Magdeburg (vs) l Die Corona-Krise hinterlässt schon jetzt deutliche Spuren, auch in der Eventbranche. Aus Angst vor dem Ausbluten des kulturellen Lebens und damit eines ganzen Wirtschaftszweiges mit Tausenden Arbeitsplätzen in Sachsen-Anhalt haben Veranstalter jetzt in Magdeburg die "Initiative Veranstaltungswirtschaft" für Sachsen-Anhalt gegründet.

Es ist ein loser Zusammenschluss von Betreibern von Veranstaltungsstätten, Veranstaltungsagenturen, Schaustellern sowie Dienstleistern wie Cateringunternehmen, Security- und Technikfirmen, teilte die Magdeburger Presseagentur Presstige mit. Sie alle fordern von der Politik rasch einen konkreten Fahrplan, wann und wie das Veranstaltungsleben im Land schrittweise wieder aufgenommen werden kann. Das Ziel: Ein sanfter Wiedereinstieg zunächst mit kleineren Veranstaltungen unter entsprechenden Hygieneregeln, um Künstlern, Agenturen und Dienstleistern das Überleben zu sichern.

Keine Veranstaltungen wegen Corona

Derzeit sind laut der landesweiten Corona-Regeln grundsätzlich jegliche Veranstaltungen bis zum 3. Mai 2020 verboten. Gleichzeitig sind alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern bis zum 31. August untersagt. Am 30. April soll nach Beratungen auf Bundes- und Landesebene entschieden werden, ob das generelle Veranstaltungsverbot ab dem 4. Mai gelockert werden kann. Darauf hoffen die Veranstalter.

Die Initiative hat eine Checkliste entwickelt, mit der, je nach weiterer Entwicklung der Pandemie, für jede einzelne Veranstaltung die Durchführbarkeit geprüft werden kann. Kriterien wären aus Sicht der Unternehmen neben der Besucherzahl, dem Ort und der Dauer der Veranstaltung, ob Besucher regional oder überregional anreisen und ob wirksame Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus getroffen werden können.

Mundschutz ja, Abstand nein

„Der Mundschutz ist hier genauso wie in öffentlichen Verkehrsmitteln ein adäquates Kompensationsmittel für die 1,50-Meter-Abstandsregel. Diese Abstandsregel ist für Veranstaltungen schlicht nicht praktikabel und führt wegen fehlender Wirtschaftlichkeit zu Absagen“, erklärt Schausteller Ralf Haase.

Weiterhin fordert die Initiative eine stärkere finanzielle Unterstützung der Branche. „Die bisherigen Angebote der Bundes- und Landesregierung kommen in der Branche kaum an“, betont MVGM-Chef Steffen Schüller: „Die gewährten kurzfristigen Hilfen für Firmen bis 50 Mitarbeiter waren für drei Monate ausgelegt. Bereits heute ist absehbar, dass die Krise die Branche bis ins nächste Jahr beeinträchtigen wird.“

Kredite nicht sinnvoll

Kredite seien zudem für die Branche nicht sinnvoll, da auch die perspektivischen Erlöse zu gering seien, um diese zu tilgen. „Wir können unsere Produkte ja nicht auf Lager legen und dann eben später verkaufen, sondern nur ,live‘ produzieren. Die jetzigen Verluste sind nicht nach der Krise einfach wieder reinzuholen“, macht Daniel Ziegler, Inhaber der Mekka Veranstaltungslogistik, deutlich. „Eine mögliche Reduzierung der Umsatzsteuer auf Speisen für die Gastronomie befürworten wir ausdrücklich. Sie sollte jedoch auch für Getränke und Eintrittsgelder gelten“, ergänzt er.

Zur Initiative gehören Steffen Schüller (Geschäftsführer der Messe- und Veranstaltungsgesellschaft Magdeburg - MVGM), Daniel Ziegler (Mekka Veranstaltungslogistik und Security), Mirko Stage (Kultur Szene Magdeburg e.V.), Ralf Haase (Magdeburger Schaustellerverein), Holger Salmen (First Contact Eventagentur), Martin Hummelt (Agentur Fresh Pepper), Christian Szibor (Festung Mark), Jens Burkart (Magdeburger Gastro Conzept), Christian Legler (Studio D4) und Paul-Gerhard Stieger (Weihnachtsmarkt Magdeburg).