Magdeburg l Günstige Preise für die Verbraucher, Jugendbegegnungen und das friedliche Miteinander. Dies sind drei Punkte, mit denen die neu formierte Magdeburger Europaunion für die Idee des geeinten Europas wirbt.

Normen für gerade Gurken? Verbot der Glühbirne? Einführung umstrittener Umweltzonen? Die Idee eines geeinten Europas hat aufgrund wenig einleuchtender und zuweilen einfach schlecht erklärter Entscheidungen in den vergangenen Jahren an Popularität verloren. Im Gegenzug sind in allen Ländern Populisten und Extremisten mit europafeindlichen Parolen und ohne durchdachte Vorschläge, wie man die Probleme wirklich lösen könnte, aufgestiegen.

Das geht so nicht weiter, meinten jetzt zwei Dutzend Magdeburger und haben den Kreisverband der Europaunion wiederbelebt, nachdem dieser seit etwa drei Jahren nur noch sporadisch Lebenszeichen von sich gegeben hatte. Bei dem Verein handelt es sich um eine überparteiliche Bürgerbewegung, die die Idee eines gemeinsamen Europas voranbringen möchte. Neuer Vorsitzender ist Matthias Stübig, und er erläutert: „Wir möchten mit einem ebenso konstruktiven wie kritischen Dialog Europa für die Menschen greifbarer machen.“ Unterschiedliche Standpunkte sollen kritisch diskutiert werden, es soll in Magdeburg eine Plattform für einen Dialog entstehen. Vorstandsmitglied Sabine Overkämping sagt: „Es ist ja keineswegs so, dass wir immer einer Meinung wären. Man kann auch trefflich darüber streiten, wie Europa gestaltet werden soll.“

Forderung nach mehr Jugendbegegnungen

Beispiel Förderung des Austauschs. Einigkeit darüber, dass echte Jugendbegegnungen viel bringen. Vorstandsmitglied Sören Herbst: „So etwas sollte jeder einmal erlebt haben.“ Und auch die Förderung von Städtepartnerschaften halten die für Europa flammenden Europäer für sehr wichtig. Doch die vom Landesvorsitzenden Thomas Rieke geforderten kostenlosen Interrailtickets für Jugendliche finden Widerspruch bei Daniel Adler, der als Vorsitzender der Magdeburger Jungen Europäischen Förderalisten quasi den Nachwuchs leitet. Er sagt: „Europa darf nicht versuchen, im Abstand von Halbjahren sich das Wohlwollen der Menschen zu erkaufen.“ Als Erfolg der EU im Sinne des Verbrauchers sieht Vorstandsmitglied Christian Scherf derweil die neuen Regelungen zu Handytarifen im europäischen Ausland.

Als Initialzündung für die Wiederbelebung der Magdeburger Europaunion mag übrigens die Pulse-of-Europe-Bewegung gelten: In Europa waren Hunderttausende vor den Wahlen in den Niederlanden und in Frankreich für ein geeintes Europa auf die Straße gegangen. Und initiiert von der Magdeburger Europaunion hatten sich auch in der Landeshauptstadt Menschen für das Thema begeistern können: Am offenen Mikrofon hatten bei dieser Gelegenheit jüngere Besucher beispielsweise ihre Chancen zum Reisen, Lernen und Arbeiten auch außerhalb Deutschlands dank eines geeinten Europas gelobt. Und ältere Besucher, die noch den Schrecken des Zweiten Weltkriegs miterlebt haben, machten auf das Verdienst eines vereinten Europas für einen inzwischen 70 Jahre währenden Frieden aufmerksam. Vorstandsmitglied Melanie Diedrich sagt: „Die Alternative jetzt wäre gewesen, den Verein aufzulösen. Und das wäre ein völlig falsches Signal gewesen.“

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