Magdeburg l Herbert Beesten – Ingenieur, Geschäftsführer, Schriftsteller und einer der Magdeburger des Jahres 2019 – arbeitet an einer Idee, die gleichermaßen in der jetzigen Corona-Krise Kulturschaffende unterstützen und Inhalte für ein Kulturhauptstadtjahr 2025 in Magdeburg schaffen soll. 2025 soll an einem prominenten Ort in der Elbe ein „Kulturfrachtschiff“ der Zukunft ankern. Es geht um ein Gebäude, das in der Form an ein Schiff erinnert und das mit einem Kran immer wieder neue Container mit Kultur an Bord nehmen soll, die die Menschen dort erfahren können.

Dabei soll über Spenden ab sofort das Geld gesammelt werden, um die Künstler, die wie beispielsweise Gastronomen, Händler und Reiseveranstalter derzeit unter den Einschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie unter immensen wirtschaftlichen Druck geraten sind. Die Künstler sollen unterstützt werden, damit sie jetzt an ihren Ideen arbeiten können. „So entsteht eine symbolische Arche, um die aktuelle Magdeburger Kunst- und Kulturszene ,zu retten‘. Die Anfänge eines neuen 41. Stadtteils ,Klein Europa‘, oder ,Little Europe‘ entstehen nicht erst 2025“, erläutert Herbert Beesten. Es gehe darum, den Fundus der freien Kulturszene jetzt zu schützen und zu nutzen, aus dem im Jahr der Kulturhauptstadt geschöpft werden könne.

Platziert auf dem Domfelsen

Die Idee für dieses futuristische Objekt nahm schon vor einigen Wochen in Gesprächen mit anderen Künstlern erste Formen an. Zusammen mit Stefan Haberkorn entwickelte Herbert Beesten dann einen Entwurf, der vielleicht auch wie ein Ufo, ein stilisierter sprungbereiter Frosch oder doch ein aufgetauchtes Tarnkappen-U-Boot wirken mag. Es ist aber einfach der Entwurf für das Kulturfrachtschiff, das auf eine Containerladung Kunst wartet. Dieses Objekt soll auf dem Magdeburger Domfelsen platziert werden. Im Bereich der beliebten Elbtreppe soll es als Präsentationsplattform, Bühne und Treffpunkt für die freie Kulturszene in Magdeburg im Kulturhauptstadtjahr dienen, so die Vision von Beesten – wohl wissend, dass die notwendige Finanzierung und die Durchsetzung des Standortes nicht einfach wird.

Neben den anlaufenden staatlichen Programmen möchte Beesten durch einen von Magdeburger Bürgern und Firmen finanzierten Spendentopf den Blick über den Tellerrand der Krise hinaus richten: Künstler über einige Monate unbürokratisch helfen und motivieren, etwas Neues zu schaffen. Mit den Ergebnissen wird ein Container befrachtet werden – quasi als eine Art Arche – der dann im Kulturhauptstadtjahr auf das Deck des Kulturfrachtschiffes einschweben wird, dessen Inhalt dann ausgeladen und präsentiert wird.

Kunst aller Genres

Mit dem Kran des Kulturfrachtschiffes werden auch andere europäische Container an Bord gehievt. Die schiffseigene Bühne – ausgerichtet auf die Elbtreppe – bietet vielfältige Möglichkeiten, die Containerinhalte aus Musik, Bildern, Skulpturen, Büchern, Medienkunst, Theaterstücken den Zuschauern zu präsentieren. Die Containeridee bietet den Vorteil, so der Initiator, ständig wechselnde Programme und Objekte zu präsentieren. „Anders als bei festen Ausstellungen lohnt es sich also für die Magdeburger, immer einmal wieder vorbeizuschauen.“ Und Magdeburg-Besucher könnten gar inspiriert werden, ein weiteres Mal in die Stadt zu kommen.

Herbert Beesten ist optimistisch, dass es gelingen wird, Spenden zu sammeln. Er sagt: „Es sind auch Kleinstspenden erwünscht. Stellen Sie sich vor, nur jeder zweite Magdeburger würde im Durchschnitt einen Euro spenden, dann könnte man sehr viele Künstler über einige Monate unterstützen, die an neuen Kunstwerken arbeiten.“ Erreichen möchte der Initiator aber auch Firmen und Persönlichkeiten aus Magdeburg und sie als Sponsoren gewinnen.

So weit – so gut. Doch ein paar offene Fragen gibt es doch noch. Unter anderem die, was passiert, wenn es zum Beispiel keine Genehmigung gibt, das Kulturfrachtschiff am Domfelsen aufzubauen. „Der Domfelsen wäre sicher ein idealer Standort“, sagt Herbert Beesten. Dort habe sich bereits ein Treffpunkt für die verschiedensten Menschen entwickelt, die erreicht werden sollen.

Falls der Domfelsen als Standort ausscheidet, könnte sich Herbert Beesten aber auch andere Stellen an der Elbe vorstellen. Auf den Elbwiesen neben der Sternbrücke oder im Wissenschaftshafen beispielsweise.

Schiff als Wohnraum

Und wenn Magdeburg womöglich nicht Kulturhauptstadt wird? „Dann werden wir der gewählten Kulturhauptstadt unseren Kunst-Container anbieten“, so Beesten.

Falls das Kulturfrachtschiff übrigens Wirklichkeit werden sollte, sieht Beesten eine Vielzahl an Möglichkeiten zur Nachnutzung. Weiter als Ausstellung, als Gastronomie oder als Wohnhaus beispielsweise.

Sowohl Künstler als auch Unterstützer werden gesucht. Weitere Informationen dazu gibt es auf einer eigenen Homepage.