Magdeburg l Volle Klassen und zu wenig Personal bei wachsendem Förderbedarf – an vielen Magdeburger Grundschulen stauen sich die Probleme. Die neue Umverteilung der Abc-Schützen ab 2018 soll zumindest Überfüllung von Schulen abwenden.

Schülerzahl wächst

Die Zahl der Abc-Schützen in Magdeburg steigt. Für das kommende Schuljahr sind 2017 Kinder angemeldet. Im August 2018 werden nach heutigem Anmeldestand 2144 Magdeburger eingeschult; Trend weiter wachsend. Schulneu- und -anbauten sind in Planung, dennoch: Die Klassenstärken überschreiten schon heute und wohl auch mittelfristig das aus den vergangenen Jahrzehnten gewohnte Maß von unter 20 Schülern. Die Stadtverwaltung muss auf Ratsbeschluss künftig sicherstellen, dass im Durchschnitt nicht mehr als 22 Einschüler (Landesempfehlung) in einer Grundschulklasse sitzen. Für den Einschülerjahrgang 2018/19 sollte das erstmals ein neuer rechnergestützter Verteilmodus richten, doch der Rechner stellte sich erst mal quer. Der Bildungsbeigeordnete Matthias Puhle räumte Probleme ein.

Im März – Eltern mussten ihre Einschüler 2018 eigentlich schon in der Schule ihres Einzugsbereichs angemeldet haben – legte die Verwaltung dem Stadtrat die Grundschulbezirke 2018 zum Ad-hoc-Beschluss vor. Der Rat bat sich Bedenkzeit aus. Der Beschluss ist nun am 20. April geplant.

Viele Klassen bleiben voll

Fakt: An 20 von 31 Grundschulstandorten wird die Zielmarke 22 Schüler pro Klasse laut Verwaltungsprognose trotz der ganzen Rechnerei überschritten, so in der Schmeilstraße und Am Hopfengarten (je 25 Schüler pro Klasse) sowie in Rothensee (26). Noch nicht in die Rechnung einbezogen sind sogenannte „Verweiler“ aus oberen Klassenstufen, die gleich zu Schulbeginn eine Extrarunde drehen und die Klassen weiter auffüllen könnten. Die Unterkante markiert die Grundschule Westerhüsen, für die 2018 nur 13 Einschüler erwartet werden, in Diesdorf sind es 15, Am Vogelgesang 19 – Ausnahmeerscheinungen.

„Hellgrün“, signalisiert der Bildungsausschuss-Vorsitzende Bernd Heynemann Zustimmung für seine Fraktion CDU/FDP/BfM und schiebt leicht gequält nach: „Was sollen wir sonst tun?“ Der Ausschuss tagt erst am 19. April, dem Tag vor der Ratssitzung, zur Sache. Heynemann ahnt, dass im Einzelfall Ärger mit Eltern droht. Immerhin werden 20 Prozent der Einschüler 2018, das sind rund 430 Kinder, einem neuen Schulbezirk zugeordnet. Die Satzung listet die Verteilung Straßenzug für Straßenzug auf 34 Seiten auf.

Elternkritik

Letzteres ist ein Problem für Detlef Hubold. Der Vorsitzende des Stadtelternrates räumt ein, dass sich sein Gremium außer Stande sehe, das Beschlusspapier zu bewerten und urteilt: „Das ist unterklassig, völlig unübersichtlich.“ Der Stadtelternrat bemängelt fehlende Transparenz und Mitsprache von Eltern bei der Schülerumverteilung. „Zumal sich die nun jährlich ändern soll.“ Die neue Schulbezirkssatzung hat nur für 2018/19 Bestand. Für die Folgeschuljahre wird neu gerechnet und umverteilt. Zumindest, das würdigt Ausschusschef Heynemann, soll die Geschwisterregelung Bestand haben – wo ein Kind zur Schule geht, sollen Bruder oder Schwester nachrücken dürfen.

„Auf jeden Fall wollen wir gesichert wissen, dass die Zuweisung der Schüler zu einer Schule vier Jahre Bestand hat“, sagt Heynemann. Heißt: „Wer in Schule A eingeschult wird, soll nicht noch in Schule B wechseln, sondern die ganze Grundschulzeit bleiben.“

Den Personalmangel kann die Stadt nicht bekämpfen – dafür trägt das Land die Verantwortung. Sowohl Stadträte als auch Eltern sind zutiefst besorgt. Stadtelternratschef Hubold sagt: „Wir haben jahrelang vor dieser Situation gewarnt, aber man hat uns nicht mal richtig angehört.“

Zum Adressverzeichnis der Schulbezirkszuordnung geht es hier.