Verdacht auf Brandstiftung

Brandruine im Magdeburger Stadtpark hatte historischen Wert

Um 1900 war in dem niedergebrannten Fachwerkbau am Kleinen Stadtmarsch in Magdeburg ein Café untergebracht. Denkmalpfleger sollten über den Schutzstatus befinden.

Von Konstantin Kraft
Als die Feuerwehr eintraf, schlugen die Flammen bereits aus allen Fenstern. Das alte Haus war nicht mehr zu retten.
Als die Feuerwehr eintraf, schlugen die Flammen bereits aus allen Fenstern. Das alte Haus war nicht mehr zu retten. Foto: Konstantin Kraft

Magdeburg

Noch Tage später liegt ein stechender Brandgeruch in der Luft. Die vom Feuer versehrten Bretter glänzen schwarz. Überreste eines Fachwerkbaus sind zu erkennen. Dieser wäre vielleicht sogar als Denkmal infrage gekommen. Die Polizei ermittelt zum Verdacht der Brandstiftung.

Feuer zerstört Haus vollständig

Es war doch mehr als eine bloße Bruchbude, die da in der vergangenen Woche am Kleinen Stadtmarsch auf der Rotehorninsel niederbrannte. Wiewohl das leerstehende Gebäude über Jahre hinweg zum öffentlichen Müllplatz verkommen war, schlummerte auf dem deutlich verwilderten Grundstück noch ein historischer Wert. Um 1900 befand sich in dem Fachwerkbau eine Ausflugsgaststätte. Nicht zuletzt deshalb gab es Bestrebungen, das Gebäude unter Schutz stellen zu lassen. Diese Bemühungen sind mit dem verheerenden Brand nun hinfällig.

Der Verein der „Freunde der Festung Magdeburg e. V.“ hatte sich auf eine Spurensuche zur Baugeschichte gemacht. Es stand der Verdacht im Raum, dass es sich bei dem Gebäude um ein historisches Rayonhaus handeln könnte. Der Standort hat dies nahegelegt. In einer Stellungnahme vom Januar wird das Ergebnis der Recherche präsentiert. Demnach ist das Haus vermutlich erst nach der Aufhebung der Rayonbestimmungen und der Auflassung der Festungswerke Mittelwerk (1891) geschaffen worden. Viel später kann der Bau auf dem damaligen städtischen Grundstück „Stadtparkstraße 1 E“ aber doch nicht entstanden sein. Der Grund: Das Haus diente um 1900 als Gaststätte. Es war das „Café Wiesenpavillon“. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg ging der Grund in Privateigentum über und wurde als Wohnhaus genutzt. Zuletzt stand es für viele Jahre leer.

Zeugnis für die Bebauung des Rayons

Auch, wenn es sich bei dem holzverkleideten Fachwerkbau wohl nicht um ein Rayonhaus gehandelt haben mag, kam der Verein zu einem klaren Fazit: „Es ist ein schützenswertes Gebäude“, unterstreicht der Vereinsvorsitzende Dr. Bernhard Mai gegenüber der Volksstimme. Als ein Zeugnis für die Bebauung des Rayons nach 1890 sowie als Ausflugsziel wäre eine Unterschutzstellung zu empfehlen gewesen, so Mai, zumal das Gebäude im Schweizerhaus-Stil errichtet worden war und die meisten zeitgenössischen Ausflugsgaststätten des 19. Jahrhunderts verloren gegangen seien. Im Magdeburger Denkmalplan werde es nicht als solches ausgewiesen.

Auf Volksstimme-Nachfrage bestätigt das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie mit Sitz in Halle, dass eine Anfrage zum Denkmalstatus des Hauses vom Verein „Freunde der Festung Magdeburg“ aus dem Januar vorgelegen hätte. Die Vorprüfung des Sachverhalts hätte ergeben, „dass die vom Verein angeführten Kriterien zum Bautypus und zum Baualter nicht allein für eine Unterschutzstellung ausreichen“, erklärt der Gebietskonservator Andreas Huth. Der Bautyp des Rayonhauses wäre bereits mit einer großen Anzahl im Denkmalverzeichnis des Landes Sachsen-Anhalt vertreten. Hinzukomme, dass sich ein unmittelbarer militärgeschichtlicher Kontext in Bezug zur Magdeburger Zitadelle oder eine technikgeschichtliche Funktion als Schleusenwärterhaus archivalisch nicht nachweisen ließen.

Das Haus wäre vom Landesamt also vermutlich eher nicht unter Schutz gestellt worden. Renate Fiedler, Sprecherin der Bürgerinitiative „Rettet den Stadtpark Rotehorn!“, sieht das Problem, dass durch den Brand die Möglichkeit verschwunden ist, Widerspruch gegen einen negativen Denkmal-Bescheid einzulegen. „Es ist kurios, dass das Gebäude niederbrennt“, sagt sie. In Kombination mit der zunehmenden Verwahrlosung der leer geräumten Kleingartenanlage, die gleich nebenan liegt, will sie eine „gewisse Stimmungslage“ erkennen, die einer künftigen Bebauung des Geländes zum Vorteil reichen könnte. Renate Fiedler hätte sich gewünscht, dass man das alte Haus erhält. In den Räumen hätte zum Beispiel eine Informationsstätte zum Rayon einziehen können, spekuliert sie. Jetzt bleibt wohl nichts anderes übrig, als die verkohlte Ruine samt ihrer Geschichte abzureißen.