Magdeburg l Erst kürzlich wurde in Magdeburg in der Alten Neustadt eine neue Teilauto-Station eingeweiht. 800 Magdeburger machen bereits Gebrauch von dem Angebot. Tendenz steigend. Auch Jens Winter hat sich gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin vor drei Jahren gegen den Kauf eines neuen Autos entschieden. „Und wir haben es keinen Tag bereut“, sagt er.

Er wohnt in der Innenstadt: „90 bis 95 Prozent meiner Wege kann ich zu Fuß, mit dem Rad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln abdecken.“ Dennoch sei es ein Hin und Her gewesen, ehe er und seine Partnerin sich durchringen konnten, kein eigenes Auto mehr zu haben. „Und als wir uns dann entschieden hatten, wollten wir nicht zurück.“

Für den Notfall ein Fahrzeug

Eine der größten Sorgen sei damals die Versorgung der Kinder gewesen, wenn es mal einen Notfall gibt. „Aber wir haben gedacht, so viele Leute haben kein Auto und schaffen das auch“, erinnert sich Jens Winter. Nun ist er bei „Teilauto“ angemeldet. In der näheren Umgebung gibt es bereits mehrere Standorte. Für ein bis zwei Stunden zahlt er fünf bis zehn Euro.

Die Rechnung wird nicht nur nach der Zeit, sondern auch nach der Entfernung gestellt, die er mit dem Auto zurücklegt. „Aber die Kosten sind uns gar nicht so wichtig“, sagt Winter. Obwohl er gesteht, dass er bewusster nachdenkt, ob er für einen Weg unbedingt ein Auto nutzen muss oder ob er ihn nicht auch auf andere Weise erledigen kann. Grundsätzlich nutzen er und seine Partnerin das Angebot allerdings der Sache wegen.

Wünschenswert: mehr Elektroautos

Das Teilauto-Modell ist für Winter eine Säule in einem guten Verkehrskonzept mit Öffentlichem Personennahverkehr und Fahrradinfrastruktur. Und: Wenn sich zehn Autofahrer gegen ein eigenes Auto und für ein Teilauto entscheiden, seien das neun Parkplätze, die frei wären. Er würde das Modell auf jeden Fall weiterempfehlen. „Ich finde aber, es müssten noch mehr Elektroautos sein“, sagt er.

Die Handhabung sei relativ einfach. Auf die einmalige Anmeldung kann man sich über das Internet anschauen, wo verfügbare Autos stehen und sie gleichzeitig auch reservieren. Mit einer Chipkarte kann man das Auto dann freischalten und losfahren. Einziger Nachteil ist, dass die Autos wieder am Ausgangspunkt abgestellt werden müssen.

Das ist in anderen Städten anders. In Berlin etwa können Autos von Carsharing-Anbietern innerhalb bestimmter Zonen an beliebigen Orten abgestellt werden. Auch in Halle gibt es bereits einen Anbieter, dessen Autos an beliebigen Orten abgestellt werden können. „Wenn sich in Magdeburg noch mehr Leute für dieses Modell entscheiden, wird sicher auch die Infrastruktur der Teilautos noch ausgebaut“, sagt Jens Winter.

32 Fahrzeuge stehen zur Verfügung

Aktuell stellt das Unternehmen 32 Fahrzeuge in Magdeburg zur Verfügung. Die meisten sind in der Altstadt stationiert, aber es gibt auch Autos in den Stadtteilen Stadtfeld-Ost, Sudenburg, Alte Neustadt, Buckau, Brückfeld, Cracau und Nordwest, berichtet Franziska Wilhelm als Mitarbeiterin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Zuletzt hinzugekommen sind ein Elektro-Fahrzeug an der Station Julius-Bremer-Straße in der Altstadt und ein Kleinwagen an der Großen Weinhofstraße (Alte Neustadt) – dort im Rahmen eines Kooperationsprojekts mit der MWG. Geplant ist für August eine weitere Station in der Bleckenburgstraße in Buckau. Dort wird das 33.  Fahrzeug hinkommen.

Jens Winter berichtet, dass im Bereich der Uni sogar auch ein Transporter nutzbar ist. Jens Winter: „Damit kann man dann auch mal ein größeres Möbelstück transportieren.“ Das erste Teilauto-Fahrzeug gab es in Magdeburg im Jahr 2011. Das Durchschnittsalter aller Nutzer liegt bei 38 Jahren.

Jens Winter berichtet, dass im Bereich der Uni sogar auch ein Transporter nutzbar ist. Jens Winter: „Damit kann man dann auch mal ein größeres Möbelstück transportieren.“ Das erste Teilauto-Fahrzeug gab es in Magdeburg im Jahr 2011. Das Durchschnittsalter aller Nutzer liegt bei 38 Jahren.

Deutsche Bahn bietet Autos an

Aber Teilauto ist nicht das einzige Unternehmen, über das Magdeburger sich bei Bedarf ein Auto leihen können. Auch die Deutsche Bahn bietet über das Portal Flinkster Autos an. Wie DB-Sprecherin Judith Weland erklärt, stehen in dem Netzwerk in Magdeburg 31  Fahrzeuge zur Verfügung. „Zudem haben wir etwa 1700 Flinkster-Kunden in Magdeburg“, konstatiert sie.

Wer der Umwelt etwas Gutes tun möchte oder die Parkplatzlage entschärfen helfen möchte, hat aber noch andere Möglichkeiten, ein Auto zu teilen. Die Plattform Drivy gehört zur „Sharing-Economy-Bewegung“. Dahinter steht die Überzeugung, dass eine dezentrale Wirtschaft, um Güter und Dienstleistungen zu teilen, effizienter ist, da sie die Verschwendung von Ressourcen reduziert, was wiederum zu wirtschaftlichem, umweltfreundlichem und sozialem Nutzen beitragen kann.

Trend setzt sich nur langsam durch

Hier können Interessenten ihr Auto anmelden und dann ihr Auto anderen zu einer Leihgebühr zur Verfügung stellen. Dieses Angebot ist allerdings noch nicht so verbreitet. Genaue Zahlen vom Unternehmen waren nicht zu bekommen. Auf der Internetseite werden für Magdeburg 19  registrierte Autos angezeigt, die für einen Zeitraum von 24  Stunden und eine Distanz von 100 Kilometern zwischen 25 und 72 Euro kosten, wie eine Eingabe in der Suchmaske ergab.

Deutschlandchef Nils Roßmeisl sagt: „Wir kennen keinen objektiven Grund dafür, aber insgesamt wächst Carsharing in Magdeburg langsamer als in anderen vergleichbaren deutschen Städten. Um das Wachstum anderer Regionen auch nach Magdeburg zu bringen, wollen wir uns stärker auf lokale Kooperationen und Kommunikation konzentrieren.“

Ein ähnliches Angebot wie Drivy bietet die Plattform „Take my car“ (Tamyca) an. Zahlen waren hier nicht zu bekommen.

Mietwagen nutzt Jens Winter vorrangig, wenn eine weitere Urlaubsreise geplant ist. Aber auch dann werden Kosten und Nutzen und Praktikabilität abgewogen. Er wünscht sich, dass sich viele weitere Leute entschließen, entsprechende Angebote zu nutzen.

Jens Winter engagiert sich auch in der Kommunalpolitik. Er ist Sprecher der Gemeinwesenarbeitsgruppe Altstadt.