber für eine gute Idee. „Es gibt vereinzelte Anfragen von Eltern und es gibt auch Schüler, die am Nachmittag längere Zeit ohne Betreuung auf ihre Abholung warten.“

Bereits im März 2018 hatte die Stadtverwaltung Magdeburg selbst 20 weiterführende Schulen in Magdeburg angeschrieben und diese um eine Angabe zum Hortbedarf gebeten. Basis war eine Ratsinitiative der Linken, die eine Prüfung forderte und im Bedarfsfall die zügige Einrichtung von Horten. Die Botschaft: kein Bedarf.

Abfrage war zeitlich kaum möglich

Dieses Ergebnis will weder die Linke im Rat noch der Stadtelternrat hinnehmen. „Die Schulleiter wurden angeschrieben und mussten binnen Tagen antworten“, sagt Stadtelternratschef Tim Liebe. Eine Abfrage der Eltern vor allem künftiger Schüler sei so gar nicht möglich gewesen.

Viele Eltern hätten bisher keinen Hortplatz beim Übergang in Klasse 5 beantragt, weil sie a) nicht über die Rechtslage aufgeklärt seien und b) in den Schulen bisher mit der Aussage abgewiesen wurden: Hort? Haben wir nicht. Einzelfalllösungen, dass ältere Schüler Grundschulhorte der Nachbarschaft besuchen, hält Liebe für abschreckend.

Eltern als Einzelkämpfer

„Mit Beginn des 2. Halbjahres der 4. Klasse müssen alle Eltern für ihre Kinder eine Schullaufbahnerklärung mit Wunschschulen abgeben. Bei dieser Gelegenheit sollten alle Eltern von Viertklässlern auch nach dem Bedarf an Hortbetreuung ab Klasse 5 gefragt werden“, fordert Liebe eine Herangehensweise, die verhindert, dass Eltern zu Einzelkämpfern werden, wenn es um die Erfüllung von Rechtsansprüchen geht.

Räumlich sind die Magdeburger Schulen denkbar schlecht für die Einrichtung von Horten gerüstet. An der Rechtslage ändert das nichts. Eltern können den Hortplatz bis Klasse 6 einfordern.