Magdeburg/Zerbst l Mit Figuren aus Knete fing alles an. Da war Yaroslaw Borodin noch ein kleines Kind. Später stibitzte er aus der Tasche seiner Mutter Nagellack, bemalte seine Figuren damit und verkaufte sie an seine Klassenkameraden. "Das war das erste Geld, das ich verdient habe", erzählt er schmunzelnd. Inzwischen lebt er in Zerbst, arbeitet in Magdeburg und stellt seine Werke in der Galerie Fabra Ars im Hundertwasserhaus aus. Der kleine Prinz aus der weltberühmten Geschichte von Antoine de Saint-Exupéry sitzt dort in Bronze gegossen neben größeren Figuren aus Ton und nicht zuletzt der Boxhand von Robert Stieglitz.

Tradition im Einklang mit der Moderne

Borodin versteht sich darauf, Figuren zu formen, prägt sich Muskelpartien, Proportionen und alles weitere schnell ein. Kein Wunder: Schließlich wurde er an der Gesamtrussischen Ilja-Glasunow-Hochschule für Malerei, Bildhauerei und Architektur dafür ausgebildet. Borodin gehört zu den Künstlern, die sich dabei gleichermaßen auf das Erbe der großen Meister stützen und Traditionen der realistischen Kunst bewahren wie darauf, ihre Werke im Einklang mit der Moderne zu gestalten.

Borodins Talent entdeckte eine Lehrerin an der Kunstschule seines Heimatdorfes Kuban, die ihm auch sein erstes Fachbuch schenkte. Nach Abschluss der Hochschule wurde er eingeladen, dort zu unterrichten. Trotz seines jungen Alters von 32 Jahren realisierte Borodin schon zwölf Denkmal-Projekte und ist Preisträger zahlreicher Ausschreibungen und Wettbewerbe. In Russland hätte er wohl weitere Denkmalprojekte umsetzen können. Doch Borodin wollte mehr, sich kreativer ausleben. Darum kam er nach Deutschland.

Wie eine Skulptur entsteht? Wenn er nach einem Modell formt, dann ist es eher ein Ab- oder Nachbilden. Doch wenn er sich völlig freien Raum lässt, dann modelliert Borodin zunächst nach etwas, das aus dem Unterbewusstsein kommt, ein Gefühl, das er in Formen umwandelt. Sein nächstes Ziel: eine größere Einzelausstellung. "Und Deutsch lernen", sagt er schmunzelnd.

Junger Künstler sollte lieber Klavier spielen

Vor einigen Jahren lernte er den Boxer Robert Stieglitz kennen. "Ich habe selbst auch einmal geboxt", erzählt Borodin, "doch meine Mutter fand das nicht gut, ich sollte lieber zum Klavierunterricht gehen." Die Faszination für den Boxsport ist jedoch geblieben. Und wenn er auch nicht selbst die Fäuste schwingt, so verewigt er sie doch in Bronze. In Robert Stieglitz fand er das perfekte Modell - und einen guten Freund, der sich umso mehr über die Bronzeskulptur freut, da sie sein Freund Borodin gemacht hat. Sich in Bronze gegossen zu sehen, sei ein tolles Gefühl, sagt Stieglitz, der inzwischen als Profitrainer arbeitet und eine Boxschule eröffnet hat. Die Skulptur erinnere ihn immer wieder daran, dass er als Europa- und Weltmeister mal ganz oben gestanden habe.

In einer Preview für geladene Gäste sind neben den Skulpturen auch einige Gürtel, Fotos und andere Erinnerungsstücke aus Stieglitz' Boxerkarriere zu sehen. Für alle anderen werden die Skulpturen von Borodin in einer kombinierten Ausstellung mit Gemälden des Künstlers Robert Hettich gezeigt. Dessen Ausstellung "Volume up" wird am Freitag, 5. April, um 18??Uhr in der Galerie Fabra Ars eröffnet.